In der ZEIT GEFANGEN?

In der ZEIT GEFANGEN?

Den Alltag entschleunigen

Gibt es Möglichkeiten, dem Sog der Geschwindigkeit in unserem Leben Einhalt zu gebieten? Mit dieser Frage trat die VISIONEN-Redaktion an die psychologische Beraterin Céline von Knobelsdorff heran, die in Wasserburg am Bodensee lebt und arbeitet. Das Ambiente liefert eine passende Kulisse, um das Thema Entschleunigung des Alltags einzurahmen. Es ist still geworden am See, und für einen Moment scheint alles Wesentliche bereits beantwortet zu sein…

Hat der Ort hier etwas mit Ihrer Einstellung zu tun?

CvK: In jedem Fall – die Natur lebt einen klaren Zyklus von Dynamik und Innehalten – wobei das Innehalten nicht mit Stillstand gleichzusetzen ist. Wir setzen Stillstand gerne mit Stagnation gleich, vielleicht sogar mit Verlust. Das veranlasst uns, nicht freiwillig zur Ruhe kommen zu wollen, sondern uns stets weiter anzutreiben. Und das empfinden wir dann als Druck, Hektik, Atemlosigkeit.

Hilft die Natur also dabei, einen ausgeglichenen Rhythmus für unser Leben zu finden?

Sie ist ein Angebot in verschiedener Hinsicht. Zum einen können die Gedanken des Alltags während eines Spaziergangs wieder sortiert werden. Danach tritt meistens schon das Gefühl von Erleichterung ein. Man sieht eben wieder klarer und ist innerlich aufgeräumter. Zum anderen erinnert die Natur an Abläufe, die einer grundlegenden Ordnung folgen. Keiner kann die Jahreszeiten abstellen, nur weil es vielleicht für die Freizeitindustrie oder den Tourismus von Vorteil wäre. Wir tun gut daran, diese Abläufe einfach mal zu beobachten und den Sinn davon als etwas zu entdecken, was auch mir als Mensch weiterhelfen kann.

Stress schürt unser Gefühl, der Zeit hinterher zu laufen.

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