VORGESTELLT. Alfie Kohn (geb. 1957), der Autor des folgenden Beitrags, gilt als einer der führenden amerikanischen Reformpädagogen.
Neulich begann die Frau, die mir die Haare schnitt, von einem Problem zu erzählen, das sie mit ihrem Sohn hatte. Ich hatte kein Interesse daran, dass daraus eine ausführliche Beratung wurde, also riet ich ihr einfach, als sie mit ihrer Geschichte fertig war, sie könnte den Jungen auffordern, selbst einige Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Zu meiner Überraschung fand sie diese Idee so aufregend, dass ich mir bald Sorgen machte, ob sie mir vielleicht aus Versehen ein Stück vom Ohr abschneiden würde.
Eigentlich ist der Gedanke ja nicht so wahnsinnig originell, dass Kinder am Prozess der Problemlösung beteiligt sein sollten oder dass sie ein Mitspracherecht über das, was regelmäßig mit ihnen geschieht, haben sollten. Dennoch erstaunt es mich immer wieder, dass Eltern diese Möglichkeit überhaupt nicht in Betracht ziehen, ihr Handeln nicht danach ausrichten oder sich sogar wütend dagegen wehren. Daher ist es vielleicht lohnend, eine Weile darüber nachzudenken, warum – und wie – wir Kinder an der Entscheidungsfindung beteiligen sollten. Fangen wir mit dem Warum an.
„Kinder lernen, gute Entscheidungen zu treffen, indem sie Entscheidungen treffen, nicht indem sie Vorschriften befolgen.“
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