„Mit den Füßen auf der Erde und dem Kopf in den Wolken“

„Mit den Füßen auf der Erde und dem Kopf in den Wolken“

Taiji und Atemtypen

Meister Zhang Sanfeng erkannte im 12. Jahrhundert die Grundsätze des Taiji: Ein Kranich griff eine Schlange mit seinem Schnabel an. Sie aber wich allen Angriffen aus, um ihrerseits die ungeschützten Stellen des Kranichs anzugreifen. Der Kranich musste vor jedem Hieb zum Zielen innehalten, die geschmeidige Schlange hingegen war zum Ausweichen und Angreifen in ständiger Bewegung – und gewann den Kampf. Aus diesen Prinzipien entwickelte er die Bewegungs- und Kampfkunst Taijiquan: Durch langsame, geschmeidige und fließende Bewegungen die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers und die Gelassenheit eines Weisen erlangen – und eine spezielle innere Energie durch das Zusammenspiel von Geist, Atem und Bewegung.

Unsere aufrechte Haltung

Machen Sie sich manchmal bewusst, wie Sie stehen? Wie Ihre Füße den Boden berühren und wie Sie Ihren Kopf tragen? Und ob Sie beides zusammen wahrnehmen können? Vielleicht spüren Sie nicht so recht die Erde, die Sie trägt, und vielleicht ist Ihr Kopf gesenkt, weil zu viele Gedanken in ihm rotieren, oder Sie halten ihn betont aufrecht, weil es die Situation erfordert.

In Taiji und Qigong geht es darum, mit der eigenen Haltung Erde und Himmel zu verbinden: festen Stand zu gewinnen, guten Kontakt zum Boden zu haben und von den so „verwurzelten“ Füßen aus den Körper sich aufrichten zulassen, ohne ihn mit überflüssiger Muskelanspannung in einer als richtig empfundenen oder empfohlenen Haltung festzuhalten.

Wie geht das? Als kleines Kind, das gerade laufen lernte, hat im Grunde jeder von uns diese aufrechte Haltung erlebt, weil sie natürlich ist, d.h. den Körper unbewusst, als Reflex gegen die Schwerkraft, aufrichtet. In diesem Kindesalter kannten wir noch kein „Ich“ und infolgedessen auch keinen ichbestimmten Willen, der uns befahl, Haltung einzunehmen und zu bewahren, wir waren spontan und frei in unseren Bewegungen.

Diese Freiheit ist den meisten von uns im Laufe des Erwachsen-Werdens abhanden gekommen. Wir brauchen zu viel Anspannung, die im Grunde überflüssig ist, um uns aufrecht zu halten, und werden uns dessen meist nur durch Schmerzen und Verspannungen bewusst.

Taiji und Qigong ermöglichen es uns, die spontane Aufrichtung eines Kleinkindes wieder zu erfahren – durch bewusste Arbeit an Bewegung und Haltung.

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