Auf unserer Visitenkarte steht nicht nur unser Name, sondern auch unser Beruf und unsere Rufnummer. Genau besehen ist unser Name aber selbst schon eine Art Visitenkarte: Er beinhaltet Botschaften über unser Wesen und unsere Berufung und dient anderen zugleich als „Rufnummer“, unter der wir zu erreichen sind. Poetisch ausgedrückt, ist vor allem unser „Rufname“ das Klangkleid, das uns bei unserer Taufe oder Namensgebung angepasst – oder verpasst? – wurde. Wie das akustische Sender- Logo einer Radiostation erinnert er uns jedesmal, wenn er ertönt, unterschwellig an die Sendung, die wir im Leben ausstrahlen oder auszustrahlen haben – was durchaus nicht immer dasselbe ist.
Heißt jemand zum Beispiel Hans, kann er sich buchstäblich glücklich schätzen. Denn mit diesem Namen assoziieren wir sofort Glück („Hans im Glück“) und Gelingen, denn wenn schon Hänschen gut gelernt hat, gilt späterhin fürs ganze Leben: „Aber der Hans, der kann’s!“ Darum ist er oft als „Hansdampf in allen Gassen“ als vielseitiger, kompetenter „Macher“ begehrt und aktiv. Auch der „Hansi“ wird als netter Kumpel überall gut aufgenommen, man traut ihm aber schon weit weniger zu. Wie Hänsel oder „Hänschen klein“ mag er zwar ein gutes Herz haben, aber kein sehr mutiges, weswegen man ihn auch leicht mit seinen Schwächen aufziehen oder hänseln kann. Bei den Brüdern Grimm ist Schwester Gretel jedenfalls der couragiertere und engagiertere Teil und erweist sich am Ende sogar mit ihrem Kurz- und „Minder“-Kindernamen als echte „Perle“ (so die wörtliche Bedeutung des Vollnamens „Margarete“).
Werden wir so, wie wir heißen – oder heißen wir so, wie wir werden sollen? Laut C.G. Jung wählen Eltern den Namen ihres Kindes intuitiv passend zu seinem Seelenweg.
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