In manchen Gegenden gehört es zur Ostertradition ein Feuerrad ins Tal zu rollen. - Foto: Arun
Ob Brunnen schmücken, Feuerräder rollen oder Eier bemalen: Vieles von dem, was zum Osterfest traditionell ist, geht auf heidnische Ursprünge zurück. Im Gespräch erklärt der Autor Björn Ulbrich das Frühlingsfest Ostara mit seinen Ritualen und Zeremonien aus naturreligiöser Sicht.
Kelten, Germanen und auch die Slawen – praktisch alle Völker, die Europa bevölkert haben, bis hinunter zum heutigen Spanien oder bis nach Polen – haben den gleichen Urgrund. Sie kannten alle das achtspeichige Rad. Vier Jahreszeitenfeste sind am Sonnenlauf orientiert, nämlich die Winter- und Sommersonnenwenden und die beiden Tag- und Nachtgleichen. In der germanisch geprägten Kultur sind dies die Hauptfeste, während in den keltisch geprägten Regionen eher die Mondfeste die Hauptfeste sind. Die Sonnenfeste der Germanen werden repräsentiert von den Hauptspeichen des Rades mit den Mondfesten als Zwischenspeichen. Bei den Kelten verhält es sich genau andersherum: Die Mondfeste bilden die Hauptspeichen und die Sonnenfeste sind weniger wichtig. Dadurch, dass die Germanen Sonnenfeste hatten, wurden die in den Tag hinein gefeiert. Das Ereignis als solches findet in der Nacht davor statt.
Die Rituale werden aus der Dunkelheit heraus hinein ins Licht abgehalten. Die Symbolik korrespondiert dabei mit dem, was gerade in der Natur passiert. Denn auch eine Pflanze bewegt sich aus der Dunkelheit unter der Erde mit dem Spross, der den Boden durchbricht, ans Licht. Das lässt sich vor allem in der Zeit des Frühlings gut beobachten, wenn sich die ersten Krokusse zeigen. Das heißt, wir leben in einer Jahreszeit, die den Weg vom im Dunkeln liegenden Keim über den Spross ans Licht zur Blüte und Frucht darstellt, zum überschäumenden Leben. Deswegen ist es für mich logisch, dass man im Ritual genau das, was die Natur an Kernenergie und Archetyp bietet, nachlebt und verstärkt, also das Ritual genau auf diese Kraft hin ausrichtet.
In der Erkenntnis vom Werden und Vergehen der Natur steckt ein wohlgeordnetes System, bei allem augenscheinlichen Chaos und aller Unerbittlichkeit.
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