Träumen von Kopf bis Fuß

Träumen von Kopf bis Fuß

Die Symbolik der Körperteile verstehen

Sind Sie auch schon mal – im Traum – nackt im Supermarkt gestanden? Oder die Kassiererin hatte eine Glatze? Traum-Experte Willy Peter Müller entschlüsselt die Sprache der nächtlichen Bilder.

Die Sprache des Unbewussten ist die Bildersprache, hingegen ist die Sprache des rationellen Verstandes eher mathematisch-logisch. Noch vor 3.000 Jahren wurde fast ausschließlich über die Bildersprache kommuniziert; davon zeugen z.B. die ägyptischen Hieroglyphen oder die Mythen als Träger religiöser Information.

Jeder Mensch ist unbewusst im Besitz der urtümlichen Bildersprache. Wir kommen mit einem Unbewussten, das durch Symbole strukturiert ist, auf die Welt. Es sind Denk- und Fühlmuster metaphorischer, allegorischer Art, die die Erfahrungen der vorangegangenen Evolution in summa darstellen. Die vorgegebenen Hauptsymbole nennt man Archetypen (griech. arche = Anfang, Prinzip; griech. typos = Bild, Figur, Typ); man könnte sie auch Erz-Symbole nennen. Sie sind bei allen Menschen in der Welt vorhanden, und auch ziemlich gleich. Daher spricht man mit Carl Gustav Jung von den „Archetypen im kollektiven Unbewussten“. Jeder Träumer setzt sie, auch ohne je eine Schule besucht oder ein Buch gesehen zu haben, genial ein, und zwar in Übereinstimmung mit all seinen Nachbarn. Aus diesem Grunde ist man – mit viel Erfahrung in der Archetypenlehre – imstande, einen Traum zu deuten, auch ohne die Biografie des Träumers zu kennen. Die Symbolsprache spricht für sich selbst.

Die Kunst, die Bilderrätsel zu deuten

Der Vater der Erkenntnis des Unbewussten und der Träume ist Sigmund Freud – heute allerdings sehr kritisch zu sehen. Seine Theorie besagt, dass alle Träume Wunschanmeldungen seien; außerdem hätten sie meist einen Sexualitäts- oder Aggressionshintergrund. Und die Träume seien zensiert, verharmlost, entstellt. Einige Erkenntnisse Freuds über die Traumarbeit bleiben aber genial: die Traumkomprimierung (Zusammenfassung vieler ähnlicher und pseudo-ähnlicher Erlebnisse), die Assoziationstätigkeit des Unbewussten, die Rolle des „rezenten Materials“ (der Tagesanstöße), die enorme Wichtigkeit der frühen Kindheitserlebnisse oder des Verdrängten. Freud war jedoch betonter Materialist, ihm entging die spirituelle Bedeutung der Träume völlig.

Die Nacktheit zeigt ungeschminkte Wahrheit, und zwar mental oder psychisch.

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