VOM „DU BIST...“ ZUM „ICH BIN!“

VOM „DU BIST...“ ZUM „ICH BIN!“

Elterliche Fremdbestimmung überwinden

„Kinder brauchen Grenzen“, hieß es im Juli-Heft. Aber auch Eltern müssen ihre Grenzen kennen. Elterliche Grenzverletzungen sind genauso schädlich wie regellose Grenzenlosigkeit. Gerade mentale Übergriffe werden meist gar nicht erkannt, sondern für normal und nötig gehalten. Grund genug, sie sich klar bewusst zu machen und sich von ihren schmerzlichen Folgen zu befreien.

VORGESTELLT. „Helmut Frahs – der Name eines Menschen, dessen Fremdheit, dessen Identität sich auflöst. Daran ist nichts Besonderes. Daran beteiligt ist am allerwenigsten Helmut Frahs selbst. Es ist das Leben, das in allem geschieht. Weniger Fremdheit bedeutet mehr Raum – Lebensspielraum, Raum für menschliches Aufblühen.“ (Der Autor)

VORBEMERKUNG. Der nachfolgende Text wird von den Leserinnen und Lesern, bildlich gesprochen, unterschiedlich aufgenommen und verinnerlicht werden: Für einen Teil wird es sehr nährend und bereichernd sein, ihn zu lesen. Für einen anderen Teil der Leser wird der Text zwar durchaus nährend, aber insgesamt schwer verdaulich sein – verbunden mit schmerzhaften und gärenden „Verdauungs- Prozessen“. Durch einen weiteren Teil der Leser wird dieser Text quasi unbemerkt hindurch gehen, ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen. Bleibt noch die Gruppe der Leser, die heftig abstoßend auf den Text reagieren wird. – Wie wird es bei Ihnen sein?

„NORMALE ERZIEHUNG IST MANIPULATIV.“ Die Erziehung, die ein Mensch normalerweise in seinem Leben erfährt, bezeichne ich als manipulativ. Als „normal“ kann diese Erziehung nur deshalb bezeichnet werden, weil es der gesellschaftlichen Norm entspricht, so zu erziehen, wie es gerade zeitgemäß ist und wie es von den Eltern oder anderen Experten bzw. Wissenschaftlern als richtig erachtet wird.

Erziehung ist im wahrsten Sinne des Wortes gravierend (lat. gravis = schwer, schwer wiegend, drückend). Das Manipulative und damit aus meiner Sicht das Gewaltvolle an Erziehung fällt bei oberflächlicher Betrachtung nicht wirklich auf. Wie sollte es auch, wenn ich eine Alternative nie erlebt und damit nie kennen gelernt habe? Ich kann mir meiner Unbewusstheit nicht bewusst sein. Ich kann nicht wissen, dass es eine andere Art des gemeinsamen, entspannten und friedvollen Wachsens gibt, wenn ich selbst nicht erlebt habe, so zu leben. Wenn dieses Wissen fehlt, ist der eigene Horizont ungefähr so begrenzt wie das Weltbild: „Die Erde ist eine Scheibe und das Zentrum des Universums.“ Die ersten Erkenntnisse darüber, dass die Sonne nicht um die Erde kreist und dass die Erde rund ist, wurden mit Gewalt zu unterdrücken versucht. Mindestens ähnlich erschütternd für das eigene Weltbild ist die Erkenntnis, welche gravierenden Auswirkungen die manipulative Erziehung für uns Menschen hat.

Elterliche Grenzverletzungen sind Akte der Gewalt: Von Außen dringt ein anderer in meinen Innenraum ein und bestimmt über mein Denken, Fühlen und Sein.

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