Cami Walker ist heute Ende 30 und wohnte und arbeitete zu der Zeit, als ihre außergewöhnliche Geschichte begann, in Los Angeles. Sie war gerade erst mit ihrem Mann, den sie zwei Jahre zuvor geheiratet hatte, hierher gezogen, in eine ihr fremde Umgebung, als ihr die Ärzte bestätigten, was sie irgendwie schon geahnt hatte: Sie hatte Multiple Sklerose. Sehr genau und offen beschreibt sie in ihrem Buch, das in den USA bereits ein Bestseller ist, wie schrecklich diese Diagnose und die Symptome der Krankheit für sie waren: Die Schmerzen, die Hilflosigkeit – eine Krücke benutzen zu müssen –, die Müdigkeit, die Depressionen, die Schlaflosigkeit und die immer kreisenden Gedanken: „Das kann ja nur schlimm enden!“
Wie durch eine göttliche Fügung trifft sie auf die Heilerin Mbali, die ihr eine ungewöhnliche Heilungsmethode vorschlägt. Es geht darum, 29 Tage lang jeden Tag bewusst einem anderen Menschen ein Geschenk zu geben. Das könne alles Mögliche sein – ein netter Telefonanruf, etwas Geld, etwas Geduld. Wichtig sei die Haltung des Gebens, das würde sie heilen können. Zwei Monate später entscheidet sich Cami, den 29 Geschenke-Weg zu gehen. Sie beschreibt in ihrem Buch jeden einzelnen Tag detailliert und spannend. Schon nach wenigen Tagen stellt sie erstaunt fest, dass sie sich innerlich besser fühlt, sie hat weniger Schmerzen, kann sich besser bewegen, die Kommunikation mit ihrem Mann wird offener und tiefer.
Am 13. Tag ist sie überzeugt: „Diese Methode ist ein Wunder, es wirkt tatsächlich. Ich muss das weitergeben!“ Sie – die 15 Jahre in PR gearbeitet hat, weiß – wie man eine Idee am wirksamsten publik macht: über das Internet. Sie lässt eine professionelle Website erstellen und stellt ihre ersten Nachrichten und Videos darauf vor. Die Übersetzung des ersten wichtigen Videos wird gleich zu lesen sein. Die 29 Geschenke sind mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung mit über 12.000 engagierten Teilnehmern geworden. Cami schreibt gegen Ende ihres Buches, dass sie zwar noch nicht völlig gesund sei, aber dass die Ärzte sich über die enorme Verbesserung ihres Gesundheitszustandes nur wundern können. Mittlerweile hat sie sich in ihrer Arbeit ganz der Unterstützung von Unternehmen gewidmet, die sich wirklich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen auf diesem Planeten einsetzen. Ihr Buch schließt mit Berichten von Freunden und ersten Geschichten von Menschen, die sich über Internet eingebracht haben.
Ich finde die Geschichte und das Buch von Cami Walker sehr berührend und ermutigend. Es geht sehr genau auf ganz alltägliche Situationen ein, auf psychologische Hintergründe und es beschreibt eben gut nachvollziehbar die Sicht eines Menschen, dem eine schwere, fast unheilbare Krankheit diagnostiziert wird und der sich darüber erhebt. Geschenke zu geben mag keine Allheilmethode sein. Ich würde auch sagen, dass es tiefere Wege der Selbsterkenntnis gibt, doch es ist nach meiner Einschätzung ein sehr praktischer Weg der Nächstenliebe und des Mitgefühls. Im Folgenden äußert sich Cami selbst.
Christian Salvesen
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