Wenn wir die Aufmerksamkeit darauf richten, was sich in unserem Innenleben abspielt, erkennen wir schnell, dass wir nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit uns selbst kommunizieren. Wir haben vielleicht alle möglichen Erwartungen, wie sich die Menschen in unserer Umgebung uns gegenüber verhalten sollten – freundlich, einfühlsam, acht sam, respektvoll oder wie auch immer –, aber selten schenken wir der Art und Weise Aufmerksamkeit, wie wir eigentlich mit uns selbst umgehen. Dem einmal nachzuspüren, kann ein spannendes und lohnendes Forschungsprojekt sein. Von klein auf machen wir Erfahrun gen mit den Menschen, die sich um uns gekümmert haben – meist vor allem die Eltern, aber auch andere Per sonen, die eine maßgebliche Rolle in unserem Leben gespielt haben. Unser Selbstbild und Selbstgefühl entwickeln sich vor allem aus der Art und Weise, wie unsere Umwelt auf uns rea giert, und aus den Schlüssen, die wir aus diesen Reaktionen gezogen haben. Ebenso übernehmen wir unbewusst Haltungen und Einstellungen dem Leben gegenüber. Laut den Forschungen der so genannten Epigenetik, eines neuen Zweiges der modernen Biologie, werden die grundlegenden Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen tief in den synaptischen Verbindungen unseres Unterbewusstseins verdrahtet und steuern uns für den Rest unseres Lebens – wenn wir uns ihrer nicht bewusst werden und uns gegebenenfalls anders entscheiden. Diese Speicherung geschieht sehr früh und ganz automatisch, und diese Lebensskripte prägen unsere Sicht der Welt und unser Selbstbild – in die eine oder die andere Richtung.
Egal, was wir erlebt haben und wo wir heute stehen – wir können uns auch jetzt noch bis in unse re Biologie hinein verändern.
Die Art der Botschaften, die wir verinnerlicht haben, sind recht unterschiedlich – aber nur sehr selten lauten sie, dass wir liebenswert sind und eine Freude für unsere Eltern. Vielleicht mussten wir um Aufmerksamkeit kämpfen und haben so das Gefühl, nie gut genug zu sein – ein Muster, das uns besonders zu schaffen machen kann, wenn wir ...
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