Gut kenne ich diese Freude auf das erste – und auf weitere – Enkelkinder, zumal wenn wir spüren, dass wir selbst älter werden und dass unsere erwachsenen Kinder nun ihren eigenen Weg gehen und uns kaum noch zu brauchen scheinen. Da weckt so ein kleiner neuer Mensch gleich Hoffnung, schon wenn er sein Kommen ankündigt. Und dies geschieht um so mehr, wenn unser eigenes Leben und unsere Arbeit oder Arbeitslosigkeit uns unzufrieden lassen. Da kommen Enkelkinder oft gerade recht: Wir richten dann zuweilen alle unsere Sehnsüchte zu ihnen hin und „wollen mehr von ihnen, als sie geben können“ (so kürzlich eine junge Mutter). Solche meist unbewussten missbräuchlichen Wünsche wirken auf junge Familien leicht abstoßend. Dies ist besonders der Fall, wenn sich die Großeltern nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie in Gefahr sind, brach liegende Energien über die Kleinen auszuschütten.
Manchmal ist es aber auch anders: Wir haben vielleicht – nach den Jahrzehnten der Verantwortung für unsere eigenen Kinder – ge¬rade damit angefangen, uns weitere Lebensträume zu erfüllen. Dann fühlen wir uns vielleicht nicht wohl in dem Wissen, dass unsere erwachsenen Kinder jetzt erneut – auf andere Weise – unsere Unterstützung brauchen. Das trifft vermutlich besonders auf Großeltern zu, die selbst als junge Eltern wenig großfamiliäre Hilfe erfahren konnten. Da gibt es einen verständlichen und berechtigten ungestillten Hunger auf ein eigenes Leben. Und dieser Hunger konkurriert mit dem ebenfalls verständlichen und natürlichen Bedürfnis der jungen Eltern nach Unterstützung. Denn die Aufgabe, ein oder mehrere kleine Kinder groß zu ziehen, ist für ein junges Paar allein tatsächlich zu schwer!
Ich persönlich würde mich mehr in diese zweite Gruppe von Großeltern einordnen. Dennoch habe ich in den inzwischen 20 Jahren meines Großmutterseins die Erfahrung machen dürfen, dass sich sowohl meine persönlichen als auch die Wünsche unserer drei Kinderfamilien letztendlich doch ganz gut vereinbaren lassen.
Aber es kommt m.E. alles darauf an, wie wir Großeltern die jungen Familien unterstützen. Als eine ältere Frau, die sich beruflich regelmäßig mit jungen Eltern trifft, möchte ich hiermit versuchen aufzuzeigen, welche Art der Hilfe jungen Familien m.E. wirkliche Unterstützung bietet. Dabei spreche ich aus meiner Erfahrung – auch mit den eigenen Kindern und Schwiegerkindern.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der – grundgesetzlich festgeschrieben – junge Eltern mit ihrer Verantwortung für Babys und Kinder so gut wie völlig auf sich selbst gestellt sind. Und weil wir es selbst oft genauso erlebt haben, fällt uns die Unnatürlichkeit dieser Situation in der Regel gar nicht auf. Vergleiche mit anderen Kulturen, z.B. den altostasiatischen, altafrikanischen oder altindianischen können uns dagegen das Groteske dieser unserer kulturellen Situation bewusst machen: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen – und es braucht ein ganzes Dorf, um für die seelische Gesundheit der Eltern zu sorgen“, beschreibt die Afrikanerin Sobonfu Somé in „Kinder in der Gemeinschaft“ die traditionelle Praxis in ihrem Heimatdorf in Burkina Faso. Unsere jungen Eltern dagegen, und vor allem die Mütter von sehr kleinen Kindern, leben unter Bedingungen, die ein Kollege von mir kürzlich mit „Einzelhaftbedingungen“ verglich.
Hinzu kommt, dass die Säuglings-, Bindungs- und Hirnforschung der letzten 20-30 Jahre (die in dieser Zeit sozusagen explodiert sind) unwiderruflich deutlich gemacht haben: Ungeborene und Säuglinge brauchen zum Aufbau sicherer Bindungen und ihrer Bindungsfähigkeit – als den wichtigsten Wurzeln für das Heranreifen ihrer Persönlichkeit – die liebevolle Beziehung zu mindestens einem, möglichst mehreren Erwachsenen, die absolut verlässlich sind.
Es ist aber jungen Eltern nur dann möglich, ihren Kindern solche Verlässlichkeit zum Aufbau von Urvertrauen in die eigene Wahrnehmung, in andere Menschen und die „Welt“ zu geben, wenn sie selbst ausreichend körperlich und seelisch genährt sind. D.h. ohne Unterstützung können sie diese unglaublich anspruchsvolle Leistung der Grundsteinlegung für friedfertige und glückliche Charaktere ihrer Kinder nicht erbringen.
Ich möchte gern auch andere Großeltern ermutigen, ihre Kreativität und Verantwortlichkeit dadurch unter Beweis zu stellen, dass sie um ihrer Enkelkinder willen noch einmal anfangen zu lernen. Denn angesichts der genannten Forschungsergebnisse gibt es zwischen den Erziehungsprinzipien unserer, der jetzigen Großelterngeneration und denen der jetzigen Eltern enorme Unterschiede, die wir nicht einfach übergehen sollten. Sie könnten leicht zu Barrieren zwischen den Generationen werden und die Unterstützung verhindern. Dann sind beide Seiten frustriert. Und das können wir verhindern, wenn wir zu lernen bereit sind:
1. Respekt vor der Realität: Die jungen Eltern sind nun diejenigen, welche die Verantwortung für ihre Kinder tragen und meist auch tragen wollen. Das bedeutet vor allem ...
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