Frauenrechte und Gleichberechtigung im Eherecht (Bekämpfung der Zwangsehe und Polygamie) stehen auf der Prioritätenliste des 42-jährigen Monarchen von Marokko weit oben. Zum Modernisierungskurs des Maghreb-Landes unter König Mohammed VI. gehört nun auch die Ausbildung von Frauen zu Geistlichen. Von 1200 Bewerberinnen wurden 50 zum Studium zugelassen, das sie nun (zusammen mit 150 männlichen Imamen) mit einem staatlichen Diplom abgeschlossen haben. Das befähigt sie zum Religionsunterricht in Moscheen, Schulen und Bildungszentren im ganzen Land. Allerdings bleibt das traditionelle Freitagsgebet immer noch Männern vorbehalten, den Imamen (Vorbetern). Die Predigerinnen werden deshalb auch nicht als Imame bezeichnet, sondern als „Mourchidates“, Führerinnen. Nach den Anschlägen in Casablanca im Mai 2003 entschied Marokko, den Islamisten an den Moscheen den Boden zu entziehen, und übernahm die Ausbildung von Geistlichen. Die Verbreitung einer toleranten und modernen Version des Islam soll vorangetrieben werden, um konservativen und fundamentalistischen Kräften zu begegnen und indirekt den Terrorismus zu bekämpfen.
Quelle: dpa