Der gebürtige Schweizer hatte sein Leben wie kaum ein anderer der christlichen Ökumene verschrieben und sich dabei stets vor allem für junge Christen engagiert. Hunderttausende Menschen aus ganz Europa pilgern jedes Jahr nach Taizé, wo Frère Roger nach seinem Theologiestudium eine ökumenische Gemeinschaft gegründet hatte. Ostern 1949 legten sieben Glaubensbrüder ein Gelübde ab. Sie verpflichteten sich, ihr Leben lang zölibatär, arm und gehorsam gegenüber der Gemeinschaft zu leben. Heute gehören ihr rund hundert Männer an, jeder dritte ist katholisch. Es ist die erste ökumenische Bruderschaft der Kirchengeschichte. Zuletzt hatte Frère Roger bei der Beisetzungsfeier von Papst Johannes Paul II. für weltweites Aufsehen gesorgt. Der damalige Kardinal Ratzinger und heutige Papst Benedikt XVI. reichte dem Protestanten die Kommunion - eine einzigartige Geste, dürfen doch die evangelischen Christen die Hostie nach katholischem Verständnis eigentlich nicht empfangen. In dem französischen Kloster Taizé dagegen wird schon seit Jahren während der Gebetszeiten gleichzeitig das evangelische Abendmahl und die katholische Kommunion gefeiert. Frère Roger hatte sich jahrelang bemüht, das Trennende der Konfessionen aufzuheben. Während einer Andacht wurde der 90-Jährige von einer offensichtlich geistig gestörten Frau am 16. August 2005 erstochen. Neuer Prior in Taizé ist nun der gebürtige Stuttgarter Frère Alois.
Quelle / Info: Text: Spiegel-Online