In den vergangenen Jahrzehnten konnte die Hirnforschung nicht zuletzt dank neuer Messverfahren und Computertopografie enorme Erfolge verzeichnen. Nun hat der Biologe Henry Markram an der Technischen Hochschule von Lausanne, Schweiz, ein bisher einzigartiges Projekt gestartet. Ein kleiner Teil eines Rattenhirns wurde so naturgetreu wie möglich, Nervenzelle pro Nervenzelle, in einem superschnellen Großcomputer nachgebildet – mit all den Millionen von Verbindungen (Synapsen), die ein Gehirn so unfassbar effektiv machen. Das ehrgeizige Ziel ist, bis 2015 – mit den jeweils noch zu entwickelnden Superrechnern – ein ganzes menschliches Gehirn mit Milliarden von grauen Zellen und den noch unendlich viel mehr Verbindungsmöglichkeiten nachzugestalten. Dabei wissen die Forscher selbst nicht genau, worauf das alles hinausläuft. Denn was da im Computer geschieht, ist mehr als nur ein Modell. Die Schaltkreise werden tatsächlich aktiviert. Das helle Aufblitzen der dargestellten Neuronen ist nicht nur ein Bild, sondern dahinter existiert ein echter Impuls, der den elektrochemischen Prozessen im Gehirn gleicht. Könnte sich da ein Bewusstsein entwickeln? Genau das ist die Grundfrage: Wie entsteht Geist, Bewusstsein durch die Aktivitäten im Gehirn? Andere Wissenschaftler bezweifeln, dass das aufwändige Projekt die erwünschten Ergebnisse bringt. Doch Markram glaubt: „Wenn wir das Hirn nicht bauen, werden wir nie begreifen, wie es funktioniert.“
Quelle / Info: http://www.zurich.ibm.com/news/05/bluegene_d.html