Psychologie: Warum Erinnerungen verdrängt werden

März 2007

Die Vorstellung verdrängter traumatischer Erinnerungen existiert erst seit etwa zweihundert Jahren, glauben amerikanische Wissenschaftler. Ihr Argument: Vor dem Jahr 1800 gibt es keine einzige Beschreibung eines Falls, bei dem sich ein ansonsten geistig klarer Mensch jahrelang nicht an ein einzelnes traumatisches Erlebnis erinnern kann. Das gilt sowohl für die Fach- und Sachliteratur als auch für Romane, Erzählungen oder Gedichte. Erinnerungen zu verdrängen ist demnach wohl kein biologischneuropsychologischer Mechanismus, sondern ein Produkt der modernen westlichen Kultur, schließen die Psychologen und Literaturwissenschaftler um Harrison Pope daraus. Wahrscheinlich, so ihre These, habe sie sich entwickelt, als in der Psychologie das Konzept des Unbewussten und damit die Vorstellung entstanden, der Geist könne sich durch das Verbannen von Schrecklichem ins Unbewusste schützen. Sollte sich das bestätigen, müssten Fälle von Verdrängung besonders im Hinblick auf Gerichtsverfahren neu bewertet werden, so Pope.

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