800.000 junge Gläubige kamen aus aller Welt zum katholischen Weltjugendtag im August nach Köln. Motto: „Wir sind gekommen, um IHN anzubeten.“ Höhepunkt war der Besuch von Papst Benedikt XVI. Das Großereignis kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer weniger Menschen in Deutschland an einen Gott glauben, wie ihn die Kirchen vermitteln. Eine vom „Spiegel“ in Auftrag gegebene TNS-Infratest-Umfrage zeigt: Es gibt ein Bedürfnis nach Glaube, nicht aber nach dem Christentum. „Gebetet wird höchstens mittwochs und samstags, wenn die Lottokugeln rollen. Gebeichtet wird im Chat-Forum. Die Antwort auf die Sinnfrage wird selbst gebastelt: ein bisschen Jesus, viel Karriere und im Zweifel ein Blick in die Augen der eigenen Kinder.“ (Spiegel) Nur 32 Prozent aller Deutschen hat noch Vertrauen in die Kirche(n). „Alle 75 Sekunden tritt in Deutschland ein Christ aus der Kirche aus.“ Wer sich als gläubig einstuft, vertritt allerdings andere Werte als die „Ungläubigen“. Ehe, Bindung und soziales Engagement gelten mehr als Freizeit und sinnlicher Genuss. Insgesamt glauben jedoch mehr Menschen als noch vor einigen Jahrzehnten an sich selbst und nicht an eine Erlösung von oben oder von außen. Schauspielerin Senta Berger: „Ich glaube, dass wir gar keine Bedeutung haben, außer der, die wir unserem Leben geben.“
Quelle / Info: Spiegel 33/05, S. 136-151