Der Gralsucher

Der Gralsucher

John Matthews im Gespräch

Seit nunmehr 30 Jahren erforscht John Matthews die Ursprünge der Gralslegende. Dabei förderte der Brite Erstaunliches zutage. So fand er Hinweise auf den Gral in den altindischen Veden. In einem spannenden Buch hat er seine Erkenntnisse für eine Bestandsaufnahme zusammengetragen. VISIONEN sprach mit dem passionierten Forscher.

Was wäre, wenn irgendwann das Rätsel um den Gral gelöst würde?

Ich hoffe, das wird nie passieren. Für mich ist eines der wichtigen Elemente, wenn es um den Gral geht, dass man nach ihm suchen kann. Man bleibt dabei in Bewegung und arbeitet auf etwas hin. Ob es nun ein Gegenstand, eine Vorstellung, ein Ideal oder ein spirituelles Konzept ist: es treibt einen an, und das kann jedem so gehen. Wenn das Mysterium aber gelüftet würde, dann gäbe es nichts mehr, wonach man suchen muss.

Sie erwähnen in Ihrem Buch, dass es in antiken Kulturen, wie beispielsweise Griechenland, aber auch im alten Indien, Geschichten um einen Gral gibt. Bezieht sich der Gral in den altindischen Veden und im antiken Griechenland auf eine symbolische Suche, oder geht es mehr um ein Gefäß und dessen Inhalt?

Wenn man sich die verschiedenen Kulturen auf dieser Welt ansieht, die eine Form des Grals als Gefäß kennen, dann geht es mehr um dessen Inhalt als um das Gefäß selbst. Das Gefäß kann eine ganz unterschiedliche Form haben. Häufig ist es allerdings ein Kelch, dessen Inhalt zum Beispiel ein Trunk ist, der Inspiration, ewiges Leben, Stärke oder Gesundheit bringt. Manchmal ist es auch Blut, wie beispielsweise in der christlichen Symbolik. Das Gefäß selbst ist nur insofern wichtig, als es der Behälter ist. Aber der Inhalt ist um ein Vielfaches wichtiger als eben das Gefäß selbst.

Sie sagen, der Gral sei in vielen Kulturen zuerst ein göttliches Gefäß gewesen, das den Ursprung aller Dinge oder die Schöpfung selbst enthielt. Was passierte, dass sich die Menschen irgendwann auf die Suche danach machten?

Diese Vorstellung ist sehr, sehr alt. Man findet sie speziell in der klassischen griechischen Mythologie. Die Götter haben ein Gefäß, dass sie den Erschaffer nennen und das sie nutzen, um die Elemente zu mischen. Ich nehme an, dass diese Erinnerungen irgendwann verblassten. Anstelle davon manifestierte sich die Vorstellung eines Gegenstandes, welcher Form auch immer; der eine besondere Kraft oder heilige Qualität hatte, die für die Menschen erstrebenswert war. Anders ausgedrückt, sie wollten diese Kraft für sich, sie wollten geheilt werden und sie wollten die Verbindung zum Göttlichen, die sie sich davon versprachen. Da niemand genau wusste, wo dieser Gral zu finden ...

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