Ein Mordfall für Sigmund Freud und die Psychoanalyse

Ein Mordfall für Sigmund Freud und die Psychoanalyse

1909 reiste Sigmund Freud gemeinsam mit C. G. Jung für eine Vortragsreihe über die Psychoanalyse in die Vereinigten Staaten. Doch obwohl ihm dort die in seiner Heimat verwehrte Anerkennung für seine Arbeit zuteil wurde, äußerte sich Freud nach seiner Rückkehr nur negativ über seinen Aufenthalt in der Neuen Welt. Seine Biografen spekulieren über die Gründe bis heute. Jed Rubenfeld hat sich in seinem ersten Roman so seine eigenen Gedanken dazu gemacht. Der Professor für Verfassungsrecht verwickelt Sigmund Freud in die Ermittlungen zu einem Serienmord, der tatsächlich stattgefunden hat.

Ihr Buch basiert auf Freuds einzigem Besuch in den USA. Was hat Sie gereizt, daraus einen ­Krimi zu machen?

Der Aufenthalt von Freud in den USA ist von einem Geheimnis umgeben. Er war nur ein einziges Mal in den Staaten – 1909. Freud war drei Wochen dort, um Vorträge zu halten. Objektiv gesehen war sein Besuch ein enormer Erfolg. Die Vorträge waren alle gut besucht, die Medien veröffentlichten wahre Lobeshymnen. Seine Arbeit wurde anerkannt und etablierte sich als festes Standbein der Psychiatrie. Aber als er danach wieder nach Europa zurückfuhr, sprach er von dieser Reise bis an sein Lebensende nur sehr negativ. Irgendetwas muss ihm in den USA passiert sein. Wann immer die Rede darauf kam, sprach er von den Amerikanern als Primitive oder Wilde, und einmal nannte er sie sogar kriminell. Er machte die Reise dafür verantwortlich, dass er nicht mehr schreiben konnte und gesundheitliche Probleme hatte.

Ich fand es spannend, Freud in einen Kriminalfall zu verwickeln, der gleichzeitig ein Fall für die Psychoanalyse sein sollte.

Was ich so interessant fand ist, dass wir auch rund 100 Jahre nach diesen Ereignissen immer noch nicht wissen, warum Freud so negativ über diese Reise gesprochen hat. Es gibt Spekulationen seiner Biografen darüber. Einer stellte die Überlegung an, dass ihm in Amerika möglicherweise etwas zugestoßen sein könnte. Das würde diese extreme Reaktion erklären. Die Vorstellung hat mich fasziniert, und ich fand es spannend, ihn in einen Kriminalfall zu verwickeln. Es sollte ein Mordfall und gleichzeitig ein Fall für die Psychoanalyse sein. Auf die Art könnte es eine Lösung für dieses tatsächliche Geheimnis geben.

C. G. Jung kommt in Ihrem Buch nicht gerade gut weg. Ist er wirklich so ein Widerling gewesen, wie Sie ihn beschreiben?

(lacht) Gute Frage. Carl Jung war gemeinsam mit Sigmund Freud unterwegs. Er war sein ...

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