Nancy Holder: Ich glaube, dass ich die Reise des Helden verinnerlicht habe. Ich habe so viele Bücher geschrieben, so viele Exposés verfasst, dass es sich für mich ganz natürlich anfühlt, meine Hauptfiguren auf die Suche zu schicken, ihnen eine Aufgabe zu geben, die weitreichende Konsequenzen haben wird. Was mir allerdings gerade an der Witch-Reihe gefällt ist, dass alle Figuren weder nur gut noch nur böse sind. Sie bewegen sich gewissermaßen in der Grauzone zwischen Schwarz und Weiß. Menschen sind im Stande sehr schlimme Dinge zu tun, um andere zu schützen. Umgekehrt gibt es schlechte Menschen, die gute Dinge tun, weil sie so Einfluss auf einen anderen Menschen haben. Mir gefällt die Vorstellung, dass auch der Held nicht nur gut sein muss. Im Gegenteil, er muss sich selbst und seine Überzeugungen immer wieder auf den Prüfstand stellen.
Holly ist couragiert und mutig, aber sie muss auch lernen, wie hoch der Preis ist, wenn sie die Menschen, die sie liebt, beschützen will.
Nancy Holder: Auf die Idee zu Witch kam ich während einer Reise nach Frankreich. Ich wollte einmal all die alten Burgen und Schlösser sehen. Das war wie eine Zeitreise ins Mittelalter. Mich interessierte das Leben der Adligen zu dieser Zeit. Die Tudors und die Borgias waren damals an der Macht und ich war überwältigt, mit welcher Gewalt sie teilweise ihre Ansprüche durchsetzten. Hinzu kam, dass ich mich schon immer für Hexen, das Hexenhandwerk und Magie interessiert habe. Dort kam mir die Idee für die Hintergrundgeschichte der Romane, die Fehde der beiden alten Hexenfamilien.
Es gibt in den USA einen Trend bei den Christen, nicht mehr öffentlich über die Existenz von Engeln, Naturgeistern, Dämonen oder des Übernatürlichen zu sprechen.
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