Es ist nicht wirklich eine Auswahl, die ich treffe. Ich versuche immer so viel wie möglich zu lernen über eine Kultur oder Region, und dann fange ich an, eine Geschichte zu erzählen. Die Details, die dafür wichtig sind, kommen dann ganz von selbst. Viele junge Autoren machen den Fehler, ihre Rechercheergebnisse alle ins Buch packen zu wollen. Nach dem Motto: Schaut her, ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Dem Leser wird das immer auffallen, und es kann die beste Geschichte zerstören. Die Details müssen ganz natürlich einfließen. Voraussetzung dafür ist, dass man das Sujet, über das man schreiben will, sehr gut kennt, denn die Details sind nur die Zugaben, um die Sache rund zu machen. Soll heißen, ich sitze nie am Schreibtisch und denke: „Wie kann ich noch dies und das einbauen?“
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil ich eigentlich immer recherchiere. Ich bin schon seit vielen Jahren von Ägypten und ganz besonders der Zeit Echnatons fasziniert. Ich sammle alle Informationen, die ich bekommen kann. Deshalb betrifft die Recherche auch nicht explizit ein Buch, zumal ich immer an mehreren Büchern gleichzeitig schreibe.
Ich war schon als Kind an antiken Kulturen und allem, was damit zusammenhing, interessiert. Archäologie war deshalb für mich der logische Schluss daraus, weil es die Wissenschaft ist, die sich mit diesem Thema am intensivsten befasst. Es faszinierte mich einfach herauszubekommen, was damals wirklich passiert ist, wie die Menschen gelebt haben und an was sie glaubten.
Ich wollte Archäologie studieren, aber mein Vater war damit nicht einverstanden, weil er meinte, man könnte davon nicht leben. Er wollte, dass ich mir einen Job suche, nachdem ich das College verlassen hatte. Ich entschied mich dann für die Ausbildung zur Operationsschwester, damit ich meinen Lebensunterhalt finanzieren konnte.
Absolut! Die moderne Medizin ist eine extreme Form der Heilung, die sehr brutal sein kann. Ich denke, es gibt andere, sanftere Wege, um Menschen zu heilen. Forschung ist wichtig und in bestimmten Fällen auch notwendig. Aber mich interessieren vor allem die alternativen Ansätze.
Sie haben einen anderen Blick auf das Leben, die Natur, das Universum. Sie hatten nicht die Verwirrung, die unsere Zeit prägt. Ich glaube, sie waren der spirituellen Welt – ich meine damit nicht Gott – näher, als wir es sind, und das fasziniert mich. Ich frage mich, ob sie nicht all die Antworten auf die Fragen hatten, nach denen wir heute suchen. Deshalb würde ich mich als spirituelle Sucherin bezeichnen. Ich suche nach diesen Antworten.
Puh – das ist eine Frage, die mir noch keiner gestellt hat, da muss ich einen Moment nachdenken… Ich lebe meine Spiritualität in der Natur aus. Ich gehe gern auf lange Spaziergänge, so kann ich meine Beziehung zur Natur noch intensivieren. Wir leben in der Wüste und meine Wanderungen sind eine Form der Meditation. Ich brauche dafür die Stille. Ich könnte beispielsweise nicht meditieren mit Musik.
Sehr große Unterschiede sogar. Besonders wenn es um die nordamerikanischen Indianer geht. Als ich für Himmelsfeuer recherchierte, wurde ich mit den unterschiedlichsten Reaktionen konfrontiert. Eine war, mich völlig zu ignorieren. Da gab es Indianer, die mir sehr deutlich machten, dass ich als Weiße kein Recht hätte, über ihre Geschichte zu schreiben. Dann verlegten sie sich darauf mich anzulügen, was mir erst sehr viel später klar wurde. Sie spielten ihre Spielchen mit mir, weil sie den Weißen generell misstrauen. Wofür sie sicher auch gute Gründe haben. So musste ich mit sehr viel mehr Leuten sprechen, als ich für Himmelsfeuer eingeplant hatte. Oft fragte ich jemanden, stimmt die Geschichte, die ich gehört habe, und man sagte mir, nein, da hat dich jemand verschaukelt. Ähnliche Erfahrungen musste ich auch mit den Aborigines in Australien machen. Sie waren sehr reserviert und wollten ihr Wissen nicht teilen. Daraus habe ich die Erfahrung gezogen, dass es besonders dann schwer ist, vor Ort zu recherchieren, wenn man mit Menschen sprechen will, deren Kultur unterdrückt wurde. In Ägypten war es genau umgekehrt. Denn dort haben sie sich ihre Kultur und Religion für Jahrtausende erhalten und sie sind immer glücklich, wenn jemand etwas darüber erfahren möchte.
Das ist ein heikler Punkt, denn unter den Stämmen gibt es diesbezüglich keine Einigkeit. Völker wie die Hopi, Navajo oder Cheyenne wurden nicht ihrer Kultur beraubt. Sie konnten trotz aller Widerstände bis heute überleben. Und seitdem sie das Interesse der Menschen an ihren Bräuchen und Geschichten erfahren haben, sind sie glücklich ihr Wissen zu teilen. Ich wollte für Himmelsfeuer aber etwas über einen ganz bestimmten Stamm erfahren, der im Gebiet des heutigen Los Angeles beheimatet war, und zwar zur Zeit der spanischen Eroberer. Dieser Stamm wurde komplett ausgerottet, und mit ihm verschwanden die Sprache, die Namen, die Ahnen, die Geschichten. Sie wurden von den Spaniern praktisch ausradiert. Die Indianer heute versuchen, in mühsamer Kleinarbeit die Puzzleteile ihrer Geschichte zusammenzusetzen, und das wollen sie mit niemanden teilen, vor allem aber nicht mit Weißen. Auch wenn man von den nordamerikanischen Indianern spricht, muss man sich doch klar darüber sein, dass die Stämme untereinander grundverschieden sind. Die südkalifornischen Stämme, die ich für meine Recherche besuchte, sind in vielem anders als beispielsweise die Sioux, die man aus dem Film Der mit dem Wolf tanzt kennt, oder die Cherokee, die sich sehr an das moderne Leben angepasst haben.
Ich danke Ihnen für das Gespräch.