BEI SICH SELBST ANFANGEN

BEI SICH SELBST ANFANGEN

Die beste Art zu helfen

„Kümmert euch nicht um den spirituellen Fortschritt anderer Leute, sondern um eure eigene Entwicklung. Dann strahlt euer leuchtendes Beispiel von selbst auf andere aus. Das ist der größte Dienst, den ihr euch und der Welt erweisen könnt.“

VORGESTELLT.

Sant Kirpal Singh (1894- 1974) lehrte ab 1948 den Pfad des inneren Lichts und Klangs. In lebensnahen Briefen und Gesprächen „von Herz zu Herz“ unterstützte er seine Schüler auf ihrem spirituellen Weg.

MEISTER: Die größte Aufgabe, die wir in diesem Leben zu erfüllen haben, das wichtigste Ideal, das höchste Ziel, besteht darin, Gott zu erkennen – Ihn zu schauen. Das ist nur im menschlichen Körper möglich.

SCHÜLER: Und dafür müssen wir alles opfern?

MEISTER: Räumt Gott den Vorrang vor allen übrigen Zielen ein. Dann setzt euch nach besten Kräften für das Wohlergehen anderer ein. Seid nicht selbstsüchtig – behaltet nichts von dem, was ihr empfangt, für euch allein. Das weitet euer Selbst und bringt euch mit Gottes Hilfe voran. Indem ihr andere unterstützt, fördert ihr euch selbst.

SCHÜLER: Aber hast du nicht bei einer früheren Gelegenheit gesagt, wir könnten niemandem helfen, solange wir noch nicht selbst den großen Durchbruch erreicht haben?

Seid nicht anderer Leute Dienstleister, sondern erfüllt euren eigenen Auftrag. Geht euren Weg und andere werden euren Spuren folgen – ein Vorbild ist besser als eine Vorschrift!

MEISTER: Das gilt für den spirituellen Bereich. Im weltlichen Leben gilt: Tut, was ihr könnt. Jeder Mensch sollte lernen, anderen etwas von dem zu geben, was er hat. Wenn ihr selbst spirituell mittellos seid, was habt ihr dann an andere weiterzugeben?

Wenn ich euch hier etwas erkläre, spreche ich manchmal von verschiedenen Verständnisebenen aus. Manche meiner Erläuterungen können dann neben der wörtlichen Bedeutung noch einen anderen, tieferen Sinn vermitteln. So auch mein Rat, für andere da zu sein und nicht nur für euch selbst zu leben. Auf diese Haltung kommt es an.

Geht schrittweise vor: Beginnt mit dem, was ihr erübrigen könnt – mit einem, dann mit zehn Prozent – und bewegt euch dann weiter nach oben, bis ihr fünfzig und schließlich hundert Prozent erreicht. Das ist das höchste Ziel. Je mehr ihr für andere lebt, desto weiter dehnt sich euer eigenes Selbst aus, und umso mehr Zufriedenheit findet ihr. Wenn einer dem anderen gibt, herrscht so gut wie keine Not.

Diesen Grundsatz müssen wir auf jeden Fall begreifen. Und er entspringt der Wahrheit, dass Gott alle Menschen mit denselben Vorrechten ausgestattet hat. Der Mensch hat einen menschlichen Körper. Er ist aber nicht dieser Körper – er wohnt nur darin. Er ist eine bewusste Wesenheit – ein Tropfen aus dem Meer der Allbewusstheit. Folglich sind wir alle Brüder und Schwestern in Gott. Das ist die richtige Sichtweise. Aus dieser Einsicht ergibt sich rechtes Denken, daraus wieder rechtes Reden und schließlich rechtes Handeln.

SCHÜLER: Heißt das: Es kommt vor allem auf Gedankenkontrolle an?

MEISTER: Wer sind wir? Wir sind Geist – Aufmerksamkeit, Bewusstsein. Auch Gott ist Geist – Aufmerksamkeit, allumfassendes Bewusstsein. Er war das Große Eine und wollte Vieles werden, und auf diese Weise ging aus ihm die gesamte Schöpfung hervor – alles, was existiert. Und wir sind Tropfen aus diesem Einen Meer. Wenn unser Geist erst wieder gesammelt ist, was ist uns dann nicht möglich?

Das Traurige ist nur, dass wir nicht in die Tat umsetzen, was uns die Meister sagen. Macht Gott zur Nummer 1 in eurem Leben. Erkennt ihn erst in euch selbst und leitet dann weiter, was ihr empfangen habt. Seid nicht anderer Leute Dienstleister, sondern erfüllt euren eigenen Auftrag. Geht euren Weg und andere werden euren Spuren folgen – ein Vorbild ist besser als eine Vorschrift!

SCHÜLER: Wir sollten uns also nicht um den Fortschritt anderer Leute kümmern, sondern um unseren eigenen?

MEISTER: So geht ihr ihnen mit gutem Beispiel voran und sie werden von sich aus den Wunsch verspüren, es euch gleich zu tun. Dann genügt ein einziges Wort von euch, um sie zu inspirieren. Wenn ihr aber selbst nichts für euren spirituellen Fortschritt tut, könnt ihr stundenlang reden und es kommt nichts bei ihnen an. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Wer aus der Fülle seines Herzens spricht, dessen Worte haben große Kraft und schlagen in anderen Menschen dieselben Saiten an. Alles, was ihr sagt, ruft in anderen genau dasselbe hervor, was ihr selbst im Herzen habt.

Darum sage ich immer: Die Welt braucht Reformer – aber nicht solche, die die Welt verbessern wollen, sondern sich selbst. Und was bekommen sie dafür? Sie werden zu göttlichen Wesen.

SCHÜLER: Eine Heldentat...

MEISTER: Eine Heldentat? Eine wahre Revolution. Und die können wir nur vollbringen, solange wir als Menschen verkörpert sind. Wie schade, dass wir uns noch nicht entschieden haben, was wir aus unserem Leben machen wollen. Ich habe das für mich schon 1912 getan, vor über 60 Jahren, und mein Entschluss lautete: Gott zuerst, und dann die Welt. Und mir schoss schon damals der Gedanke in den Sinn: „Sollte ich jemals etwas von Gott empfangen, sage ich es allen anderen weiter!“ Doch Menschen, die anderen zeigen können, wie sie Gott unmittelbar in sich erfahren können, findet man nicht alle Tage – wenn überhaupt, dann nur mit Gottes Gnade.

Worauf es mir ankommt, ist Folgendes: Jeder Mensch muss erst zum wahren Menschen werden, indem er seine ursprüngliche Göttlichkeit wieder erlangt. Wenn ihm dieses Werk gelingt, ist das der größte Dienst, den er sich selbst und anderen erweisen kann. Doch wir folgen diesem Auftrag nicht.

Die Heiligen sagen: „Gut, lieber Freund. Wiederhole die heiligen Namen. Meditiere.“ Der Meister unterstützt euch dabei, durch seine Ausstrahlung. Wenn ihr anderen helfen wollt, wo müsst ihr da wohl anfangen? Sagt es mir! Bei euch selbst. Wenn ihr das tut, erweist ihr euch und anderen einen großen Dienst – durch das leuchtende Beispiel, das ihr ihnen gebt. Dann wird jeder, der mit euch in Berührung kommt, zum selben Ziel geführt.

Besucher sagen mir immer wieder: „Es ist so friedlich hier.“ Dabei schreibe ich ihnen gar keine speziellen Übungen vor. Sie fangen einfach die Ausstrahlung aus der Atmosphäre auf, weil sie dafür empfänglich sind. Das ist nichts Neues oder Besonderes und hat auch nichts mit mir zu tun. Mit dieser Kraft seid ihr genauso ausgestattet. Ihr tragt sie alle in euch. Ihr habt euch nur noch nicht die Mühe gemacht, euch dort hinzuwenden.

eZ Publish™ copyright © 1999-2012 eZ Systems AS