Seit Jahrtausenden erforschen Anhänger der östlichen Meditationswege die verschiedenen Zustände und Stufen des Bewusstseins. Ihre Klassifizierung ist von unermesslichem Wert, will man das Wesen der Realität begreifen. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Träumen zu.
„Die stoffliche Welt ist nicht mehr als Gottes Traumgegenstand“, heißt es in einem neueren Kommentar zur Bhagavad Gita. „Warum erfahren wir sie dann nicht als solche? Weil der Traum noch im Gange ist und wir alle Traumobjekte sind. Während der Traum fortschreitet, kann niemand den Träumer überzeugen, dass er träumt! … Nur mit dem Erwachen kann erkannt werden, dass der Traum ein Traum war. Der Kenner dieser Wahrheit … ist nicht mehr getäuscht, obwohl er beide Seiten sieht, den Traum und den seinen Traum träumenden Träumer!“ (Aus: Gesang Gottes. Die Bhagavad Gita für jeden Tag des Jahres. Baden-Baden 1982, S.227.)
Wir entnehmen diesen Gedanken, dass wir mangels Distanziertheit nicht genau wissen können, was Traum ist und was Realität ist und dass obendrein diese beiden Benennungen je nach Perspektive austauschbar sind. Auch als Europäer oder Westler wird man zugeben müssen, dass man innerhalb des Traums den Traum für sehr real hält, so real, wie die Realität des nächsten Tages ist. Und wir wissen nicht, ob wir beim Sterben aus einem Traum aufwachen.
Wir sind dem Aufwachen nah, wenn wir träumen, dass wir träumen. (Novalis)
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