Der Zauber von Bhakti

Der Zauber von Bhakti

Gottesliebe und unsere sozialen Beziehungen

Der Weg der Liebe und Hingabe an das Göttliche gilt unter den Yoga-Traditionen als der schnellste und einfachste Weg zur Gottverwirklichung. Der Meditationslehrer Joachim Reinelt erklärt, warum Bhakti-Yoga nicht in die Abgeschiedenheit, sondern durch das pralle menschliche Miteinander hindurch mitten in das Herz Gottes führt.

„Nanu?“, mag sich da manch einer wundern, „was haben denn diese Beiden – Bhakti und soziale Beziehungen – miteinander zu tun?“ Denn Bhakti-Yoga, so die einhellige und richtige Auffassung, ist der „Weg der Hingabe“ zum Höchsten, wie immer man Letzteres definieren möchte. Und da ist für Yoga-Praktizierende der Weg der Hinwendung zu Gott bzw. dem Göttlichen manchmal gleichbedeutend mit der Abkehr von dieser Welt. Doch sollten wir Yoga, gerade auch Bhakti-Yoga, nicht im Gegensatz zum Leben in dieser Welt betrachten. Es gibt einen elementaren und für Praktizierende nicht zu unterschätzenden Zusammenhang zwischen dem Yoga-Weg und den Menschen, mit denen wir leben.

TEILNAHME AM GÖTTLICHEN

Der Begriff Bhakti leitet sich von der Sanskrit- Wurzel bhaj ab und bedeutet wörtlich „teilhaben, Anteil haben“, aber auch „Teil von etwas sein“. Daher ist Bhakti-Yoga sowohl der Weg als auch der geistige Zustand der Hingabe an und Teilnahme am Göttlichen. Der Heilige Narada – Autor des wohl grundlegendsten Werkes über die Bhakti, der Bhakti-Sutras – bezeichnete die Bhakti als „(Ausdrucks-)Form inniger Gottesliebe“ (Parama-Prema-Rupa). Wie wir diesen Zustand der höchsten, d.h. göttlichen, Teilhabe erlangen können, lehrt uns indes ein anderes berühmtes Werk des Yoga: die Bhagavad Gita. Auf Arjunas Frage, wie denn die höchste Weisheit und Ergebenheit, die der göttlichen Teilhabe vorausgeht, erlangt werden könne, antwortet ihm Krishna (BhG 12.2):

Wenn wir in allen Dingen das eine Selbst erblicken, ergibt sich Gleichmut, Freiheit von selbstsüchtigen Begierden, Auslieferung unserer ganzen Natur an den innewohnenden Geist und Liebe zu allen Wesen. Wenn diese Eigenschaften offenbar werden, ist unsere Hingabe vollkommen, sind wir Menschen Gottes. (Sarvapalli Radhakrishnan)

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