„Der Gott des Himmels und der Erde“

„Der Gott des Himmels und der Erde“

Der Sonderweg des keltischen Christentums

Im Gegensatz zum ausschließlich männlich geprägten und machtorientierten Christentum aus Rom, das den Vorrang und die Herrschaft des Menschen über die Natur betont, vermittelt das irischkeltische Christentum eine positive Wertschätzung der belebten Umwelt. Diese resultiert, wie Dirk Grosser zeigt, aus einem Gefühl des Eingebundenseins in die Güte der Schöpfung.

Klimawandel, Naturzerstörung, Waldund Artensterben – die Schreckensmeldungen unsere Umwelt betreffend sind zahlreich und bedrohlich. Immer wieder hört man auch Stimmen, die die Ursache unseres destruktiven Umgangs mit unserem Planeten auf ein bestimmtes Bibelwort zurückführen: „Füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet“ (1. Mose 1,28).

Dass die Fehlinterpretation dieses Wortes oft zur Rechtfertigung eines gedankenlosen Umgangs mit der Natur und ihrer Ausbeutung herangezogen wurde und dass die Grundhaltung einer Erlöserreligion dazu neigt, die Welt, von der sie erlöst zu werden hofft, nicht wertzuschätzen, ist sicher unstrittig. Dass es im Rahmen des Christentums aber noch einen gänzlich anderen Zweig gab und gibt, der eine schöpfungszentrierte Sicht lehrt und diese auch praktiziert, ist Vielen leider unbekannt.

”Grünes Christentum“

Die Sonderform des Christentums, die sich in den keltisch geprägten Ländern ab dem späten 2. Jahrhundert entwickelte und sich später von dort in das heutige Europa und darüber hinaus ausbreitete, kann zurecht als ein „grünes Christentum“ bezeichnet werden.

Schaut man sich die Wurzeln dieser Sonderform und ihre heutigen Vertreter an, so scheint das keltische Christentum wichtige Antworten auf heutige Fragen zu liefern. Die Kürze dieser Darstellung erlaubt keine genaue historische Abhandlung, doch soll sie einen Einblick in eine Geisteshaltung ermöglichen, von der wir, ob Christ oder nicht, viel lernen können.

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