Zunächst schien ihm diese in einem harten, wenn nicht unversöhnlichen Kontrast zu stehen zu der mehr kopfbetonten und auf Dogmen festgelegten christlichen Theologie. Sehr bald erkannte er aber, dass er auf eine Zugangsweise gestoßen war, die ihn in seiner eigenen Entwicklung nachhaltig voranbrachte und die gar nicht so fern von dem war, was ihm sein Vater vorlebt. Dieser ist ein Heiler und spiritueller Meister, der weitgehend den Weg eines christlichen Mystikers gegangen ist.
Das Bestehen im weltlichen Leben mit allem, was dazugehört, ist ein wichtiges Kriterium für die Sinnhaftigkeit des Gebetstanzes.
So entsprach es dem innersten Anliegen von Jan Winkler, dass sich der spirituelle Raum der Schwitzhütte schließlich zu einem religionsübergreifenden Gebetstanz ausdehnte. Dieser Tanz wurde aus dem indianischen Sonnentanz-Ritual entwickelt. Er stellt die Hingabe an ein Kulturen übergreifendes Gebet ins Zentrum der Zeremonie. Die Praxis archaischer Riten soll die Auflösung des Egos, die Erkenntnis tief greifender Zusammenhänge im Weltgefüge und die Entwicklung der höchsten Qualitäten der Menschen fördern. Der Gebetstanz ist eine bislang in Europa einzigartige Veranstaltung.
Auch in diesem Jahr wird der Gebetstanz begangen. Ende Juli finden sich dazu dreißig Tänzerinnen und Tänzer aus mehreren Ländern und zahlreiche Gäste im Herzen Frankreichs zusammen.
In dem vier Tage andauernden Tanz suchen Tänzer wie der Diakon Jan Winkler den Weg zu ihrem Gebet. Ähnlich wie beim indianischen Sonnentanz steht ein frisch geschnittener Baum im Zentrum des Tanzplatzes, der das Leben mit allen Widersprüchen, Phasen, Farben und Gesetzmäßigkeiten darstellt. Im Tanz um diesen mit Gebeten geschmückten Baum und getragen von Gesängen und Trommeln, tanzen sich Teilnehmende und Tänzer in das Bewusstsein, das in alten Kulturen als heiliger Raum bezeichnet worden ist.
Die Spannung wird verstärkt durch die oft nicht leicht nachvollziehbaren Elemente einer archaischen ...
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