Der Weg der kleinen Siege

Der Weg der kleinen Siege

Meditationsprobleme Schritt für Schritt lösen

Schläfrigkeit, Trägheit und Nachlässigkeit sind die drei Haupthindernisse in der Meditation. Für alle drei gibt es bewährte Heilmittel. Grundsätzlich gilt: die richtigen Prioritäten setzen, regelmäßig sein, und vor allem: Widerstände langsam, aber zielgerichtet abbauen.

Drei mächtige Gegenspieler
Leider kommt es immer wieder vor, dass mich während der Meditation der Schlaf übermannt.

Schläfrigkeit ist eines der drei Haupthindernisse in der Meditation. Die anderen beiden Feinde des spirituellen Schülers sind Trägheit und Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit.

Ich fürchte, die haben mich alle drei im Griff! Wie kann man diese Gegner besiegen?

Sie können das Gefühl der Schläfrigkeit während der Meditation zu Ihrem Vorteil nützen. Hören Sie zu. Was müssen Sie tun, um erfolgreich zu meditieren? Sie ziehen Ihre Aufmerksamkeit von den Sinnen ab und konzentrieren sie zwischen den Augen. Und was geschieht, wenn Sie schläfrig werden? Genau dasselbe: Ihre Aufmerksamkeit zieht sich von überall her aus dem Körper zurück und sammelt sich zwischen den Augen, allerdings mit der Neigung, ins Kehlkopfzentrum abzusinken, wo sie in den Zustand des Träumens verfällt.

Diesen Vorgang können Sie sich zunutze machen: Halten Sie die Aufmerksamkeit im Augenzentrum fest und versuchen Sie, ins Dritte Auge zu gelangen. Beim Einschlafen gleitet die Aufmerksamkeit von dort ins Kehlkopfzentrum hinab, und beim Aufwachen gelangt sie auf dem selben Wege wieder nach außen. Vermeiden Sie beides. Halten Sie Ihre Aufmerksamkeit zwischen Schlafen und Wachsein an diesem Punkt fest. Sie werden bald feststellen, dass sie sich dann nach innen wendet, dem Dritten Auge zu.

Gewöhnen Sie sich an, zu Ihrem Gemüt nein zu sagen. Bringen Sie ihm zuerst Gehorsam in Kleinen bei, dann folgt es Ihnen bald auch im Großen.

Bewährte Heilmittel
So wie Schläfrigkeit körperliche Trägheit ist, ist Trägheit seelische Schläfrigkeit

Auch dafür gibt es ein Heilmittel. Trägheit kommt normalerweise daher, dass man zu viel gegessen hat. Ein spiritueller Schüler sollte sich maßvoll ernähren (vgl. „Reine Nahrung – klarer Geist. Die Grundlagen spiritueller Ernährung“, VISIONEN, Juli 2008 ) und nicht mehr als nötig schlafen.

Der schlimmste Feind der Meditation ist Nachlässigkeit, und nur Sie allein können ihn überwinden. Dazu gehört ein gut Teil Willensstärke. Erneuern Sie jeden Morgen Ihr Gelübde, die vorgeschriebene Zeit zu meditieren, und tun Sie es pünktlich. Sagen Sie Ihrem Gemüt, dass es erst nach der Meditation etwas zu essen gibt. Und geben Sie erst jeden Morgen „Gott, was Gottes ist“ (vgl. Mt 22,21), ehe Sie an Ihre weltliche Arbeit gehen.

Mein schlimmster Feind ist aber doch der Schlaf.

Man kann den Schlaf auch anders überwinden. Statt die heiligen Namen im Geist zu wiederholen (vgl. Info und: „Klangvolle Namen, Fünf Schlüssel zur Musik der Sphären“, VISIONEN, Juni 2008 ), wiederholen Sie sie mit gedämpfter Stimme, als ob Sie zu jemandem sprechen würden – gerade so laut, dass Sie selbst es hören können, aber niemand sonst –, bis die Schläfrigkeit verschwunden ist. Sollte das jedoch wider Erwarten nicht der Fall sein, dann stehen Sie auf, waschen sich Hände und Gesicht und gehen ein paar Schritte, oder fahren Sie mit der Wiederholungsübung fort, während Sie im Zimmer auf und ab gehen.

Aber das eigentliche Heilmittel für dieses Übel ist die feste Entschlossenheit, sich der Meditation zu widmen.

Entgegen kommen – nicht nachgeben
Aber früh um drei Uhr aufzustehen und zu meditieren ist wirklich hart!

Wenn Sie nicht so früh aufstehen mögen, können Sie ohne Weiteres auch zu einer anderen Zeit meditieren. Aber der frühe Morgen, etwa zwei Stunden vor Sonnenaufgang, ist am günstigsten.

Es ist schon schwierig, Herr über das Gemüt zu wer den!

Gewöhnen Sie sich an, zu Ihrem Gemüt nein zu sagen. Bringen Sie ihm zuerst Gehorsam in kleinen Dingen bei. Mit der Zeit wird es Ihnen dann auch in schwierigen Dingen gehorchen.

Mein Gemüt hat inzwischen so sehr die Oberhand gewonnen, dass es unmöglich ist es von seinem gewohnten Weg abzubringen.

Nein, „unmöglich“ ist nicht das richtige Wort – sagen Sie „schwierig“. Fangen Sie es so an: Angenommen, Sie sind durstig und wollen gerade ein Glas Wasser oder sonst etwas trinken. Stellen Sie das Glas vor sich auf den Tisch und sagen Sie Ihrem Gemüt, dass es sich erst zehn Minuten gedulden muss, bis es zu trinken bekommt. Und dann lassen Sie es so lange warten. Ich denke, das ist nicht schwierig.

Nein, das lässt sich leicht machen.

Damit haben Sie schon einen Siegerrungen. Nehmen wir weiter an, Sie wollen sich eine Zigarette anzünden. Dann legen Sie sie gleich wieder in die Schachtel zurück und sagen Sie zu sich: „Die rauche ich erst in fünf Minuten“, und warten Sie erst diese fünf Minuten ab. Solche kleinen Siege über das Gemüt sind ungemein hilfreich, um es schließlich vollständig zu beherrschen.

Sie können auch noch einen anderen Weg versuchen. Im Laufe des Tages versuchen Sie, wenigstens eine gute Tat zu vollbringen, die der Neigung Ihres Gemüts zuwiderläuft. Sie werden merken, dass solche kleinen Übungen nach einiger Zeit zu ganz erstaunlichen Erfolgen führen.

Bei der Stange bleiben
Wenn die Zeit zum Meditieren da ist, weigert sich mein Gemüt manchmal rundheraus, sich zum Üben hinzusetzen.

Auch in diesem Fall kann ein Kompromiss weiterhelfen. Statt zwei Stunden oder mehr zur Meditation zu sitzen, gestatten Sie ihm höchstens eine Stunde. Wenn das geschafft ist, können Sie die Länge der Zeit allmählich steigern. Manchmal muss man dem Gemüt gut zureden wie einem verwöhnten Kind. Gewöhnen Sie sich an, zusätzlich jeden Abend, bevor Sie zu Bett gehen, eine halbe Stunde die heiligen Namen zu wiederholen (vgl. Info im Print ausgabe). Regelmäßigkeit wirkt Wunder.

Ich widme der Wiederholung der heiligen Namen täglich etwa zwei Stunden. Aber ich habe den Eindruck, dass ich am Ende genau so weit bin wie am Anfang. Vielleicht mache ich da bei etwas falsch?

Bei der Wiederholungsübung müssen Sie wachen Geistes und ganz konzentriert sein – so, als ob Sie einen Feind mit dem bloßen Schwert angreifen. In den Sommermonaten kann man oft hören, wie der Regenvogel pausenlos nach einem Tropfen Regen schreit. Ununterbrochen wiederholt er: Mien-hu‘n, mien-hu‘n („Regen, Regen, Regen“), immer wieder, stundenlang. Sie sollten von diesem Vogel lernen.

Ihre Wiederholungsübung sollte ebenfalls Stunden dauern und keinerlei Unterbrechung und Pausen kennen. Wenn das Gemüt hinauswandert, dann ermüden Sie es und sprechen die Worte leise mit der Zunge und den Lippen.

Vergessen Sie nicht, dass Sie einen unablässigen und gewaltigen Kampf mit dem Gemüt auszufechten haben. Die Liebe zum Herrn trägt sehr viel zum Siege bei. Je stärker Sie mit dem Klangstrom verbunden sind (vgl. Info), desto größer wird sie.

Manchmal hört der Klangstrom bei mir aber monatelang auf.

Der Klangstrom hört niemals auf, sondern tönt ununterbrochen in uns weiter. Wir könnten gar nicht leben, wenn er auch nur eine Sekunde lang aufhören würde. Er ist der Lebensstrom in uns. Er ist immer da, aber wir hören ihn nicht, weil wir zerstreut sind.

Unser Gemüt ist unstet. Wenn das Wasser eines Sees bewegt ist, können wir unser Spiegelbild darin nicht sehen, ebenso, wenn das Wasser schlammig ist. Ist es aber ruhig und sinkt der Schlamm auf den Grund, dann können wir unser Gesicht in dem klaren Wasser erblicken. Genauso verhält es sich mit dem Spiegel unseres Herzens: wenn er klar und rein wird, wenn die Wogen der Sünde und unserer Gefühle sich glätten und unser Gemüt ruhig wird, dann kann sich die innere Schönheit darin spiegeln. Die Meditationspraxis dient dieser Reinigung.

Was ist richtig wichtig?
Es ist enorm schwierig, seine spirituellen Übungen erfolgreich durchzuführen, wenn man mitten im Lebenskampf steht und mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigt ist.

Im Grunde genommen ist der spirituelle Pfad eine praktische Lebensschule: ein ständiges Bemühen um Gott-Verwirklichung ohne Vernachlässigung seiner weltlichen Pflichten. Wenn Sie erst einmal anfangen, die Dinge richtig einzuschätzen, wird es ganz leicht.

Zweierlei dürfen Sie nicht vergessen: einmal den Tod. Denken Sie daran, dass Sie hier nicht für immer leben. Früher oder später müssen Sie diese Welt verlassen, und alles Materielle, was Sie im Laufe Ihres Lebens mit so viel Mühe zusammengerafft haben, bleibt hier zurück. Das zweite ist: denken Sie daran, dass der wahre Zweck des Lebens grundverschieden ist von den Zielen, für die Sie die kostbare Zeit Ihres Lebens verschwenden.

Sinnen Sie täglich einige Zeit über die Grundfragen des Lebens nach: Wer und was bin ich? Woher komme ich? Was ist der Zweck dieses menschlichen Lebens? Wie kann ich es am besten nützen? Was wird sein Ende sein?

Wir verwenden täglich so viel Zeit für unseren Körper und seinen Unterhalt. Doch dieses Gefäß wird eines Tages zerbrechen. Unsere eigentliche Arbeit besteht darin, unsere Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu retten und zum Herrn zurück zu bringen.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie stehen vor Ihrem Vorgesetzten und sollen sich wegen einer Pflichtvergessenheit rechtfertigen. Würden Sie dabei wohl einschlafen? Oder angenommen, der Arzt sagt einem Patienten: „Sie haben nur noch wenige Stunden zu leben.“ Wird der Patient da etwa einschlafen?

Wir schlafen bei der Meditation ein oder nehmen sie nicht ernst genug, weil wir nicht die richtigen Prioritäten setzen – weil wir nicht an den Tod denken, der unfehlbar kommen wird, und weil wir uns nicht klar machen, dass wir beim Meditieren vor unserem höchsten Vorgesetzten, vor dem Thron Gottes stehen. Wenn wir voller Furcht wären, oder besser: wenn wir genügend Liebe zum Herrn hätten, würden wir sicher nicht ein schlafen oder in unseren Übungen nachlässig werden. Erinnern Sie sich immer daran, dass irgendwann der Tod kommt und dass Sie Rechenschaft geben müssen für jeden Atemzug, den Sie nicht genützt haben.

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