Ein himmlisches Mahl

Ein himmlisches Mahl

Zu Tisch bei Franz und Klara von Assisi

Wenn Heilige zu Tische bitten, geht es um mehr als um geselliges Beisammensein bei Speis’ und Trank. So auch bei Franz und Klara von Assisi, dem großen spirituellen Freundespaar aus der christlich-mystischen Tradition.

VORANGESTELLT. Der heilige Franz (1181/82-1226) richtete, ganz wie sein großes Vorbild Jesus, sein gesamtes Leben nach dem Wahlspruch aus: „Gott zuerst, dann die Welt.“ Als Jesus einmal von seinen Jüngern gebeten wurde: „Rabbi, iss“, sprach er zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.“ Die Jünger verstanden ihn nicht und rätselten verwundert: „Es hat ihm doch keiner etwas zu essen gebracht?“ (Vgl. Jh 4,31- 33) Nicht nur dieses Beispiel zeigt, wie Jesus alles Weltliche in einen spirituellen Zusammenhang stellte. „Essen“ hieß bei ihm „Gott essen“, seine Offenbarungen mit der Seele in sich aufnehmen, und ein Wort von ihm genügte, um seinen Jüngern diese Speise zu spenden: „Nehmet hin und esset...“

Die folgende Geschichte zeigt Franz von Assisi in einer ähnlichen Situation, und erinnert im Kern an das Letzte Abendmahl. Die Rolle des besonders fortgeschrittenen Lieblingsjüngers Johannes nimmt dabei Klara von Assisi (1193/94- 1253) ein, „die Strahlende“. Mit ihr war Franz im Inneren so eng verbunden, dass er auch jenseits aller Grenzen von Raum und Zeit immer wusste, wie es um sie stand. Doch Klara wünschte sich offenbar mehr direkten Kontakt mit Franz. Doch die Leute redeten ohnehin schon über sie und unterstellten ihnen unlautere Beweggründe. Was tun? Der heilige Franz entschied solche Fragen niemals selbst, sondern vertraute sich dabei völlig seiner göttlichen Führung an: Sie würde auch diesmal sämtliche Widersprüche in allseitiges Wohlgefallen auflösen.

Und so geschah es auch, wie die folgende Begebenheit aus seinem Leben zeigt. Sie erzählt, wie „eine Speise, die ihr nicht kennt“ aus Klara einen neuen Menschen machte.

Franz hatte ein paar schlichte Speisen vorbereitet. Doch dann sprach er so wundersam von Gott, dass Klara von reiner Glückseligkeit gesättigt war.

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