Niemand braucht seine Religion zu wechseln, wenn er den spirituellen Weg zu Gott geht. Aber Sie müssen versuchen, Christus in Ihrem eigenen Innern zu sehen. Sein ganzes Leben war liebende Hingabe und demütiger Dienst, und sein Beispiel ist so hinreißend und begeisternd wie kaum ein anderes Leben. Aber Ihre Liebe zu ihm sollte Sie antreiben, ihn in Ihrem Inneren zu suchen. Schließlich sagt er selbst: „Suchet, so werdet ihr finden!“
Ja, genauso wie Sie jetzt mit mir reden.
Nur der Mensch kann den Menschen lehren. Es gibt keinen anderen Weg.
Christus stirbt nie. Doch um ihn zu sehen, müssen Sie erst einen Christus im physischen Körper sehen – einen lebenden Meister.
Das Reich Gottes ist „inwendig in uns“ (vgl. Lk 17,21), und so auch der Herr Jesus Christus. Kann ein Buch uns beibringen, wie wir nach innen zu gehen haben? Beschreibt die Bibel irgendwo die mystischen Übungen, die Christus und seine Jünger zu diesem Zweck praktizierten? Es gibt viele sorgfältig ausgearbeitete Bücher mit ausführlichen Einzelheiten über Yoga-Übungen, aber diese Bücher warnen immer davor, ohne die Führung und Auf sicht eines lebenden Meisters Yoga zu beginnen oder sich darin zu versuchen.
Nein, diese Welt war und ist niemals ohne Meister. Es ist Gottes Gesetz, dass seine Söhne immer in dieser Welt gegenwärtig sind, um denen zu helfen, die ihre Hilfe und Führung brauchen.
Das heißt aber nicht, dass jemand seine Liebe und seine Achtung für eine bestimmte Religion aufgeben muss, weil er dem Pfad unter Führung eines lebenden Meisters folgt. Ganz im Gegenteil – seine Liebe wird noch größer werden, und er wird ein noch besserer Christ, indem seine Seele mit dem Wort (das heißt: mit der Gotteskraft in ihrer offenbarten Form) in Verbindung kommt, von dem die Bibel sagt, dass es Gott war (vgl. Jh 1,1-4). Auch jetzt ist es noch Gott, und gesegnet ist der Mensch, dessen Seele ihm ergeben ist. Diese Verbindung kann aber nur durch einen lebenden Meister hergestellt werden.
Verschiedene Stellen in der Bibel weisen deutlich darauf hin.
Nein, das entspricht nicht dem ewigen göttlichen Gesetz. Jeder, der mit ihm in Verbindung kam, als er auf dieser Erde wirkte, wurde durch ihn in Christus verwandelt. Aber heute wirkt der Geist Jesu nicht mehr in unserer niedrigen Region. Er verrichtete sein Werk, als er im Fleisch war: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (vgl. Jh 9,5). Als er sein Werk vollbracht hatte, kehrte er zu dem Wort zurück, von dem er ausgegangen war: „Ich steige hinauf zu meinem Vater...“ (Jh 20,17) Wenn dieser alldurchdrin gende Geist Christi, das Wort, das bei Gott war und das Gott war, unmittelbar von oben her den Menschen helfen könnte, dann hätte ja auch für Christus keine Notwendigkeit bestanden, auf die Erde zu kommen. Wenn dagegen sein Erscheinen im Fleisch damals notwendig war, dann besteht diese Notwendigkeit auch heute noch.
Der Christus-Geist – der Allumfassende Geist – kann den Menschen nicht führen, ohne sich in Menschengestalt zu offenbaren. Gott muss das Gewand eines Menschen anlegen, um sich den Menschen zu offenbaren, um zu ihnen zu sprechen und sie zu lehren. Es gibt keinen anderen Weg.
Gott – der unsichtbare Allumfassende Schöpfer – ist immer bei den Menschen und war stets bei ihnen. Aber konnten sie auf diese Weise etwas von ihm lernen? Wie kann der Herr, nachdem das Universum erschaffen war, sich den Menschen mitteilen? Wie sollen sie zu der Erkennt nis Gottes, des Schöpfers, kommen? Intellekt und Vernunft stiften nur Verwirrung und geben zu immer neuen Fragen und Zweifeln Anlass (vgl. „Nichts als Probleme. Vom Grübeln ins Handeln kommen“, VISIONEN 10/2008). Phantasievolle Vermutungen machen die Sache nur noch schlimmer.
Dieses Wissen kann nur durch einen Menschen vermittelt werden. Gott und die Engel können wir nicht sehen. Die anderen Geschöpfe sind selbst unwissend. So musste Gott – und so muss Gott immer wieder – in Menschengestalt erscheinen, um uns von den anderen Welten zu berichten, von unserem Schöpfer und wie wir ihm begegnen können. Sonst können wir ihn nicht hören, wahrnehmen oder irgendwelche Kenntnis von ihm erlangen. Nur ein Mensch kann den Menschen lehren. Darum muss Gott Mensch werden, wenn er sich uns mitteilen will.
Wenn ein Mensch unter Führung eines vollkommenen Meisters die göttlichen Eigenschaften in sich pflegt, dann entwickelt er sich schließlich zu einem Gott-Menschen – einem wahren Sohn Gottes. Wenn die Höchste Seele im menschlichen Körper Wohnung nimmt, ist sie bei des: Vater und Sohn. Jesu „Ich“ bezieht sich nicht auf seinen Körper. Seine Seele war eins mit dem Herrn.
Sie können sich mit Gott nicht unterhalten, wenn er nicht menschliche Gestalt annimmt. Auch Gott hat seine Begrenzungen. Kann er mit Ihnen von den himmlischen Höhen herab reden? Er kann seine Allwissenheit, Allgegenwart und Allmacht ohne ein geeignetes Werkzeug nicht mitteilen. Nur ein Mensch kann einen Menschen lehren. Um sich mit den Menschen in Verbindung zu setzen, muss Gott erst ein Mensch werden wie sie.
Eine Mutter muss wie ein Kind reden, damit ihr Kind sie versteht. Der vollkommene Gottessohn oder Meister spricht und handelt wie andere Menschen, aber in Wahrheit spricht und handelt der Allerhöchste durch ihn. Der persische Mystiker Maulana Rumi sagt: „Seine Worte sind Gottes Worte, obwohl eine menschliche Zunge sie spricht. Seine Hand ist die Hand des Herrn. Sein Ja ist das Ja des Herrn.“ Der Sikh-Meister Guru Nanak ergänzt: „Der Meister tut, was Gott nicht zu tun vermag.“ Auch in der Bibel steht: „Gott, der Herr, tut nichts – er offenbart seinen Plan seinen Knechten, den Propheten“ (vgl. Amos 3,7). Um mit den Menschen in Verbindung zu kommen und auf dieser physischen Ebene zu wirken, muss Gott daher als Mensch zu ihnen herabsteigen.