Freiheit ist eine Gottesgabe

Freiheit ist eine Gottesgabe

Den freien Willen weise nutzen

Gott hat den Menschen nicht als Sklaven geschaffen, sondern ihn mit der Freiheit ausgestattet, selbst über seine Handlungen zu bestimmen. Gleichzeitig bleibt er wie alle anderen Geschöpfe stets in Gottes Hand. So kann er zwar mancherlei Irrwege gehen, den göttlichen Plan aber nie außer Kraft setzen. Wenn er aus seinen Fehlern gelernt hat, öffnet er sich für Gottes Führung und wird zu weiserem Handeln inspiriert.

Zwischen Freiheit und Führung

Die allbe­wusste Gotteskraft wirkt als geistige Kraft im ganzen Universum. Sie ist allmächtig und vollkommen. Der Mensch ist zwar das höchste Glied in der Schöpfung, herrscht aber nicht allmächtig über sie. Er ist selbst Teil der Schöpfung und untersteht wie alle anderen Geschöpfe der alles lenkenden Macht Gottes. Natürlich besitzt er als einziges Geschöpf die Freiheit, selbst über seine Handlungen zu entscheiden und zu bestim­men, so dass er nicht wie alle anderen automatisch seinem Karma entsprechend reagiert. So kann er zwar Irrwege einschlagen und sich und andere in große Schwierigkeiten bringen, aber niemals Gottes Plan außer Kraft setzen. Gott kann es immer so einrichten, dass er den Menschen zum rechten Zeitpunkt die richtige Einsicht und die nötigen Er­kenntnisse vermittelt, mit deren Hilfe sie ihre Fehler wieder gut machen können.

Dafür besitzt er vielerlei Mittel. Die Meditation, bei der man bei vollkommen klarem, dem Alltagsbewusstsein überlegenen Bewusstsein Botschaften von Gott empfängt, ist zweifellos das wichtigste davon, da sie jeder anderen Kommunikation zwischen Gott und Mensch überlegen ist. Es gibt jedoch auch andere Wege der Kommuni­kation zwischen Gott und Mensch. Dies kann beispielsweise durch Träu­me geschehen oder auch durch eine unmittelbare Inspiration in einem Au­genblick, in dem der Mensch nicht seinen eigenen Gedanken nachhängt, sondern für diese Eingebung empfänglich ist. Wir kennen sogar aus der Wissenschaft das berühmte Beispiel des Chemikers Friedrich August Kekulé von Stradonitz (1829-1896), der über eine Molekularstruktur grü­belte, dann von einer Schlange träumte, die sich selber in den Schwanz biss, und so den entscheidenden Durchbruch zur Formel des so genannten Benzol-Rings fand. Jede Art der Kommunikation zwischen Gott und Mensch, auch wenn sie sich nicht in der höchsten Form von Offenbarungen in der Medi­tation vollzieht, dient dem Zweck, Gottes Plan zu erfüllen.

„Das Gewissen ist ein Instrument, um die Freiheit des Menschen mit Gottes Willen in Einklang zu bringen.“

Gott als “Schutzengel“

Besonders die Menschen im Westen sollten daher ruhig stärker auf Gottes Allmacht vertrauen statt auf ihre Vernunft. Das Vertrauen würde ihnen viel Angst ersparen. Christen sollten sich an Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn erinnern; der Vater ließ seinen Sohn gehen, obschon er wusste, dass er sich durch sein unvernünftiges Verhalten viel Leid zuziehen würde. Er gab ihm je­doch diese Freiheit, weil dies der Würde des Menschen und der besonde­ren Beziehung zwischen Mensch und Gott entspricht, die auf Freiwillig­keit beruht. So lässt Gott den Menschen zwar mancherlei Irrwege gehen und sich und andere Geschöpfe in große Schwierigkeiten bringen. Aber er lässt ihn niemals im Stich. Wie der Vater in seinen liebevollen Gedanken stets bei seinem verlorenen Sohn ist, so wacht auch die gütige Gotteskraft über die Menschen. Wenn sie durch Leid aus ihren Fehlern gelernt ha­ben, werden sie zum Umdenken fähig. Sobald sie sich auf Gott besinnen und seiner Führung öffnen, werden sie auch zu weiserem Handeln inspiriert.

Gott ist also kein ruhender Gott, der sich nach dem Schöpfungsakt aus seinem Universum zurückzieht und es nur noch teilnahms­los beobachtet, sondern eine anteilnehmende Kraft. Er könnte nicht die Quelle aller Liebe sein, wenn er nicht ständig barmherzig über seine Geschöpfe wachen und zu gegebener Zeit zu ihrem Schutz eingreifen würde.

Freiheit und Gewissen

Die Frage nach der Freiheit des Menschen ist stets unlösbar mit der des Gewissens verknüpft. In der christlichen Tradition nimmt die Ge­wissensfreiheit einen sehr hohen Rang ein. Dies hat auch auf die demo­kratische Tradition ausgestrahlt. Danach gehört nicht nur die Freiheit des Einzelnen zu den höchsten, unantastbaren Werten, sondern auch die Pflicht, seinem Gewissen zu folgen.

In der Tat ist die Gewissensfreiheit eines der wertvollsten Güter. Das rechte Gewissen ist ein Instrument, um die Freiheit des Menschen mit Gottes Willen in Einklang zu bringen. Da­bei ist jedoch entscheidend, dass dieses Instrument entwickelt wird. Wir billigen im allgemeinen jedem Menschen ein Gewissen zu, mag er noch so korrupt sein. In diesem Fall ist das Gewissen jedoch nur die Ansamm­lung von unterschiedlichen Einflüssen, die ein Mensch von außen in sich aufgenommen und auf seine eigene Art verarbeitet hat. Ein solches Ge­wissen ist fremdgelenkt und für alle Arten von Manipulationen offen. Daraus folgt selbstverständlich, dass es sich als Instrument zum Empfang von Gottes Botschaften nicht eignet.

Wenn das Gewissen diese hohe Aufgabe erfül­len soll, muss es erst einmal geschult und verfeinert werden. Wenn wir beispielsweise von Jesus sprechen, so haben wir in ihm einen Menschen vor uns, der einerseits vollkommen frei und aus höchster Autorität heraus handelt, dies jedoch gleichzeitig in vollkommenem Gehorsam Gott gegenüber tut. Gehorsam bedeutet bei ihm nicht, dass Gott ihm etwas befiehlt und er es ausführt, sondern dass sein Bewusstsein und Gewissen mit dem Gottes identisch geworden sind. Das Gewissen ist also ein Instrument im Men­schen, an dem er unaufhörlich arbeiten muss, um es gleichsam auf die richtige Frequenz einzustellen und alle Störfrequenzen auszuschalten.

Gewissen und innere Stimme

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant erklärte, dass zwei Dinge ihn von Gottes Existenz überzeugten: der gestirnte Himmel über ihm und das lebendige Gewissen in ihm. Dies zeigt, dass er die letzte Quelle des Gewissens bei Gott sieht. In diesem Sinne ist Gewissen das von äußeren Einflüssen ge­reinigte, Gottes Führung direkt empfangende Bewusstsein. Auf der höch­sten und reinsten Stufe in der Meditation geschieht dies durch Offenbarungen, auf anderen Stufen durch die so genannte innere Stimme – eine Inspiration, die den Menschen deutlich spüren lässt, dass sie nicht von ihm selbst, sondern von Gott kommt. Ich stimme mit Kant darin überein, dass dem durch diese innere Stimme vermittelten Gebot unbedingter Gehor­sam zu leisten ist. Nochmals muss jedoch betont werden, dass es hierbei um das wirkliche, von Fremdeinflüssen freie Gewissen geht und nicht um das Nachwirken menschlicher Ge- oder Verbote beziehungsweise ande­rer Manipulationen von außen.

Für einen Menschen der inneren Erfahrung ist es nicht ab­strakt, von Gott als der Quelle des Gewissens zu sprechen, sondern tägliche Erfahrung.

Der Mensch wäre tatsächlich viel besser beraten, wenn er Got­tes Gebote annehmen und befolgen würde. Da Gott die kontrollierende Kraft im Universum ist, wird der Mensch letztlich ohnehin von Gottes Willen ge­lenkt, ob ihm dies bewusst ist oder nicht. Unterwirft er sich diesem Willen freiwillig und gerne, dann ist es eine Freude für ihn, während er es sich unnötig schwer macht, wenn er durch die bitteren Früchte seines Han­delns zur Einsicht gezwungen werden muss.

Ein praktischer Rat

Es geht Gott aber nicht darum, dem Menschen irgendeine Lektion zu erteilen. Die Willensfreiheit des Menschen ist vielmehr nötig, damit er letztlich aus Einsicht den rechten Pfad findet, der ihn zugleich zum Gehorsam gegenüber Gott führt.

Der freie Wille ist eine Gabe Gottes ist, und der Mensch sollte ihn gebrauchen können, auch um die Möglichkeiten seines Verstandes auszu­schöpfen. Der Mensch wird nur zu etwa einem Drittel von den Rückwir­kungen seines Karmas beherrscht und ist demnach zu etwa zwei Dritteln frei, zu tun und zu lassen, was er möchte. Diese Freiheit spielt sich jedoch immer nur im Rahmen des göttlichen Gesetzes ab. Der Mensch kann sich gar nicht außerhalb von Gottes Plan stellen, da Gott in allem wirkt und über alles wacht.

Mein Rat lau­tet daher stets: Der Mensch sollte entsprechend seinen Fähigkeiten sein Bestes geben, das Ergebnis aber Gott überlassen und als Gottes Wil­len annehmen. Wenn sich der Mensch nicht selbst anstrengt und sich nicht den Herausforderungen des Lebens auf dieser Welt stellt, worin lä­ge dann der Sinn der Freiheit, die Gott ihm zubilligt? Es wäre gar nicht im Einklang mit Gottes Willen, wenn wir das, was er uns zur Verfügung gestellt hat – also auch die Möglichkeiten unseres Verstandes und vor allem die Freiheit der Entscheidung – nicht nutzen würden. Gott hat den Menschen nicht als Sklaven geschaffen, sondern ihn mit einer Freiheit ausgestattet, die er in vollem Umfang einsetzen sollte.

eZ Publish™ copyright © 1999-2012 eZ Systems AS