Alles Leben ist für mich eingewoben im göttlichen Feld. Es ist in sich selbst multidimensional und spirituell. Die unmittelbare Erfahrung, dass dies Wirklichkeit ist, führt zur Erkenntnis, dass es keine Trennung vom Höchsten Bewusstsein gibt. Dann kann der Mensch im Bewusstsein der multidimensionalen Spiritualität mit Hilfe individuell ausgerichtete spiritueller Übungsweisen prozessorientiert über die egozentrische Stufe hinauswachsen. Er kann sich in die kosmische Wahrheit des Bewusstseins hinein entfalten. Im Bewusstsein der multidimensionalen Spiritualität ist der Mensch in seiner Seele erwacht. Er erkennt, dass alles Leben ununterbrochen im Band der Liebe verbunden war und ist.
„Durch Dankbarkeit wird das ganze Leben ein kostbares Geschenk.“
Ja, natürlich. Es gibt generell einen Unterschied zwischen Energien, die in der Welt wirken. Jedes Wesen ist ebenfalls durch sein Energiefeld fähig, Heilenergien für sich und andere auszusenden oder zu übertragen. Heilung ist ein energetisches Geschehen. Der Organismus Mensch ist ein dynamisches System, wie das Leben selbst, das alle Informationen der Heilkräfte in sich trägt. Die Heilkräfte können auf dieser Grundlage aufbauend kultiviert und individuell eingeübt werden. So fördert die Übung des Yoga grundsätzlich die selbstheilenden Kräfte im Menschen. Viele Übende erfahren durch die Aktivierung ihrer Lebensenergie heilende Kräfte in ihren Händen und sie spüren das Bedürfnis, diese heilenden Kräfte weiterzugeben.
Die Quelle der Heilung ist ständig im Fluss, auch wenn es menschlich nicht begreifbar und biologisch nicht unmittelbar erfahrbar ist. Träger dieses heilenden Stromes der Heilkraft ist reines Bewusstsein. Wenn der Mensch sich mit diesem Strom des göttlichen Feldes verbindet und sich davon durchströmen lässt, kann er dessen „Heilkraft“ weitergeben. Das verstehe ich unter spiritueller Heilung. Es gibt keine Trennung mehr in diesem Bewusstsein. Deshalb ist sie reine Gnade.
Die Heilende ist unmittelbar mit dem heilenden Feld verbunden. Es findet keine menschliche Energieübertragung zwischen Therapeut und Patient statt. Spirituelle Heilung stellt eine Brücke her zwischen den Seelenkräften und den darüber hinaus sich entwickelnden spirituellen Kräften. Diese Kräfte werden im Menschen gestärkt, so dass physische und psychische Blockaden des Patienten geordnet und geheilt werden können. Weil die spirituellen Kräfte in ihm gestärkt werden, kommt der Mensch selbst in ein höheres, geordnetes Schwingungsfeld, so dass seine individuelle Ursprungsnatur immer intensiver durchbrechen kann.
Diese Dimension der Heilung umfasst also nicht nur das Heilwerden des physischen Körpers. Die Heilenergie strömt aus der Quelle allen Seins als supramentale, heilende, inspirative, spirituell transformierende Kraft in alle Bereiche unseres Lebens ein. Sie hilft, das ganze Leben des Menschen auf seinen Sinn hin auszurichten. Darüber hinaus will sie als göttliches Instrument dazu dienen, den Menschen in einen tieferen Kontakt mit seiner Mitwelt zu bringen.
Viele Schüler/Innen baten mich nach meinen Seminaren, Vorträgen und Heilsitzungen, meine Erfahrung und mein Wissen vertiefend weiterzugeben. In der Bewerbung für diese Ausbildung setze ich voraus, dass die Bewerber/ Innen vorrangig den eigenen individuellen, spirituellen Weg vertiefen wollen. Spirituelle Heilung selbst hat keine Technik. Das Ziel einer Ausbildung ist individuell auf den Menschen ausgerichtet, der diese Ausbildung für sich gewählt hat. Seine ganz persönliche Entwicklung wird gefördert. Sie wird ihn auch zu seiner individuellen heilenden Aufgabe führen. So berichtet ein Rektor einer Schule, dass seine heilenden Kräfte sich spürbar durch seine Worte auf die Kinder ordnend auswirken und das Aggressionspotential auflösen. Der tiefe Sinn in dieser spirituellen Schulung ist der Mensch als heilendes Wesen.
Zunächst vermittelt Spirituelle Heilung dem Menschen seine persönliche Wahrheit, die er unmittelbar annehmen und bejahen kann. Das Annehmen seiner Lebenssituation – es muss nicht immer eine Krankheit sein – vermittelt unmittelbar Erkenntnis und Kraft, damit umzugehen. Z.B. wachsen im Annehmen einer bestimmten Lebenssituation im Verborgenen ungeahnte, selbstheilende Kräfte der Seele. Sie sind ja da. Heilung muss vorrangig die individuelle Entwicklung des Menschen unterstützen, so dass im Menschen selbst seine eigenen Erkenntnisse heilend umgesetzt werden können. Es ist besonders wichtig, dass sich der Mensch in seiner Krankheit oder seinen Problemen annimmt. Ein spastisch krankes Kind, dass seine Hände nicht koordinieren konnte und darüber ständig wütend wurde, kam eines Tages mit leuchtenden Augen mit seinem ersten selbstgemalten Bild in die Praxis. Es hatte seine ihm gemäßen, individuellen Fähigkeiten anerkannt und gewürdigt. Allein dieses Erkennen und Annehmen ist ein heilender Prozess, der im heilenden Feld geschieht.
Ganz besonders geht es in jeder Spirituellen Heilung darum, eine stärkere Resonanz zur Seele zu bekommen und auf dem Weg dorthin alle Blockaden aufzudecken und durch das heilende Feld transformieren zu lassen. Jede Spirituelle Heilung ist ein Prozess, der zur Heilung des ganzen Menschen führt.
„Wir müssen bereit sein, das Leben in seiner ganzen Fülle auszukosten, so wie es sich im Jetzt zeigt.“
Ja, richtig. Wie können wir sonst unsere Seele, ihre Kräfte und Bedürfnisse wahrnehmen oder den Mut aufbringen, einer Inspiration zu folgen? Wie können wir uns selbst lieben, wenn wir nicht die Wahrnehmung nach innen schulen, um das Wunder unseres Bewusstseins zu erforschen, und wie können wir die Liebe des Menschen würdigen, wenn wir nicht auch hinter seine Not schauen können? In dem Wort Wahrnehmung steckt ja der Begriff: wahr. Ich nehme das wahr, was im gegenwärtigen Augenblick präsent ist.
Diese Übung geschieht am tiefsten in der kontemplativen Übung der gegenstandsfreien Meditation. Sie beginnt in der Achtsamkeit im Alltag. Sie wird vertieft in allen spirituell ausgerichteten Übungsweisen, in denen die konzentrative Wahrnehmung nach innen gelenkt wird. So kann die Sensibilität für die Energie des Körpers mit seinen feinstofflichen Strömen erhöht und die innere Wahrnehmung geschult werden.
Als ich eines Morgens zu meiner Meditationszeit um 4.30 Uhr aufwachte, lag der Zyklus der Heilgebärden in einer inspirativen Schau vor mir. Die Heilgebärden waren für mich ein Geschenk des Himmels – inzwischen werden sie von vielen Menschen geübt, mit überwältigenden Rückmeldungen.
Die 15 Heilgebärden haben 5 spezifische Wirkungen auf Körper und Seele: In den Gebärden 1-5 wird die Lebenskraft aktiviert. In den Gebärden 6-8 kann sich der Übende vollkommen dem göttlichen Feld hingeben, es durch sich hindurch fließen lassen und die tiefer liegenden Energieströme ordnen lassen. In den Gebärden 9 a – 11 wird der Dienst am Nächsten (liegende Acht) und das dienende, absichtslose Heilen (Segenshaltung) bewusst gemacht. Die Gebärden 12-13 vertiefen und ordnen die energetischen Ströme und Kräfte für den Alltag. Zum Schluss wird in den Gebärden 14 a – 14b das Aurafeld geklärt. Diese Klärung der Aura drückt für viele Übende ein Bedürfnis nach Schutz aus oder bedeutet auch ein bewusstes „Hineinstellen in das göttliche Feld“.
Das ist ein sehr komplexes Thema. Ich bin davon überzeugt, dass wir in einer Zeit leben, in der wir nichts mehr verdrängen können. Weder in uns selbst, noch auf unserem gesamten Globus. Wir stehen vermutlich vor einer noch nie da gewesenen Herausforderung für die menschliche Psyche und den Körper, weil besonders auch die Energie des göttlichen Feldes, das Einströmen höherer Lichtkräfte intensiver wird. Ganz besonders empfindsam reagiert das Nervensystem auf diese Herausforderung.
Sie haben nach der wichtigsten Prophylaxe gefragt! Die größte Hilfe besteht darin, die eigene Seelenkraft zu stärken und sich stets die selbstheilenden Kräfte der Seele bewusst zu machen, die ich im Kapitel des Buches als „Instrument der Seele“ beschrieben habe. Eine entscheidend wichtige Geisteshaltung ist für mich die Dankbarkeit. Dankbarkeit ist eine Schwingung, die bis zur „Seelenhaut“ dringt, so dass die Urkraft der Liebe wieder durchdringen kann. Wir können diese kostbare Seelenkraft immer einüben. Wenn es außer der Liebe eine Prophylaxe gibt, dann ist es Dankbarkeit. Durch Dankbarkeit wird das ganze Leben ein kostbares Geschenk.
Ein kleines, aber wesentliches Kapitel in Ihrem Buch handelt von Neugeburt. Einen Schlussstrich unter Bisheriges zu ziehen und einen Neuanfang zu versuchen, ist aber nicht einfach – die meisten Menschen sind zu tief verstrickt in Alltagsarbeit und Beziehungsgeflechte für einen wahren Neuanfang.
Ja, Sie haben Recht. Es ist nicht einfach, einen Schlussstrich unter Bisheriges zu ziehen. Es wird auch nicht gelingen, einen Neuanfang nur zu „versuchen“.
Neugeburt ereignet sich spontan in einem Erkenntnisprozess, in dem das Leben so angenommen wird, wie es ist. Wir müssen bereit sein, das Leben in seiner ganzen Fülle auszukosten, so wie es sich im Jetzt, in diesem einen Augenblick zeigt. Dazu gehören Licht und Schatten, Geburt und Tod. Gerade die Verstrickungen in Alltagsarbeiten und Beziehungen verweisen auf die Notwendigkeit, Kraft und Hilfe aus einer Dimension zu schöpfen, die die Seelenkräfte schenkt, die Situation anzunehmen, hindurchzugehen und im göttlichen Feld heilen zu lassen. Dann geschieht Transformation.
In allen Übergängen des Lebens haben wir die Chance zu einer neuen Geburt bis hin zum Quantensprung des Bewusstseins in die göttliche Dimension. Neugeburt endet nie, wie das Leben selbst nie zu Ende geht.
Frau Schenkbier, vielen Dank!
Die Fragen stellte Inge Hasswani