Nach vielen Jahrtausenden spirituellen Schlafs und Unterdrückung des femininen Prinzips in unserer Gesellschaft fällt vielen von uns die Auseinandersetzung mit dem Thema Weiblichkeit sehr schwer. Nicht nur den Frauen, sondern auch den Männern, die ja ebenso wie Frauen weibliche Anteile in sich tragen. Was ist überhaupt „Weiblichkeit“, fragen sich heute viele Menschen und suchen in unserer Gesellschaft vergeblich nach Vorbildern, die diese Weiblichkeit in sich verwirklicht haben.
Die Sehnsucht nach diesen Vorbildern bleibt im realen Leben meist unerfüllt und hinterlässt uns mit einem Hunger, den wir teilweise durch Romanfiguren oder durch Figuren in alten Mythen zu stillen versuchen. Mythen mit Rittern und weisen Königen in Gralslegenden, berührende Liebesgeschichten und Sagen von weisen Frauen, die als Hohepriesterinnen das spirituelle und weltliche Wohl einer Gesellschaft in Einklang bringen und dabei doch menschliche Probleme haben, rühren etwas in uns an und wecken Sehnsüchte nach einer paradiesischen Sagenwelt, die weit entfernt und unerreichbar scheint und doch so nah und tief unsere Herzen berührt.
Wenn wir uns diesem Thema nähern, kommen wir unweigerlich mit unseren starken kulturellen Prägungen der vergangenen Jahrhunderte und unseren gesellschaftlich geprägten Vorstellungen von heiliger Weiblichkeit in Berührung. Bilder von keuschen Heiligen, die ihr Leben in Abstinenz verbrachten, um sich ihrer Suche nach Gott zu widmen, sind ebenso präsent wie das Bild der Heiligen Hure, die ihre Sexualität ungehemmt zum Ausdruck bringt. Weise Frauen mit heilkundlichem Wissen sind in alten Mythen ebenso zu finden wie giftmischende Hexen, die in späteren mittelalterlichen Geschichten auf dem Scheiterhaufen endeten.
Doch wo liegt die Wahrheit, nach der wir uns sehnen? Kann es sein, dass wir sie jenseits dieser Bilder finden, wenn wir bereit sind, in uns selbst nach der Heiligen Priesterin und dem heiligen Mann zu suchen und alle Vorstellungen, die unsere Kultur und das Kollektiv in uns hinterlassen haben, aufzugeben?
Wie können wir die göttlichen Prinzipien in uns zum Leben erwecken und vor allem den lang vernachlässigten weiblichen Anteil daran zur Heilung bringen?
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