Irina Tweedie

Irina Tweedie

Momente mit einer wunderbaren Frau

Nach einfühlsamen Portraits über Willigis Jäger, der buddhistischen Nonne Ayya Khema und des Zenmeisters Roshi Bernhard Glassman widmet sich der Dokumentarfilmer George Eich in seinem neuesten Werk der Sufi-Meisterin Irina Tweedie.

Der Tod ihres Mannes stürzt Irina Tweedie in eine tiefe Krise. Im Jahr 1959 unternimmt sie eine Reise nach Indien und trifft dort auf Bhai Sahib, einen hinduistischen Sufimeister aus der Naqschbandiyya-Mudschaddidiyya-Sufi- Linie. Sie wird seine Schülerin. Er fordert sie auf, ein Tagebuch ihrer spirituellen Schulung zu schreiben, das sie 1986 auf Englisch veröffentlicht. Nach dem Tod des Sheikh im Jahr 1966 geht Irina Tweedie für acht Monate in den Himalaya und zieht 1967 nach London. Dort wirkt sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1999 als Lehrerin und Begleiterin vieler westlicher Suchender (beispielsweise von Llewellyn Vaughan-Lee oder Annette Kaiser).

Birgit Permantier sprach mit Regisseur George Eich, der Irina Tweedie über drei Jahre lang für einen Dokumentarfilm begleiten durfte.

Können Sie unseren Lesern kurz beschrieben, wer Irina Tweedie war?

Als ich Irina Tweedie kennen lernte, kannte ich schon einige spirituelle Lehrer. Es waren immer Männer, teilweise aus der indischen Kultur, die ihre kulturellen Begrenzungen hatten und einen eher patriarchalen Lehrstil lebten, in dem es Tabuthemen gab. Im Vergleich mit diesen Lehrern war Irina Tweedie in jeder Hinsicht ein Gegenpol. Sie war zum einen die erste Frau, die ich traf, die Spiritualität konsequent und radikal lebte. Zum anderen war sie sehr interaktiv in ihrer Lehrweise und unterband jegliche Form der Hierarchisierung und Machtprojektionen, die ja sehr subtil sein können und in solchen Gruppenzusammenhängen wie von selbst entstehen.

In den stillen Stunden, wenn wir vielleicht nur sechs Leute im Raum waren, konnte sie manchmal sagen: „Jetzt bin ich schon so alt, habe mich so lange mit spirituellen Themen beschäftigt und habe erst jetzt gerade dieses oder jenes begriffen. Es lag mir immer vor der Nase und ich habe es nicht gesehen.“

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