Wie hält man negative Gedanken von sich fern? Das ist eine sehr gute Frage, aber zu ihrer Beantwortung wären viele Unterweisungen nötig. Darum hier nur ein hilfreicher Faktor, der viel zu selten bedacht wird: die richtige Ernährung. Unsere Nahrung sollte rein, bekömmlich und milde (sattvik) sein. Sie sollte möglichst naturbelassen und frisch sein und nicht reizend, stimulierend oder aufregend wirken. Junge Leute sollten ganz besonders auf ihre Ernährung achten. Geben Sie ver suchsweise alkoholische Getränke und tierische Nahrung wie Fleisch, Fisch und Eier für einen Monat auf und beobachten Sie die Wirkung.
Was bewirkt die von Ihnen empfohlene Kost? Sattvik-Nahrung gibt dem Geist Ruhe, Frieden und Stetig keit. Ein Schüler, der den inneren Pfad beschreitet, reagiert so feinfühlig auf die kleinsten Verän derungen, dass schon eine kleine Menge an Nicht-sattvik- oder aufreizender Kost dazu angetan ist, in ihm Unrast (rajasik), Trägheit (tamasik) und Launenhaftigkeit (vrittis) zu erzeugen – auch wenn er sie versehentlich oder irrtümlich zu sich nimmt.
„Was hilft gegen negative Gedanken?“ – „Ein Mittel dazu ist spirituelle Ernährung: sie fördert Gemütsruhe, Sanftmut und Liebe.“
Sat, rajas und tamas sind die drei Grundeigenschaften (gunas) der Materie oder Energie. Sie sind wichtige Faktoren bei der Erschaffung der Welt. Sat ist das schöpferische Prinzip, raj das er haltende und tamas das zerstörende. Sie werden diese drei Prinzipien überall in der Welt finden. Die Hindu-Mythologie hat ihnen die Namen Brahma, Vishnu und Shiva gegeben. Brahma ist der Schöpfer, Vishnu ist der Erhalter; er besorgt die Nahrung für die Welt. Shiva ist der Zerstörer, der Gott der Auflösung und des Todes. Diese drei Gottheiten bilden die Hindu-Trinität, und ihr unterstehen alle Angelegenheiten dieser Welt. In jedem Atom, in jedem kleinsten Teil finden Sie diese drei Prinzipien am Werk.
Aus ihren verschiedenen Verbindungen miteinander ergeben sich die verschiedenen Formen und Eigenschaften der Materie. Sie verursachen alle ihre Veränderungen. Normalerweise überwiegt eine der drei Eigenschaften in einem Gegenstand und gibt ihm sein Gepräge. Die anderen beiden nehmen dann eine untergeordnete Stellung ein oder ruhen. Ihre Merkmale sind: 1. Harmonie, 2. Tätigkeit und 3. Trägheit. Menschen, in denen sat vorherrscht, haben eine glückliche Veranlagung, sie sind intelligent und fried liebend. Raj-Naturen sind rastlos tätig und ruhelos. Tamas-betonte Menschen sind träge, stumpf und beschränkt.
Unser Geist nimmt die Merkmale der Nahrungsmittel an, die wir zu uns nehmen. Wer tierische Nahrung isst, wird eine tierisch rohe Natur entwickeln, mit dem Hang zu töten. Sattvik-Nahrung fördert Ruhe, Sanftmut und Liebe. Dazu zählen Weizen, Gerste, Reis, grüne Erbsen, Soja, Milch, Butter, Gemüse und leicht verdauliche Früchte. Aber auch sattvik-Speisen machen – im Übermaß genossen – lustlos und träge. Die Menge der Speisen sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein. Die Nahrung sollte nicht stopfend wirken und kein Gefühl von Schwere und Unbehagen hinterlassen. Jeder muss selbst herausfinden, was und wieviel für ihn gut ist.
Wer den spirituellen Weg geht, muss rajasikund tamasik-Nahrung meiden. Der Grund ist leicht einzusehen. Fleischverzehr er zeugt, wie gesagt, Rohheit und Zorn. Abgestandene, verdorbene Nahrung macht schwerfällig und träge. Einfache Kost, mäßig genossen, verschafft einen klaren Kopf und macht ruhig, frisch und munter.
Ein überladener Magen ist ein großes Hindernis bei spirituellen Übungen. Es ist eine irrige Vorstellung, dass große Mengen Nahrung mehr Kraft geben. Tatsächlich essen wir viel mehr, als wir brauchen und öfter als nötig. Wer die Gaumenfreuden liebt, kann auf Dauer
Weil Töten das Herz verhärtet und eine schwere karmische Schuld verursacht. Außerdem blockiert Fleischnahrung den geistigen Fortschritt.
Fleischverzehr macht gefühllos gegen über allem Lebendigen. Er stumpft die Fähigkeit zu Mitleid und Güte ab und ist deshalb für das höhere geistige Leben ein großes Hindernis.
Für uns, die wir seit Generationen an tierische Nahrung gewöhnt sind, ist es schon sehr viel verlangt, darauf zu verzichten.
Alles hängt davon ab, was einem wert voller ist: die flüchtigen Freuden dieses Lebens oder die unver gänglichen Schätze des höheren Lebens. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Und sicher hilft der Herr denen, die den Pfad der Gnade und Rechtschaffenheit zu betreten wünschen.
Die Tiere sind da anderer Ansicht.
Aber alle Muslime und Christen essen Fleisch.
Kein Heiliger, gleich welcher Religion, welchem Land oder welchem Zeitalter er angehörte, erlaubte jemals seinen Jüngern den Genuss von Fleisch. Doch im Laufe der Zeit wurden ihre eigentlichen Lehren vergessen, und ihre Jünger, die es nur noch dem Namen nach waren, begannen, auch verbotene Speisen zu essen. In einer Lebensbeschreibung des Propheten Mohammed habe ich gelesen, dass er nur viermal in seinem ganzen Leben Fleisch zu sich genommen hat.
Das stimmt. Ich bin selbst Muslim. Der Pro phet Mohammed aß nur viermal in seinem Leben Fleisch. Im Koran heißt es an einer Stelle, dass das Fleisch und Blut geopferter Tiere Gott nicht erreichen, sondern nur Frömmigkeit und ein heiliges Leben.
Eines lässt sich nicht leugnen, nämlich dass die Tiere und Vögel, die wir töten, nicht sterben wollen. Sie versuchen, dem Tod durch unsere Hand zu entfliehen und möchten leben, genauso wie wir. Versuchen sie nicht alles, um unserem Griff zu entkommen? Schreien sie nicht um Hilfe? Fühlen sie etwa nicht den zugefügten Schmerz? Sind sie nicht genauso Geschöpfe Gottes wie wir? Wird nicht der Herr der Barmherzigkeit Rechenschaft von uns fordern, wenn wir sie so erbarmungslos töten? Wenn sie Freude und Schmerz spüren können, dann ist es eine Sünde, sie zu töten, und der Schöpfer wird uns ihr Hinmorden nicht vergeben.
Ein Mensch, der Gott liebt und ihm zu begegnen wünscht, wird kein lebendes Geschöpf töten. Wer tierische Nahrung genießt, wird auf die tierische Seinsebene hinab gezogen und wird mehr oder weniger selbst wie ein Tier.
Aber auch die Heiligen sagen doch, dass sogar Pflanzen Leben und Bewusstsein haben.
Das ist richtig. Ohne Zweifel hat jedes einzelne Weizenkorn, das wir essen, eine Seele. Der Sikh-Heilige Guru Nanak sagte: „Jedes Korn, das dein Auge sieht, hält eine göttliche Seele gefangen.“ Und der persische Mystiker Maulana Rumi erklärte: „Dem grünen Grase gleich ward ich geboren viele Male, siebenhundertsiebzig Leben habe ich gesehen.“ Aber es besteht ein gradueller Unterschied in der Entwicklung des Bewusstseins und des Gefühls. Die Größe der Schuld richtet sich nach der Schmerzempfindlichkeit der Wesen, die wir essen.
Soll ich es noch klarer machen? Hören Sie zu! Es gibt fünf Schöpfungsklassen oder fünf Arten von Lebewesen in der Welt, gemäß der Zahl und Menge der Elemente (tattwas), aus denen sie bestehen:
Eine Frucht zu pflücken oder eine Mohrrübe zu essen ist eine weit geringere Sünde, als eine Ratte oder einen Hasen zu töten. Schon die alten Seher der Veden (rishis) erkannten, dass die Welt so eingerichtet ist, dass Leben sich nur durch Leben erhalten kann und dass Töten eine Kapitalsünde ist. Darum betrachteten sie es als das Beste, nur Dinge zu essen, deren Verzehr das geringste Leid und den geringsten Schmerz verursacht. So entschieden sie sich für Pflanzenkost. In Gemüsen und Früchten ist der Gefühlssinn völlig inaktiv. Sie jammern und klagen nicht wie die anderen Lebewesen.
Die Heiligen sagen: „Iss nur solche Nahrung, welche die geringste karmische Schuld mit sich bringt; sieh außer dem zu, dass du dieser Welt entkommst, in der du nicht leben kannst, ohne ständig anderes Leben zu zerstören, und die auch nicht deine wahre Heimat ist.“
Aber verhelfen wir nicht den Tieren, deren Fleisch wir essen, bei ihrer Entwicklung zu einer höheren Art?
Wenn Sie ein Tier töten und sein Fleisch essen, haben Sie es nur mit seinem Körper zu tun. Über seine Seele können Sie nicht verfügen. Der Geist muss sich entwickeln, nicht aber der Körper. Haben Sie etwa auch nur die geringste Macht über das Schicksal der Seele eines Tieres, dessen Körper Sie gegessen haben? Sein Schicksal liegt in den Händen einer anderen Macht, und diese entscheidet, wohin diese Seele im nächsten Leben zu gehen hat.