Vor gut 35 Jahren wurde die Begegnung mit dem legendären Jesuitenpater und Zen-Meister Hugo Makibi Enomiya-Lassalle SJ (1898- 1990) zu einem entscheidenden Wendepunkt im Leben des katholischen Gemeindepfarrers Karl Obermayer .
„Ich hatte schon einige Zeit Zazen geübt und am Tag davor wieder Pater Lassalle erlebt, der gerade 3 Tage in Wien war“, erinnert sich Karl Obermayer, heute selbst Zen-Meister, an den 15. November 1973. „Am Ende meines morgendlichen Sitzens war mir plötzlich klar, dass dies mein Weg ist. Dann im Gespräch mit Pater Lassalle nahm ich mir den Mut, ihn zu fragen, ob er nicht einmal einen längeren, intensiven Kurs in Wien geben könnte, wie er es schon in Deutschland an mehreren Orten angeboten hatte. Inzwischen kenne ich etliche Leute, vor allem aus meiner damaligen Pfarrei, die sich dafür interessieren würden, und bislang gibt es bei uns nur ein Zen-Angebot im buddhistischen Rahmen. Er griff den Gedanken wohlwollend auf und sagte, ich solle interessierte Leute einmal in die Übung einführen. Er erwähnte auch, dass er gerade von Japan komme und ihm sein Meister die Erlaubnis gab, Leute, die er für geeignet halte, eine Lehrbefugnis zu erteilen.
Noch im November 1973 lud ich zu einem ersten Einführungskurs ein, an dem etwa 12 Menschen, vorwiegend aus meiner Pfarre, teilnahmen. Von da an ging es ohne Unterbrechung bis heute weiter. Ich besuchte in den Folgejahren 1974-75 weitere Sesshin bei Pater Lassalle, und er kam dann 1976, sein Versprechen einlösend, in der Karwoche nach St. Gabriel. Inzwischen lernte ich auf seine Empfehlung hin auch Professor Nagaya kennen, der im August 1976 ebenfalls in St. Gabriel ein erstes Sesshin bei uns hielt. Es gelang mir, Pater Lassalle noch einmal, und zwar 1981, für ein Sesshin in Wien zu gewinnen. Er hielt zu dieser Zeit vor allem Sesshin im bayerischen Franziskanerkloster Dietfurt/Altmühltal und meinte, es sei für Leute aus Österreich nicht so weit, um dahin zu kommen.
Dafür kam Professor Nagaya 10 Jahre lang jedes Jahr zu uns und hielt meist zwei Sesshin. Er wurde somit mein „eigentlicher“ Meister, obwohl ich auch bei Viallet war und Seki Yuho einige Male in Wien hatte. Tetsuo Nagaya ist 1993 mit 98 Jahren gestorben. Er hat mir schließlich, als er nicht mehr kam, den Auftrag gegeben, in seinem Sinne weiterzuwirken.“
Die letzte Wirklichkeit ist immer etwas, was im Menschen selbst gegenwärtig ist, nicht irgendwo außerhalb seiner selbst.
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