Gestorben: Carl Friedrich von Weizsäcker (1912 – 2007)

Mai 2007

Am 28. April starb der Physiker, Philosoph und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker, Bruder von Altpräsident Richard von Weizsäcker, in seinem Haus am Starnberger See. Am 28. Juni 2007 wäre der in Kiel geborene Diplomatensohn 95 Jahre alt geworden. Er gilt als einer der großen deutschen Universalgelehrten des 20. Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehörten die Physiker Werner Heisenberg und Niels Bohr. Er war maßgeblich an der Entwicklung der Atombombe beteiligt, deren Bau in Nazi-Deutschland „dank göttlicher Gnade“ (v. Weizsäcker) nicht zustande kam. Ab 1946 leitete er die Abteilung des Max-Planck-Instituts für Physik in Göttingen, in den 50er Jahren setzte er sich für einen Verzicht auf Atomwaffen in Deutschland ein. 1957 wurde er auf einen Lehrstuhl für Philosophie in Hamburg berufen. Die Begegnung mit dem indischen Pandit Gopi Krishna führte in den 70er Jahren zur Gründung der „Forschungsgesellschaft für westliche Wissenschaft und östliche Weisheit“.

Bis 1980 leitete er zusammen mit Jürgen Habermas das in Starnberg angesiedelte „Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt“. Geforscht wurde interdisziplinär zu Problemen der Verteidigungspolitik, Weltwirtschaft, Soziologie und Umwelt. In den Zeiten der Ost-West-Konfrontation wurde die Kriegsverhütung zu seinem zentralen Engagement. Auf seine Initiative hin kam auch das erste Treffen der Weltreligionen unter der Leitung von Papst Johannes Paul II. im Oktober 1986 in Assisi zustande. In seinem Buch „Der Garten des Menschlichen“ beschreibt von Weizsäcker eine tiefe mystische Erfahrung im Ashram von Ramana Maharshi in Tiruvannamalai, Indien: „Als ich die Schuhe ausgezogen hatte und im Ashram vor das Grab des Maharshi trat, wusste ich im Blitz: Ja, das ist es. Eigentlich waren schon alle Fragen beantwortet. Das Wissen war da, und in einer halben Stunde war alles geschehen. Ich nahm die Umwelt noch wahr, den harten Sitz, die surrenden Moskitos, das Licht auf den Steinen. Aber im Flug waren die Schichten, die Zwiebelschalen durchstoßen, die durch Worte nur anzudeuten sind: Du – Ich – Ja. Tränen der Seligkeit. Seligkeit ohne Tränen.“

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