GESUNDHEIT: Angst vor falscher Ernährung
Stärker als in den Nachbarländern grassiert in Deutschland die Angst vor falscher, ungesunder Ernährung und schädlichen Lebensmitteln. „Obwohl Essen und Ernährung für die Menschen in den westlichen Industrieländern noch nie so gesichert waren wie heute, steigt die Unsicherheit, ob die Nahrung zuträglich ist“ meint die Ernährungswissenschaftlerin Eva Barlösius. Der Kölner Psychiater und Theologe Manfred Lütz spricht von einem Gesundheitswahn, der schon fast religiöse Züge angenommen habe. Mit jedem Bissen ein schlechtes Gewissen. Als ein Beispiel führt der Ernährungspsychologe Volker Pudel den viel geschmähten Süßhunger an: „Er ist das größte deutsche Essproblem, weil fast alle glauben, dass man von Zucker dick wird.“ Doch Zucker wird als Energieträger im Körper verbrannt. Erst bei einer großen Menge, etwa einem Pfund täglich, werden die Kohlehydrate in Fett umgewandelt. Tatsächlich ist Übergewichtigkeit weltweit ebenso ein Problem wie die Unterernährung. Doch auch die übermäßige Sorge um Gesundheit kann krank machen, wie schon der Philosoph Platon vor 2.500 Jahren feststellte. Wir sollten unser Essen einfach mehr genießen und uns weniger Gedanken um die richtige Ernährung machen.
Quelle / Info: Spiegel Nr. 25/05, S. 70-82

