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Das Geschäft mit dem grünen Lifestyle 

Den Regenwald retten mit dem Kauf von Bierkästen, umsteigen auf Ökostrom, umweltfreundlich fliegen, Bio statt Massenware, fair gehandelter Kaffee und individuelle grüne Mode als Alternative zum Kleid von der Stange: Die Möglichkeiten, bewusst, nachhaltig und mit einem vermeintlich guten Gewissen zu konsumieren, waren noch nie so vielfältig wie heute. Gleichzeitig war es auch noch nie so leicht, dem Etikettenschwindel aufzusitzen. Denn nicht immer ist das drin, was draufsteht, und globale Multiplayer haben längst das große Geschäft mit dem grünen Lebensstil erkannt.

 Mit der 68er Generation wurde erstmals Konsum- und Kapitalismuskritik in einem größeren Kontext formuliert. Die friedens- und umweltbewegten 70er und 80er Jahre brachten nach dem oft als naiv wahrgenommenen Hippietum Aktivisten hervor, die das gängige Konsummodell rundweg ablehnten, schrumpeliges Obst und Gemüse in Jutebeuteln nach Hause trugen und laut den verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen der Erde und die Zerstörung der Umwelt anprangerten. Doch die Ökos und Müslis von einst mit ihren Latzhosen und „Atomkraft? Nein danke!“-Stickern sind mittlerweile keine skeptisch bis amüsiert beäugte Minderheit mehr, die dem konsumorientierten Yuppie ein schlechtes Gewissen machen will. Sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Heute gilt es als trendy, Bio-Produkte zu kaufen, auf Energiesparlampen umzustellen, Ökostrom zu beziehen oder grüne Mode zu tragen.

Das schrumpelige Obst und Gemüse von einst findet sich heute jedoch kaum noch in den Auslagen der großen Biomarkt-Ketten. Und „die Pioniere der Ökobewegung machen nur noch einen kleinen Anteil der Käuferschicht von Bio-Lebensmitteln aus“, stellte Stefan Kreutzberger bei der Recherche für sein Buch Die Öko-Lüge fest. „Mittlerweile richtet sich die Bio-Branche nach den Bedürfnissen der so genannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) aus, einer kritischen und kaufkräftigen neuen Zielgruppe, die sich nachhaltig und gesund ernähren will und dabei auf gewohnten Luxus nicht verzichten möchte.“ Diesem Anspruch kommt die Bio-Branche nach, was sich auch in der Präsentation der Ware in den Bio-Supermarktketten widerspiegelt.

Bewusst leben, Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, Fairness oder umweltund klimaschonend: Das sind die Kriterien für einen neuen trendigen Lebensstil, der längst global operierende Konzerne auf den Plan gerufen hat, die mit Öko und Bio ihre Umsätze steigern wollen.

Buchtipp: Kirsten Brodde, Saubere Sachen: Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt

 Claudia Hötzendorfer

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