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Visionen

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Wenn der Mensch zur Marke wird und die Seele verkümmert

Uns besser, größer, einflussreicher und somit auch machtvoller darzustellen, als wir in Wirklichkeit sind, liegt in der Natur des Menschen. Bedingt durch den Trend der medialen Selbstinszenierung, die vorherrschende Sozialisierung und einen weltzugewandten Geist erfährt das Thema der perfekten Eigendarstellung gerade Hochkonjunktur. Auf diese Gesinnung trifft man im Beruf, im Sport, in der Politik, in esoterischen, aber auch in geistlichen Kreisen.

Die „Meister der Inszenierung“ sind heutzutage vor allem in den sozialen Plattformen des Internets anzutreffen und sind somit für jedermann sichtbar. Dort fallen sie uns auf, wenn sie immer häufiger anonym und unaufgefordert z.B. ihre Häme über ein Opfer ausgießen. Wie die mediale Inszenierung sich auf den Menschen und sein soziales Verhalten auf lange Sicht auswirken wird, kann niemand vorhersagen, aber eines können wir jetzt schon erkennen: Nie war es so einfach und gleichzeitig so verführerisch, sich selbst neu zu erfinden und in Szene zu setzen, andere zu täuschen oder zu betrügen. Im Vergleich dazu erscheint das Schummeln mit Modelabels des 20. Jahrhunderts ein kindlicher, fast kindischer Akt der Selbstinszenierung.

Qualitäten wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Integrität werden nur mäßig von der Gesellschaft gefördert, selten werden diejenigen, die es sind, am Ende dafür belohnt. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der menschliche Werte wie Mitgefühl, Fürsorge, Zusammengehörigkeit und Verbindlichkeit nicht nur Worte sind, dann liegt es an uns, genau hinzuschauen, was wir in unsere Gemeinschaft hineingeben. Denn eines steht jetzt schon fest: Was wir geben, kommt irgendwann ganz gewiss wieder auf uns zurück.

Mein Kind, es sind allhier die Dinge, gleichviel, ob große, ob geringe, im Wesentlichen so verpackt, dass man sie nicht wie Nüsse knackt. Wie wolltest du dich unterwinden, kurzweg die Menschen zu ergründen. Du kennst sie nur von außenwärts. Du siehst die Weste, nicht das Herz. (Wilhelm Busch)

Regina Bönsel

FOTO: Thinkstock

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