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Erhellungen zu „Das jüngste Gericht“

Wie kommt das jüngste Gericht zu seinem Namen? Wie läuft es im Einzelnen ab? Wer richtet wen und wie? Schlüsselwörter zum Thema enthüllen tiefer gehende Zusammenhänge.

Der „jüngste“ Tag. Was „jung“ ist, hat kaum Vergangenheit. Die Zeitbestimmung „jüngst“ („vor kurzer Zeit, soeben“) beschreibt eine große Nähe zur Gegenwart. Verkürzt man diese Spanne im Zeitraffertempo fortlaufend weiter, „verjüngt sie sich“, bis sie vollends mit dem gegenwärtigen Moment in eins fällt. Absolut verstanden, ist „jüngst“ also „jetzt“.

Gott ist ein Gott der Gegenwart“, sagt Meister Eckhart, „und wie er dich findet, so nimmt dich.“ Auch Jesus befindet über die Seelen „Lebenden“ so, wie er sie im Augenblick vorfindet: Die ersten Jünger folgen ihm auf bloßen hin (vgl. Mt 4,18-22); die Samariterin am Brunnen braucht erst ein klärendes Gespräch (vgl. Jh 4,7-andere, die noch nicht bereit sind, werden zurückgewiesen wie der reiche Jüngling (vgl. Mt 19,16-22)

Das „jüngste / letzte Gericht“. Das „jüngste Gericht“ heißt auch das „letzte Gericht“. Das Letzte kann aber auch das Allerneueste sein (vgl. „der letzte Schrei“) und hat dann ebenfalls keine Vergangenheit. Beide Wendungen bedeuten mithin: „Jetzt ist das Gericht...“ (Jh 12,31).

Das „jüngste Gericht“ tagt überdies jeden Augenblick in jeder einzelnen Seele, denn unser höheres Bewusstsein weiß in Form unseres Gewissens immer zeitgleich, was wir jetzt gerade tun, denken und reden, auch wenn wir dessen nicht gewahr sind, und zeichnet es unfehlbar in unserem „Lebensbuch“ (s. u.) auf.

Doris Radke

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