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Christof Spitz erläutert Grundgedanken der buddhistischen Ethik

Er war 13 Jahre buddhistischer Mönch und hat viele Schriften aus dem Tibetischen ins Deutsche übersetzt. Christof Spitz, Dolmetscher des Dalai Lama und Initiator des Netzwerks „Ethik heute“, vertritt im Gespräch mit Christian Salvesen eine Ethik ohne Religion.

Herr Spitz, es wird heute oft von einem Werteverfall gesprochen. Sehen Sie das auch so? Falls ja, worin zeigt sich das? Und was könnte dagegen getan werden?

Mit dem Wort Werteverfall kann ich nicht viel anfangen. Ich kann in jeder vergangenen Epoche einen Mangel an Werten feststellen. Denken wir nur an die Kriege und totalitären Regime des 20. Jahrhunderts oder an den Kolonialismus. Es gibt zu jeder Zeit einen Bedarf an Werten, und jede Generation hat erneut die Aufgabe, die Werte für sich zu entdecken und zu fördern. Ich glaube nicht, dass es in der Entwicklung einen Punkt gibt, an dem eine Gesellschaft sagen kann: Jetzt haben wir alle Werte beisammen und die werden auch nicht mehr verfallen.

 

Generell sind unsere Werte von Freiheit und Demokratie bestimmt vom Zeitalter der Aufklärung. Wir haben heute in unserer Gesellschaft sehr viele Möglichkeiten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dieses Potential ist in sich schon ein Wert. Ob und wie wir das wahrnehmen, wertschätzen und umsetzen, ist eine andere Frage.

 

Ich würde eher von einem Mangel an Orientierung sprechen. Wir wissen vielfach nicht, woher wir die Werte beziehen. Wir sind stark nach außen gerichtet. In der gesellschaftlichen Diskussion geht es viel um wirtschaftliches Wachstum und nicht im gleichen Umfang um die eigene, innere Entwicklung. Unseren Fokus darauf zu richten, etwa in der Bildung, ist unsere eigene Aufgabe.

 

Ich denke, es ist möglich und nötig, im Dialog und Austausch mit der Gemeinschaft unsere ureigenen Werte zu entdecken. Die Bedürfnisse, die wir als Menschen haben und was uns als Menschen auszeichnet und für unser Leben in der Gemeinschaft nötig ist – Mitgefühl, Zuneigung, sich auf einander verlassen können, vertrauen können –, all diese Dinge sind ja da, sonst hätten wir gar nicht aufwachsen können. Es geht darum, in unserer komplexen Welt diese Werte zu entdecken und Strukturen zu schaffen, wie wir sie leben können.

 

„Mögen alle Wesen glücklich sein!“ (Buddhistisches Gebet)

Christian Salvesen

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