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Aus ayurvedischer Sicht besteht die Ursache von Erschöpfung und Energielosigkeit in einem Ungleichgewicht der drei  Lebensenergien. Die Ayurveda-Therapeutin Balvinder Sidhu beschreibt in ihrem neuesten Buch die typgerechten  Lösungsansätze des Ayurveda für Müdigkeit und Kraftlosigkei

Freude, Leichtigkeit und Energie

balvinder sidhuMenschen, die sich dauernd energielos fühlen, sind aus schulmedizinischer Sicht oft völlig gesund. Burnout wird von der Weltgesund-heitsorganisation nach wie vor nicht als Krankheit anerkannt. Tatsachlich können nur mit einem ganzheitlichen Ansatz, der die drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit einbezieht, die verschiedenen Ursachen der chronischen Müdigkeit – wie Stress, Ängste, Überreizung, falsche Ernährung und fehlende Entspannung – erfasst werden. Ein solches ganzheitliches Konzept bietet Ayurveda, eine der ältesten Heilslehren der Welt.
Gemäß den Veden ist der Mensch ein Teil der Natur und besteht wie sie aus den Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. In unserem Körper spiegeln sich die fünf Elemente als die drei Lebensenergien, die Doshas: Vata, Pitta und Kapha. Eine Krankheit signalisiert, dass die Doshas und die Elemente der Umwelt nicht mehr im Einklang sind. Mittels Pulsdiagnostik und anderer Verfahren wird die Energieverteilung bestimmt und mit verschiedenen Methoden wieder ins Gleichgewicht gebracht. Es genügen manchmal schon minimale Änderungen in den Lebensgewohnheiten, um die Harmonie wiederherzustellen.

Die Doshas beruhigen

yoga uebung01Chronische Müdigkeit ist aus ayurvedischer Sicht eine zu starke Dominanz der Energien Vata und Pitta, was sich in starker Unruhe, Überreizung der Sinne und Hyperaktivität zeigt. Aus der Verteilung der Doshas lässt sich auch schließen, dass manche Menschen anfälliger für die völlige Überlastung und Überanstrengung sind als andere. Häufig berichten betroffene Menschen von starken Sorgen und Ängsten, Gedankenkarussellen, die sie nicht stoppen können.  Jede der Lebensenergien hat verschiedene Funktionen in unserem Organismus. Die individuelle Verteilung von Vata, Pitta und Kapha prägt das äußere Erscheinungsbild, die Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel, die Anfälligkeit für Krankheiten und mentale Eigenschaften.  Die individuelle Dosha-Konstitution ist, genau wie das ganze Leben, dynamisch. Das heißt, in bestimmten Lebensabschnitten, in den Jahreszeiten oder in starken Stressphasen verändern sich die Lebensenergien. Ziel jeder ayurvedischen Therapie ist es dann, die ideale Dosha-Konstitution unter Berücksichtigung Ihrer Lebensumstände wiederherzustellen.  So ist etwa die Kindheit stark Kapha dominiert, sie ist die Zeit des Wachstums, der Zunahme. Pitta steht für das Prinzip der Umwandlung und prägt unser Erwachsenenleben. Die Lebensenergie Vata verkörpert den Katabolismus, das abbauende Prinzip, und dominiert das Alter ab etwa 60 Jahren. Menschen mit einer starken Vata-Energie müssen daher im Alter besonders auf sich achten, da sich diese Energie dann nochmals erhöht.   

Vata, Pitta und Kakpha prägen

 Vata ist fur die Sinnesorgane, die Bewegungsabläufe im Körper, das ge- samte Nervensystem und die Aktivität des Geistes zuständig. Es befördert die Nahrung im Körper, trennt die Nährstoffe von Abfallprodukten und regelt den Atemkreislauf. Vata erhöht sich im Herbst und im Frühjahr sowie zwischen 2 Uhr nachts und 6 Uhr früh und am Nachmittag zwischen 14 und 18 Uhr. Vata-dominierte Menschen sind enthusiastisch, sehr einfallsreich und können sich hervorragend artikulieren. Sie handeln rasch und sind sehr empfindsam. Die Vata-Elemente Luft und Äther stehen für Feinstoff lichkeit und Beweglichkeit.  Optisch sind Vata-Menschen oft klein und zierlich, sie haben feine, lange Glieder, der Knochenbau ist leicht. Die Augen sind klein und rege, die Lippen sind schmal, oft haben sie dünne, aber viele Haare. Wer von der Vata-Energie dominiert wird, friert leicht und hat meist trockene, kalte Haut.   

Auf das Gleichgewicht achten

yoga uebung02An den Vata-Eigenschaften lässt sich gut zeigen, dass die vermeintlichen Stärken  und  Schwächen  nichts  anderes sind, als die extremen Ausformungen einer Grundanlage. Ein Vata-dominierter Typ ist durch die Elemente Luft und Äther sehr phantasievoll. Wenn er in der richtigen Stelle eines Unternehmens – etwa in der Werbeabteilung – eingesetzt wird und einige Regeln in der Lebensführung verfolgt, kann er ein genialer Ideengeber sein. Zu viel Vata aber kann ihn zum ziellosen Luftikus machen, der alles anfängt und niemals etwas zu Ende führt. Ohne  Strukturen verliert sich dieser Typus und ist stark stressanfällig. In der Folge dieses Ungleichgewichts gibt er mehr Energie nach außen ab, als er zu sich nimmt. Er ist dann irgendwann vollkommen ausgepowert und erschöpft. Für Vata-Typen ist es besonders wichtig, dass sie lernen, zu entschleunigen. Wenn bei Ihnen die Vata-Energie dominiert, dann sind Sie wahrscheinlich sehr viel in Bewegung. Das gilt nicht nur für Ihren Körper, sondern auch für Ihren Geist, durch den wahrscheinlich viele Gedanken  jagen. 
Schließlich steht die Vata-Energie für Bewegung und Fluss. Vata-Typen sind unglaublich kreativ und schnell in ihrer Auffassungsgabe und können sehr schnell Kontakte knüpfen. Sie vergessen bei aller Umtriebigkeit gerne mal das Essen und Schlafen.  Stress verstärkt grundsätzlich das Vata- und Pitta-Dosha. Dies kann sich zunächst als leistungssteigernder Impuls sehr positiv bemerkbar machen.  Man  fühlt  sich  vielleicht  wie  „unter Strom“ und könnte Bäume ausreißen. Erst wenn der Stress zum Dauerzustand wird, werden Vata und Pitta überreizt. Menschen mit Vata- Konstitution sind hier besonders gefährdet. Sie geraten immer mehr in die Bewegung, was dazu führen kann, dass es ihnen sprichwörtlich den Boden unter den Füßen wegzieht. Als Vata-Typ sollten Sie mit Ihrer Energie gut haushalten, schon kleine Unregelmäßigkeiten in Ihrem Leben können Ihr Dosha überreizen.  Stabilität, Erdung und Reduzierung sind für Sie sehr wichtig. Achten Sie daher auf regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, genießen Sie vorzugsweise warme Mahlzeiten und Getränke, pflegen Sie stabile Freundschaften und vermeiden Sie zu viele äußere Reize.     

Die in Indien geborene Autorin Balvinder Sidhu wuchs in einer ayurvedisch geprägten  Sikh-Familie auf.             

ayurveda buch cover

Auszug aus:  Balvinder Sidhu: Energiequelle Ayurveda
Indisches Heilwissen bei Erschöpfung,
Stress und Burnout (Mankau Verlag, 2015)

FOTO: Thinkstock

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