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Cirque du Soleil: Varekai

Er ist der berühmteste „Neue Zirkus“ der Welt: Im Herbst will uns der 1984 von Guy Laliberté in Quebec gegründete „Zirkus der Sonne“ mit einem neuen Märchen, das Poesie mit Akrobatik verbindet, verzaubern.

Die magische Kraft der Poesie

„Varekai“ heißt die Show, der Cirque du Soleil von Anfang Oktober 2015 bis Februar 2016 in verschiedenen deutschen Großstädten präsentiert. Seit  Gründung des Zirkus 1984 sind 26 verschiedene Shows entstanden. Die meisten werden seit vielen Jahren weltweit immer wieder aufgeführt, einige an festen  Plätzen wie dem Hotel MGM Grand in Las Vegas, andere – wie Varekai – an ganz verschiedenen Orten wie Taipeh (Taiwan), Tokio, Los Angeles oder, wie nun  im Oktober, in Berlin. In allen Shows wird eine wohldurchdachte Mischung aus atemberaubender Akrobatik, Livemusik, Tanz, Clownseinlagen und einer  fantastischen Story mit entsprechenden Kostümen, Bühnenbild und Lichtshow präsentiert. Im Unterschied zum traditionellen Zirkus treten keine Tiere auf. Es  gibt weder Dompteure noch Dressurreiter. Die Manege ist nicht voller Sägespäne, sondern meist so glatt poliert, dass die Akrobaten und Tänzer auf ihr hin  und her gleiten können wie auf einer Eisbahn.

Von Anfang an sollte der „Zirkus der Sonne“ Straßentheater, Artistik, Musik, Phantasie und verschiedene Kulturen in einer bis dato völlig neuen Art von Show  zusammenbringen. Der Begründer, Guy Laliberté, 1959 in Québec City geboren, trat Anfang der 80er Jahre als Akkordeonspieler, Stelzenkünstler und  Feuerschlucker auf. Mit den Straßenkünstlern, die großen Erfolg beim Festival Fête Foraine de Baie-Saint-Paul in der kanadischen Provinz Quebec (zur 450  Jahrfeier Kanadas) hatten, gründete  er am 16. Juni 1984 den Cirque du Soleil. Seitdem kreiert er als künstlerischer Leiter mit einem stets wachsenden Stab von Profis die Shows mit ihrem besonderen Markenzeichen, welches Zirkusakrobatik zu einer anerkannten Kunstdisziplin machte.

Akrobatik mit Poesie verwoben

Die Zahl der beteiligten Künstler ist von 73 auf heute 1300 gewachsen. Insgesamt hat der Cirque du Soleil über 5000 Mitarbeiter, davon sind 1500 in der  Zentrale in Montreal tätig – und das in gut hundert verschiedenen Berufen. Unentwegt sind die Spitzenkräfte als Scouts unterwegs, um auf großen  Sportwettbewerben geeignete  Artisten zu finden, die dann eigens im Trainingslager ausgebildet werden. Eine artistische Darbietung etwa in der Luft am Seil  oder Trapez erfordert in der Regel 12-18 Monate Vorbereitung. Hier sind – wie etliche preisgekrönte Filmdokumente überzeugend demonstrieren die weltbesten Akrobaten mit Leib und Seele dabei. Leider kann es trotz enormer Vorsichtsmaßnahmen und starker Teamarbeit vor allem bei der gefährlichen Luftakrobatik zu Unfällen kommen. Im Juni 2012 stürzte die 31-jährige Akrobatin Sarah Guyard-Guillot bei der Show „Ka“ im Hotel MGM Grand in Las Vegas  5 Meter tief in den Tod, weil sich das Sicherheitsseil gelöst hatte. Im November 2012 verunglückte Delgado Junior im „Todesrad“ und musste am Bein operiert werden.

Aber: Die Erfolgsgeschichte von Cirque du Soleil ist  unglaublich. Nach den ersten zwei Jahren mit Touren in ganz Kanada gelang 1987 mit dem 3. Programm  „We Reinvent The Circus“ („Wir erfinden den Zirkus neu“) der Durchbruch in den USA, 1990 auch in Paris und London. Weitere Shows wie Nouvelle  Experience, Fascination, Mýstere, Saltimbanco und Alegria wurden in den 90er Jahren zunächst in Montreal uraufgeführt und begeisterten anschließend  Millionen von Menschen in Tokio, Europa, den USA (speziell Las Vegas), Südamerika, Australien. Einige Shows wie „Alegria“ waren auch als Film erfolgreich, eine TV-Serie zeigte den Zirkus in Kanada  und den USA, immer neue Shows sorgten für Furore. Das 25-jährige Jubiläum feierte der Cirque 2009 mit der 25. Tour „OVO“ in Montréal. Er war der Eröffnungsakt des Finales des Eurovision Song Contest 2009 in Moskau.

Bei dieser (noch stark verkürzten) Liste sensationeller Erfolge wundert es kaum, dass der Begründer und künstlerische Leiter des Cirque du Soleil, Guy  Laliberté, mit Auszeichnungen und Orden geradezu überhäuft wurde. Der Mann ist zweifellos ein Visionär, der nicht nur seinen Zirkus im Blick hat. 2007  gründete er die „One Drop“-Stiftung, die dazu beitragen soll, dass auch die ärmsten Menschen auf der Erde genügend sauberes Wasser bekommen. Schon bei  der Gründung des Cirque vertrat Guy die Überzeugung, dass man im Leben das bekommt, was man selbst gegeben hat, und dass selbst die kleinste Geste eine  positive Veränderung bewirken kann. 2009 besuchte er als erster kanadischer Tourist den Weltraum und nutzt das zu einer „poetisch-sozialen Mission“, um in  iner 120 minütigen online Show weltweit auf das Wasserproblem aufmerksam zu machen.

Sauberformel für das Einzigartige

Doch kehren wir zurück zu „Varekai“, das der Sprache der Roma entnommen ist und „Wohin auch immer“ bzw. „egal wo“ bedeutet. Die Show wurde seit 2002  über 4000mal in unterschiedlichen Varianten und Besetzungen aufgeführt. Sie greift den Mythos von Ikarus auf, der beim Versuch zu fliegen vom Himmel  stürzt. So heißt es im Trailer zu Vareika 2015 und auf der offiziellen Webseite: „Vom Himmel herab schwebt ein einsamer junger Mann und die Story beginnt.  In einer kaleidoskopartigen Welt begegnet er wundersamen Gestalten und erlebt Absurdes und Außergewöhnliches. Am Rande der Zeit und an diesem Ort unbegrenzter Möglichkeiten führen alle Wege zu Varekai, der Zauberformel für das Einzigartige.“ Im Zentrum des Geschehens stehen allerdings die 14 atemberaubenden Akrobatik-Performances in der Luft und am Boden zur mitreißenden Musik, arrangiert von Nitin Sawhney, der bereits mit Paul Mc Cartney und Sting zusammengearbeit hat. Darin liegt wohl der Schlüssel des Erfolgs und der spirituelle Kern von Cirque du Soleil: Die 100-prozentige Konzentration auf den Moment transzendiert Zeit und Raum. Der Sog in diese Dimension ist für den Zuschauer unwiderstehlich.

www.cirquedusoleil.com
(Varekai by Cirque du Soleil - Official Trailer)

Getting into Cirque Du Soleil [Audition Documentary]

Christian Salvesen

FOTO: Cirque du Soleil PR

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