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Traumarbeit

Die Botschaften der Seele nutzt das malaysische Volk der Senoi seit Jahrhunderten für sich. Täglich widmen sie sich ihren Träumen und werten sie aus. Auch dem Synergetischen Heilen liegt die Traumarbeit zugrunde.

Im 100 Millionen Jahre alten Dschungel Malaysias wohnen etwa 32.000 Menschen des Volkes der Senoi. In der üppigen Tierund Pflanzenwelt des Dschungels wenden sie täglich nur etwa zwei Stunden für ihren Lebensunterhalt auf. Sie fischen, jagen mit Blasrohr, pflanzen Reis, Mais, Hirse und Gewürze an. Das Weltbild der Senoi ist vom Animismus geprägt, einer Vorstellung, in der alles – Tiere, Pflanzen, Menschen und Naturgewalten – von einem „spirit“ belebt ist und alles in Beziehung zueinander steht.

Seit rund 300 Jahren haben keine kriegerischen Auseinandersetzungen mit Nachbarstämmen stattgefunden. Gewaltverbrechen, aggressive oder sexuelle Übergriffe kommen nicht vor. Die mitmenschlichen Beziehungen der Senoi, deren materielle Kultur noch der Stufe der Steinzeit entspricht, haben ein Niveau, wie es der Westen nur im Bereich der Informationsverarbeitung und Nuklearphysik erreicht hat.

Die Senoi sind erstaunlich gesund, Geisteskrankheiten wurden nicht beobachtet. Schläge und andere Bestrafungen körperlicher Art sind ihnen unbekannt. „Sie zeichnen sich aus durch ein hohes Maß an psychischer Integrität und Reife des Gefühlslebens, ferner durch eine Einstellung zur Gesellschaft, die kreative, nicht destruktive, mitmenschliche Beziehungen begünstigt“, berichtet der Anthropologe Richard Noone.

Traumhafte Traumkultur

Die psychische und soziale Gesundheit der Senoi ist laut Noone zum großen Teil der Traumarbeit zu verdanken, die seit Jahrhunderten im Mittelpunkt ihrer geistigen Lebens steht. „Ich habe geträumt, dass ich am Bach in den Fischfallen nachsehen will, ob Fische gefangen sind. Es sind so viele, dass ich einen Korb mitnehmen muss. Auf dem Weg zum Bach kommt plötzlich ein Riesenskorpion auf mich zu. Ich fürchte, dass er mich sticht, und vor Schreck lasse ich den Korb fallen und renne zurück ins Dorf.“

Diesen Traum erzählt ein fünfjähriger Junge während des Frühstücks im Familienkreis. Der Vater bedankt sich bei seinem Kind, dass es den Traum mitgeteilt hat. Er antwortet: „Dein Traum geht uns alle an. Du läufst vor einem Skorpion weg, du lässt deinen Korb fallen, du hast die Fische nicht mitgenommen. Wir wollen nun sehen, welche Möglichkeiten du hast, mit der Angst fertig zu werden. Denn irgendwo wirst du dem Skorpion wieder begegnen, vielleicht in einer anderen Gestalt. Dann musst dich wieder mit ihm auseinandersetzen.“

Dialog mit der anderen Seite

In einem entspannten Zustand mit geschlossenen Augen träumt der Junge den Traum in eine Art Tagtraum um und erzählt: „Ich gehe auf dem Weg zum Bach und will Fische holen. Plötzlich sehe ich einen giftigen Riesenskorpion. Ich will weglaufen, bleibe aber stehen. Ich habe große Angst, sehe mir jedoch das Tier genau an. Ich rufe meinen älteren Bruder um Hilfe. Der zeigt mir, wie man Skorpione anfasst, so dass sie nicht stechen können. Wir nehmen das Tier mit und geben es dem Ältesten, der aus dem Gift eine Medizin macht. Dann gehen wir und holen die Fische aus dem Bach.“

Es ist für den Vater des Kindes nicht notwendig, die komplexe Mechanik eines Traumes zu kennen. Er muss nicht darüber spekulieren, welches psychische Gift seines Sohnes im Bild eines giftigen Skorpions symbolisch zum Ausdruck kommt. Ausschlaggebend ist, dass der Vater erkennt, dass dieses Gift die ganze Gemeinschaft gefährden kann. So lässt er seinen Sohn als Schöpfer des Traumes die darin enthaltenen Familienenergien ordnen und in zielführende Aktion transformieren. Dann erzählen die Erwachsenen ihre Träume und setzen später deren Botschaften in Gesänge, Tänze, Bilder und Schnitzereien um.

Die täglichen Traumbesprechungen der Senoi verfolgen das Ziel, einen Dialog mit der „anderen Seite“, die jeder Mensch in sich hat, zu führen. Sie betonen, dass ein Mensch in seinen Träumen die Möglichkeit hat, das in seiner Seele wahrzunehmen, was er sonst hinter einer Fassade versteckt hält. Für sie gilt, dass der Mensch sein tiefstes Selbst und seine größte kreative Kraft erlebt, wenn seine seelische Dynamik im Schlaf vom unmittelbaren Kontakt mit der Umwelt befreit ist.

Synergetik, Schwester des Traums

Bernd Joschko, Physik-Ingenieur und Leiter des Synergetik Instituts in Rossbach bei Gießen, begründete 1988 die Methode des Synergetischen Heilens, die auf der Traumkultur der Senoi basiert: Ausgangspunkt einer Sitzung kann ein Traum, ein psychisches oder ein körperliches Symptom sein. Nach einer Entspannungsphase gleitet der Klient in einer Art „Innenschau“ in seine innere Wirklichkeit ein. Dort kann er auf Schatzsuche schwerelos und frei umherwandern, einem Feind widerstehen, ihn sogar besiegen. Dabei wird er die inspirierende Bekanntschaft seiner Inneren Stimmen machen.

Die Wege solcher Tagtraum-Reisen sind verschlungen, manchmal gefährlich, aber immer lohnend. Das Talent einer Kurzgeschichtenschreiberin bahnt sich einen Weg in die Außenwelt, eine Angestellte entsteigt dem Mobbing-Ring am Arbeitsplatz. Eine todkranke Frau entdeckt die Hintergründe ihrer bedrohlichen Krankheit und löst ihre inneren Konflikte mit Unterstützung eines Synergetik-Profilers. Ihr Körper schaltet allmählich auf seinen Normalzustand, auf Gesundheit, um (www.brustkrebsstudie. de).

Synergetik, ein Begriff des Physikers Hermann Haken, steht dabei für ein Zusammenwirken aller Kräfte – der körperlichen wie der seelischen. In Bezug auf den Menschen lautet die Frage: Warum ist er krank oder gesund, erfolglos oder erfolgreich? Was in seiner inneren Wirklichkeit hindert ihn daran, gesund zu sein und seine Träume zu leben?

Tagträumen in einer Sitzung

Wie bei den Senoi werden alle Bilder, Vorstellungen oder Körperreaktionen des Klienten als Teil des eigenen Selbst gesehen. In einer Sitzung erhalten sie eine Stimme und werden wie reale Stimmen von realen Personen behandelt. Jetzt darf die Begleitung nicht übersehen, dass beispielsweise die dabei auftauchende Mutter der Klientin lediglich die Vorstellung von ihrer realen Mutter ist, also eine psychische Reaktion auf sie darstellt. Denn die Reaktion auf ihre reale Mutter hängt von den Anlagen und Eigenschaften der Klientin selbst ab. Ihr Mutterbild, ihre Innere Mutter, besteht also aus den Energien der realen Mutter und denen der Klientin. Ihre Mutter in der Außenwelt kann die Klientin nicht ändern. Wenn sie aber ihr Mutterbild in sich ändert, ändert sie gleichzeitig ihren eigenen Anteil am Mutterbild – sie ändert sich.

„Sich ändern – sich selbst erneuern“ ist mit Synergetischem Heilen möglich. So fragte ich eine Klientin, die in einer Sitzung die „harte Maske“ ihrer Mutter mit Zertrümmern, Sprengen, Presslufthammer, Schmelzofen kaum aufzulösen vermochte, im Anschluss an die schweißtreibende Arbeit, welche ihrer Eigenschaften sich in dieser harten Maske zeigen würde? Sie war bass erstaunt, dass diese Härte etwas mit ihr selber zu tun haben könnte. Erst als sie Verantwortung für diesen Persönlichkeitsanteil übernahm, konnte sie ihn ändern – sie änderte sich und wurde gesund.

Innere Harmonie dringt nach außen Die Innenwelt ist die Wiege des Lebens in der Außenwelt, der so genannten Realität. Das beweisen die glücklichen Senoi seit Jahrhunderten. Reisen in die Innenwelt bringen einen ans Ziel, zu sich, seinen Wün - schen, Ängsten, Verletzungen und Träumen. Sie haben das Potenzial, eine neue, menschlichere Welt zu schaffen.

Brigitte Molnar

Die Autorin
Brigitte Molnar, Jahrgang 1952, seit 1980 Gymnasiallehrerin, zwei Kinder, arbeitet als Synergetik-Therapeutin in München-Schwabing.
„… auch  Zaubern ist erlaubt.
Selbst-Heilung mit inneren Bildern“. Weitere
Info zu Angewandter Synergetik unter:
www.synergetik-molnar.de

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