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„The Sound of Spirit“ – Das Trommel-Ensemble KOKUBU aus Osaka ist im März-April 2019 erstmals auf Deutschlandtournee.

Faszinierend, abwechslungsreich, hypnotisch, andersartig, intensiv, authentisch – so werden die spektakulären Auftritte des 17-köpfigen TaikoEnsembles KOKUBU aus Osaka beschrieben. Taiko – so heißen die japanischen Röhrentrommeln, die bis zu übermannsgroß sein können und mit Holzschlägeln bespielt werden. Die Ausnahmetruppe um Shakuhachi-Meister Chiaki Toyama spannt den musikalischen Bogen zwischen den Boden zum Erbeben bringendem Akustik-Orkan, dezenter Rhythmik und dem zart-sanften Klang der Bambusflöte (Shakuhachi). Die auch für Europäer zauberhaft anmutende Musik von KOKUBU entführt das Publikum in die Geisteswelt Japans. Dem Verständnis dieser tief in alter Tradition verwurzelten Kunstfertigkeit dienen kurze poetische Texte, die jedem Stück vorangestellt sind und dessen Bedeutung erklären. Die Lieder handeln beispielsweise vom Eins-Sein von Körper und Geist, der Lebensfreude, der Natur, der Kraft der Jahreszeiten oder dem Leitsatz „Gehe vorwärts, ohne zurückzuschauen“. VISIONEN suchte das Gespräch mit Ensemble-Leiter Chiaki Toyama und fragte nach der spirituellen und kulturellen Bedeutung der japanischen Taiko-Trommelkunst.

VISIONEN:  In welcher Tradition hat die heutige Kunst des Kokubu-Ensembles ihre Wurzeln?

Toyama San: In Japan gibt es den bekannten Mythos „Ama no iwatobiraki“. Er handelt von einer Gottheit, welche tief in einer Höhle lebte. Eines Tages hörte er in seiner dunklen Höhle das Trommeln der Taiko von außen, und er empfand solche Freude über den Klang der Trommel, dass er, davon angelockt, aus seinem Unterschlupf ins Licht hervortrat. Ähnlich dieser Sage möchten wir durch unser Trommelspiel bei den Menschen, die uns hören, die Lebenskraft und den Mut ansprechen und ans Licht „hervorholen“.

Die Taiko-Trommeln haben einen sakralen, spirituellen Hintergrund – sie wurden ursprünglich in buddhistischen Tempeln geschlagen. Wird heute noch die Botschaft der spirituellen Anfänge vermittelt?

Bis zum 4. Jh. v. Chr. wurden Trommeln meist als Kommunikationsmittel über große Distanzen verwendet. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde die Trommelkunst dann aber auch in Tempel- und Schreinanlagen gleichermaßen als Huldigung von Gottheiten eingesetzt. Und im militärischen Zusammenhang gaben die Trommeln im Kriege nicht nur Signale, sondern dienten auch zur Anfeuerung der Soldaten. Die Trommelkunst ist also fest in der japanischen Kultur verankert. Auch im traditionellen Kabuki- und No-Theater kommen Taiko-Trommeln zum Einsatz. – Das Taiko-Trommeln wird deswegen als heilig betrachtet, weil die Trommel die Seele des Spielenden erfasst und wiedergibt und der Spieler wiederum durch die Art des Spielens eine Spiegelung seiner selbst im Klang findet.

Auf welche Weise kann Ihre Trommelkunst spirituelle Akzente vermitteln?

Hauptsächlich wollen wir unsere Botschaften in Form von Klängen übermitteln. Je nach Größe der Trommel, nach Rhythmus, Phrasierung, Tempo usw. erklingen unterschiedliche Töne, jedoch ist es im Wesentlichen von der seelischen Verfassung des Spielers abhängig, welche Botschaften und Impulse ausgesendet werden, die so gesehen variationsreich sind. Jeder einzelne Schlag der Trommel überträgt somit einen Teil vom Trommelnden selbst ins Publikum. Unsere Spielweise und Spieltechnik gründet in dieser Tradition, so wie jede Spieltechnik einen historischen und kulturellen Hintergrund hat.

Das Taiko-Trommeln des Kokubu-Ensembles hat als eindrucksvolle Bühnenkunst enorme Beliebtheit im Ausland gewonnen – gerade in Deutschland. Welchen Stellenwert hat es in der Heimat, also in der japanischen Gegenwart?

Ich empfinde die aktuelle Wadaiko-Bewegung in vielen Fällen als zu „showlastig“, meiner Meinung nach wird zu oft nach dem spektakulären Auftritt gestrebt. Wir möchten die reine und ursprüngliche Kunst vorstellen und basierend darauf haben wir unser Bühnenprogramm entwickelt. Besonders die Themen der einzelnen Werke wollen wir durch Klang und Performance zum Ausdruck verhelfen.

Das Trommeln hat einen Einfluss auf unseren Herzschlag, es synchronisiert unsere Gehirnwellen, und es kann unseren Bewusstseinszustand verändern. Was passiert im Geist eines Kokubu-Trommlers?

Wenn wir Taiko spielen, wollen wir frei von allen Gedanken sein, denn nur so erklingen „reine“ Töne durch unseren Geist und unsere Seele. Für uns stellt sich während des Spielens ein Hochgenuss ein.

Das Bühnenprogramm von Kokubu setzt auf den Kontrast von lauten dynamischen Trommeln und zarten, lyrischen Flötenklängen, die in den Zauber der Stille führen. Hat das einen Bezug zur Zen-Meditation?

Unsere Werke werden nicht mit dem Bezug zu Zen komponiert. Bei der Erschaffung der Werke achte ich darauf, dass das Musikstück Seele und Geist der Spieler beflügelt. Wenn wir Freude beim Spielen empfinden, so steigert dies auch die Qualität des Stückes. Natürlich haben wir auch Musikstücke, welche die Seele beruhigen sollen und einen meditativen Charakter haben.

Die Poesie der Programmtexte orientiert sich an den Klängen der Natur und legt uns ein Leben in Reinheit, Güte und Einfachheit nahe. Was bedeutet Ihnen dieses Ideal heute?

In der heutigen Zeit sind unsere Seelen oft verwirrt, die Welt dreht sich so schnell, Veränderungen treffen uns fast täglich. Ich glaube an die unveränderliche Geistigkeit eines jeden Menschen. Mein Wunsch ist es, unseren Hörern diese Botschaft durch poetische Texte in Einheit mit der Seele des Taiko-Klangs zu übermitteln.

Die Fragen stellte Inge Hasswani, wir danken Uwe Bär für seine Hilfe als Dolmetscher.

Kokubu (Osaka/Japan) – „The Sound Of Spirit“-Tour 2019 ab 21. März 2019. Karten ab € 29,- bei allen Vorverkaufs - stellen: www.miro-live.de, Tel. 0221-788022-18, www.kokubu.eu

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FOTO: gettyimages

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