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Empathie

Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung. Je offener eine Person für ihre eigenen Emotionen ist, desto besser kann sie auch Gefühle anderer deuten!

Der gute Gedanke - VISIONEN-Essay von Stefanie Ochs

Als Kind war es sehr schwer für mich Ungerechtigkeiten, also das, was ich damals dafür hielt, auszuhalten. Natürlich begann ich eine harte Schale aufzubauen, um die Dinge nicht so nah an mich heran zu lassen. Was allerdings nur sehr bedingt funktionierte, wie du dir sicherlich denken kannst. Denn es schien als fühlte ich, was im anderen vorging. Ich empfand Schmerz, wenn jemand gehänselt wurde. Vielleicht erinnerst Du dich, da ich das in einem früheren Essay zum Thema Dankbarkeit bereits erwähnte. Überhaupt liegen die Themen Dankbarkeit und Mitgefühl in vielen Bereichen ziemlich nah beieinander. Du erinnerst Dich vielleicht: wie konnte ich dankbar sein für mein Leben, bei so viel Ungerechtigkeit und Heuchelei in dieser Welt. Und so sind wir, wie es meine Art ist, schon wieder mitten drin im Thema. Und wir dürfen lernen zu unterscheiden. Auch hier. Empathie oder Mitgefühl ist nicht das Selbe wie Mitleiden.Als Empath wiederum – so bezeichne ich jemanden, der „Gefühle von seiner Umwelt aufschnappt“ oder gar übernimmt, sich dessen aber in der Regel nicht bewusst ist – leide ich mit, denn ich weiß gar nicht, dass das was ich wahrnehme gar nicht „meins“ ist. Und hier könnten wir wirklich ganz tief eintauchen und uns fragen wo Du und Ich beginnen bzw. enden!? Ich habe mich lange und sehr intensiv damit beschäftigt. Ja, beschäftigen müssen. Denn ich bin betroffen. Und lange war ich auch betroffen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und... manchmal erwischt es mich auch noch heute. Doch mittlerweile weiß ich darum und kann es gut aushalten und mich relativ schnell wieder „einnorden“ oder zu mir zurückkehren. Doch ich möchte auch nicht verheimlichen, dass es ein langer Weg für mich war. Für mich zu erkennen, dass ich diese „Wahrnehmung“ habe und nicht „spinne“ in dem Sinne, war 2003 essentiell wichtig und irgendwie lebensrettend für mich.

Denn da wurde mir bewusst, wie wichtig es für mich ist, mich zurückzuziehen und auf gesunde Weise „abzugrenzen“ und eben nicht eine harte Mauer aufzubauen, sondern offen zu bleiben und doch gelöst. Eben nicht mitzuleiden, vielmehr mitzufühlen und bei mir zu bleiben. Doch leichter gesagt und getan. Natürlich dachte ich lange, dass es jedem so gehen müsse wie mir und alle so sind, es nur (noch) nicht wissen... naja, ich bin da heute etwas gelassener. Denn gerade für jemanden, der das vielleicht nicht so in der Art kennt, ist es vielleicht schwer nachzuvollziehen, wie sich das anfühlt. Doch, das Wichtige ist, Du musst kein Empath sein, um mitzufühlen. Laut Wikipedia, bezeichnet Empathie „die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen und Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.“ Die neuere Gehirnforschung legt allerdings eine deutliche Unterscheidbarkeit von Empathie und Mitgefühl nahe. Grundlage der Empathie sei die Selbstwahrnehmung – je offener eine Person für ihre eigenen Emotionen ist, desto besser kann sie auch Gefühle anderer deuten! Ohne das „beweisen“ zu wollen, möchte ich es gerne bestätigen. Denn es entspricht meiner persönlichen Erfahrung, nicht zuletzt in der Arbeit mit meinen Klienten.

Selbstwahrnehmung ist ein extrem wichtiger Aspekt in der Arbeit mit einem Gegenüber, doch nicht alles. Ich „muss“ (als Therapeut) unterscheiden lernen und können, ob es sich um eine Fremd-Wahrnehmung (also Empathie) oder durch den anderen bei mir „angetriggerte“ SelbstWahrnehmung handelt, denn dann vermischen sich Selbst-Mitleid und Mitgefühl für den anderen.

Ich durfte lernen, mich nicht vor dem Leben zu verschließen, sondern sein Geschenk an mich anzunehmen und die Gabe der Empathie zu verfeinern und etwas „Gutes“ damit zu machen. Denn vielleicht können wir manche Dinge nicht verändern, doch wir können entscheiden, WIE wir auf diese Dinge schauen wollen, wie wir mit ihnen umgehen und wie wir sie bewerten. Und das mag einen großen Unterschied machen. Wir haben stets eine Wahl und wir sollten diese Tatsache für uns nutzen! Denn es dient uns als Menschheit. Empathie löst die Trennung auf und verbindet. Eines durfte ich gewiss erkennen, und ich schreibe das, weil ich denke, dass es vielen „Empathen“ ähnlich geht, es ist auch keine Lösung das Leben zu vermeiden. Nimm es an und nimm es zu dir. Nimm dir aber auch Zeit, dich zurückzuziehen, aufzutanken und abzugeben, was du aufgenommen hast. Erinnere dich, nicht alles ist deins! Und falls du liebe/r LeserIn kein Empath bist, hoffe ich, dir einen kleinen Eindruck in die Welt eines Empathen gegeben haben zu können und dein Mit-Gefühl erreicht zu haben. Doch eines brauchen wir alle in dieser Zeit: Das wir in jedem Moment in der Lage sind, nicht nur anderen, sondern uns selbst Mit-Gefühl zu begegnen!

Stefanie Ochs

Über unsere Essayistin

joomla stefanie ochsDie Arbeit mit Stefanie Ochs beginnt dort, wo andere aufhören. Sie verbindet jahrelange therapeutische Erfahrung mit geerdeter Spiritualität und medizinisch- heilerischem Wissen. „Essential Healing“ zeigt dir, wie du dich ganz auf dich selbst einlässt und du erlebst, wie sich selbst aus verzweifelten Situationen Tore  öffnen und du tiefen Sinn und Erfüllung in deinem Leben fifindest. Ein besonderes Anliegen ist es, dich in deine innere und äußere Unabhängigkeit und Freiheit zu  führen. www.zarameh.de. www.essential-healing.net

FOTO: THINKSTOCK

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