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Geschenk der Trennung

Wir alle sehnen uns nach Heimat: aber tatsächlich haben die wenigsten Menschen den Prozess der Ablösung von den Eltern in ihrem Leben vollständig vollzogen.

Der gute Gedanke - VISIONEN-Essay von Stefanie Ochs

Als Menschen leben wir in der Illusion der Trennung. Ob dieses Gefühl der Trennung tatsächlich eine Illusion ist, lasse ich für den Moment mal offen, denn natürlich ist sie auch real.  Schließlich erleben wir als Menschen ständig Trennung. Unser Leben beginnt mit der Geburt und der „Durchtrennung“ der Nabelschnur. Dennoch bleiben wir zu Beginn 100% abhängig von der Fürsorge unserer Mutter (oder einer vergleichbaren Instanz). Für die Entwicklung unseres „Selbst“ ist es sogar enorm wichtig zu erkennen, dass wir eigenständige Wesen sind, mit  eigenen Gedanken, Ideen, Werten und Gefühlen. Ich weiß noch genau, wie ich vor rund 20 Jahren heulend bei meinem damaligen Psychotherapeuten saß, mit dem Gefühl gar kein eigenes  Selbst entwickelt zu haben und gar nicht zu wissen, wer oder was ich eigentlich bin, was ganz persönlich „mir“, ohne den Einfluss anderer, wirklich wichtig ist. Gleichzeitig fühlte ich mich in  einer Familie heimatlos.  Es war ein sehr tiefer Schmerz mit dem ich damals in Berührung kam und seitdem habe ich mich mit diesem Thema ganz intensiv auseinandergesetzt.

Vermutlich stehst Du mitten im Leben, bist mehr oder weniger erfolgreich im Beruf, finanziell selbstständig, hast bereits eine eigene Familie, doch sobald du die Schwelle zu deinen Eltern  betrittst und egal wie alt du bist, ist da eine klare Diskrepanz zu spüren. Von jetzt auf gleich schlüpfst du in die Rolle: Kind. Vielleicht zu 80%, zu 60% oder auch nur zu 20%, da bleibt so ein  kleines, ungutes Gefühl zurück, es ihnen recht zu machen, nichts zu tun oder zu sagen, was ihnen aufstoßen oder sie in ihrer Autorität dir gegenüber erschüttern könnte. In meiner  Praxiserfahrung sind die Ursachen von vielen Symptomen, vor allem auch chronischen Verlaufsformen, konfliktgeladene Eltern-Kind-Beziehungen, die bis ins Erwachsenenalter hineinwirken. Jeder ungelöste, nicht verarbeitete Konflikt erzeugt Emotionen, die sich im Körper, bzw. im Zellbewusstsein als sogenannte „Imprints“ einprägen. Sogar über Generationen  hinweg und zu innerer Selbstzerstörung, Krankheiten, fehlendem Lebenssinn, Burn Out und Depression führen können. Tatsächlich haben die wenigsten Menschen diesen Prozess der  Ablösung der Eltern in ihrem Leben vollständig vollzogen.

Wichtig ist: das ist kein Vorwurf an die Eltern oder die Generationen vor uns, noch an uns selbst. Niemand ist daran schuld. Die Frage bleibt allerdings berechtigt, was wir damit machen  bzw. anfangen wollen, wenn wir uns dessen bewusst werden und in unserer eigenen Familienstruktur beobachten? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus, wenn wir die Verantwortung  dafür zu uns nehmen?! Wir alle sehnen uns nach Heimat. Dem Ort an dem wir uns ganz fühlen und „eins“. Wir suchen ihn an Orten, in Beziehungen, in der Sexualität, im Konsumieren  vieler schöner Dinge, um dem Gefühl der unerfüllten Bedürfnisse und inneren Heimatlosigkeit zu entf liehen, oder in Gott als eine äußere Instanz. Nachdem ich den ersten Schock meiner  damals entdeckten „Selbst-Losigkeit“ überwunden hatte, begab ich mich auf die Suche danach, was mein Selbst wohl sei und wo ich es denn finden könnte. Ich entdeckte, dass es weniger  ein Ort war den ich suchte, sondern meine spirituelle Heimat!

Hier findest du die wichtigsten Punkte meiner bisherigen Reise:
1. Vergebe deinen Eltern. Wenn Du es nicht kannst, suche dir jemanden, der dir dabei hilft. Du tust es nicht für sie, sondern für dich! Für deine emotionale Freiheit. Damit schaffst Du die Voraussetzung, deine wahre Heimat zu finden.
2. Heile deine Emotionen und setze dich intensiv mit deinen Werten auseinander.
3. Achte deine Ahnen. Sie haben dir nicht nur Nachteiliges, sondern auch viele Ressourcen und Potenziale mitgegeben. Du bist untrennbar mit der Energie deiner Ahnen verbunden. In dem  u sie achtest, achtest du dich!
4. Übe dich in Dankbarkeit. Auch wenn du Dinge erlebt hast, für die es dir schwerfällt dankbar zu sein, öffne dich dafür, dass es in einer größeren Sichtweise für etwas gut war, auch wenn du das jetzt vielleicht noch nicht sehen kannst.

Seitdem ich begonnen habe meine spirituelle Heimat ernst zu nehmen und meine Perspektive radikal zu drehen, hat sich mein Leben auf vielen Ebenen verändert. Von „alle sind gegen  mich und ich bin hier alleine“ in „alles ist für mich da“.

Mir selbst eine Heimat zu geben, egal wo ich gerade bin, ist das, was ich seither lebe und stetig trainiere. Seitdem ich weiß, dass alles für mich da ist, sehe ich in allem Potenziale zu  Wachstum und Entfaltung. Als Individuen sind wir untrennbar mit allem verbunden. Es gibt nichts in unserem Außen, dass nicht auch ein bisschen etwas mit uns selbst zu tun hat. Die  Sehnsucht nach Heimat hat mich durch den Schmerz geführt. Ich habe gelernt, mir mein Selbst und mein Sein selbst zu kreieren und in der Dunkelheit meine Größe entdeckt.
Und das ist das Geschenk der „Trennung“.

Über unsere Essayistin

stefanie ochs essayDie Arbeit mit Stefanie Ochs beginnt dort, wo andere aufhören. Sie verbindet jahrelange therapeutische Erfahrung mit geerdeter Spiritualität und medizinisch- heilerischem Wissen. „Essential Healing“ zeigt dir, wie du dich ganz auf dich selbst einlässt und du erlebst, wie sich selbst aus verzweifelten Situationen Tore  öffnen und du tiefen Sinn und Erfüllung in deinem Leben fifindest. Ein besonderes Anliegen ist es, dich in deine innere und äußere Unabhängigkeit und Freiheit zu  führen. www.zarameh.de. www.essential-healing.net

FOTO: gettyimages

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