Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

OM C. Parkin

Ein Plädoyer für die Annäherung an das Prinzip des spirituellen Meisters und eine Einführung in das Verständnis von erwachsener Schüler schaft, die eine wahre Begegnung von Lehrer und Schüler erst möglich macht

Auszug aus einem Interview mit OM C. Parkin

Ist es nicht erstaunlich, dass sich Erwachsene im westlichen Kulturkreis seit der Aufklärung in ihrer geistigen Entwicklung mit dem Training ihres Verstandes und der Ansammlung von Nutzwissen begnügen? Welchen Stellenwert hat die Reifung in ein, ohne Zweifel nicht ausgeschöpftes, höheres menschliches Potenzial, die innere, die seelische Entwicklung?

Wenn ein Mensch Verantwortung für sich selbst übernimmt, heraustritt aus einer oft auf Lebensjahrzehnte verlängerten kindlich-pubertären Geisteshaltung, mithin erwachsen wird, dann erwacht er eigentlich ganz  natürlich zu einem Schüler, der sich für die tiefsten Tiefen / die höchsten Höhen seiner selbst interessiert, für das unermessliche Jenseits, welches seinen begrenzten Horizont, seine begrenzte selbstgeschaffene  Weltsicht transzendiert. Ebenso natürlich wird er einen geistigen Führer auf dem inneren Weg zum Selbst suchen, einen spirituellen Meister. Spirituelle Meister und zu Schülern erwachte Menschen ziehen sich an,  und sie vereint die einzig reine und unvergängliche Liebe, die Wahrheitsliebe. Im Folgenden gibt der spirituelle Meister OM C. Parkin in Interviewform Einblicke in das Wesen wahrer Schülerschaft mit Hinweisen auf Entwicklungswege und Fallstricke.

Darf ich ein Zitat von OM nutzen? „In Wirklichkeit ist die Schüler-Lehrer-Beziehung eine Liebesbeziehung. Und diese Liebe trägt den Schüler durch die Verwirrungen und wird durch den Lehrer ständig genährt.“ Für mich ist das eine sehr wichtige Aussage und ich bitte dich, sie noch ein wenig auszuführen oder zu erläutern.

Es ist wahr, dass es eine Liebesbeziehung ist. Es ist gleichzeitig wahr, dass diese Liebesbeziehung nicht notwendigerweise den Liebesvorstellungen des Schülers entspricht, weil eine wahre Liebesbeziehung dazu  ient, Vorstellungen von Liebe zu zerstören und nicht aufrecht zu erhalten. Diese Liebesbeziehung ist eine Beziehung, in der der Schüler beginnt, Vertrauen in sein eigenes Herz zu gewinnen, sein Herz zu  hören, sein Herz sprechen zu lassen, sodass sein ganzer Organismus auf natürliche Weise in Resonanz tritt mit dem Organismus und der Lehre des Lehrers. Schon ein Kind hat – wenn auch begrenzten –  Zugang zur Liebe. Auch ein Kind kann lieben, kann die Eltern lieben. Ein Heranwachsender kann die Eltern lieben. Ein Erwachsener kann lieben. Ein spiritueller Mensch kann lieben.

Vertrauen in sein eigenes Herz

Die Liebe zieht sich als Möglichkeit durch alle Entwicklungsstufen, durch alle Phasen der Schülerschaft, beginnend mit den frühen, den einfachsten, in denen sehr viel innere Begrenztheit vorherrscht, durch  Unwissenheit und durch innere Spaltungen, in denen Mächte des Unterbewusstseins die Oberhand haben. Wenn der Schüler jedoch versteht, dass die Liebe das ist, woran er sich vom ersten bis zum letzten  Moment halten kann, dann kann die Liebe ihn auch durch alle Begrenzungen, durch alle Angriffe von Schattenkräften des Geistes begleiten wie ein roter Lebensfaden, an dem er sich orientieren, an dem er sich entlang hangeln kann. Und wenn dieser Faden reißt, weil der Schüler die Wesentlichkeit dieses inneren seidenen Fadens und die Notwendigkeit, sich an diesem Faden entlang zu bewegen, vergessen hat, dann  übernehmen andere Kräfte im Bewusstsein des Schülers, Gegenkräfte, die aus dem Schatten heraus wirken, und dann kommt es zu den bekannten Phänomenen der Abwendung. Denn tatsächlich gibt es,  solange du an diesem roten Faden dich aufhältst und entlang bewegst, keinen Impuls der inneren Abwendung. Wir dürfen das nicht moralisch verstehen, so als gäbe es ein Verbot der Abwendung, sondern es  gibt schlichtweg keinen Impuls. Denn genau so wenig wie ein Kind sich von den Eltern abwendet, die es eben liebt, wendet sich ein Schüler von einem verwirklichten Lehrer ab, den er nun mal liebt. Dass diese  Liebe, die immer wieder geistigen Begrenzungen unterworfen ist, auch Prüfungen zu bestehen hat, Grenzen zu überwinden hat, das ist wahr, was aber nicht bedeutet, dass die Liebe dadurch zerstört wird. Der  rote Faden dieser Liebesbeziehung bleibt immer bestehen, ist in Wirklichkeit jederzeit verfügbar für den Schüler, vorausgesetzt, er versteht es, sich an diesem Faden entlang zu bewegen. So führt dieser unsichtbare Faden nach innen, denn ein vollständig verwirklichter Lehrer ist keine andere Person, zu der ein Jemand eine äußere Liebesbeziehung aufrecht erhalten kann. Er ist das SELBST.

Bewusste Schülerschaft

Könnte man sagen, dass die Schüler-Lehrer-Beziehung sich aus einer abhängigen Beziehung in die Beziehung zweier freier Menschen entwickelt, die dem Gleichen dienen?

Der erwachsene Mensch ist ja die Frucht der ersten Phase des inneren Weges, und der erwachsene Mensch ist die Schwelle zur bewussten Schülerschaft. Wenn es so etwas wie vollendete innere Freiheit gibt,  dann steht sie ausschließlich dem erwachsenen Menschen zur Verfügung, der die Entwicklungsstufen des Kindes, des Heranwachsenden zurückgelassen und integriert hat. Dieser erwachsene Mensch, der  bewusste Schülerschaft annimmt, hat bereits eine relative innere Freiheit gewonnen, die jenseits ist von Abhängigkeit oder Unabhängigkeit, denn das sind Begrifflichkeiten, die in der Schüler-Lehrer-Beziehung  gar nichts zu suchen haben.

Sehnsucht nach Freiheit

Und dieses relativ freie Auge blickt dann in die absolute Freiheit, die seiner eigenen Sehnsucht entspricht und auch der Realität, in der der Schauende wirklich lebt, die bisher nur noch nicht vollständig erkannt wurde.

OM C. Parkin ist Weisheitslehrer und Autor von „Spirituelle Meisterschaft – Lehrer und Schüler auf dem inneren Weg“ (advaitaMedia, 2019).

Information & Inspiration:
Konferenz „Erwachsene Schülerschaft auf dem inneren Weg –
Begegnung im feurigen Herzen“
Wann: 15.-17. Mai 2020
Wo: Kloster Gut Saunstorf
Veranstalter: OM-Stiftung Innere Wissenschaft
Info: www.om-science.com

 Rüdiger Porep

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FOTO: Gut Saunstorf

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