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Johann Amos Comenius ist der latinisierte Name von Jan Ámos Komenský, der 1592 in Mähren, dem heutigen Tschechien, geboren wurde. Trotz mehrerer harter Schicksalsschläge verlor Comenius zu keiner Zeit seinen Glauben an die Güte des Menschen.

Er war so sehr überzeugt von der grenzenlosen Fassungskraft des menschlichen Geistes und der darauf beruhenden Bildungsfähigkeit, dass er auf Grund seiner humanis - tischen Ideale heute als der geistige Vater der UNESCO gilt.

Johann Comenius (1592–1670) war ein Eingeweihter der Pansophie, jener mit dem Rosenkreuzertum verflochtenen geistigen Strömung, als deren Ziel die allumfassende Weisheit gilt. Kein Wunder, dass man in seinen Schriften auf Gedanken und Ideen stößt, die auch in den Manifesten der Rosenkreuzer vorkommen, nämlich die Notwendigkeit einer Reform des gesellschaftlichen, politischen und religiösen Lebens. Was wäre heute dringlicher?

Panpedia oder universale Erziehung aller

Wir wollen, so Comenius, dass alle Menschen – zusammen oder einzeln, jung oder alt, reich oder arm, adelig oder bürgerlich, Mann oder Frau – die Möglichkeit haben, zu lernen und sich zu bilden, um dadurch ein vollendetes Wesen zu werden. Ferner wollen wir, dass jeder Mensch vollkommen belehrt und gebildet wird, nicht nur auf diesem oder jenem Gebiet, sondern auf allen Gebieten, die es dem Menschen ermöglichen, sein wahres Wesen in vollem Umfang zu verwirklichen: zu lernen, die Wahrheit zu erkennen, sich nicht durch Fälschungen täuschen zu lassen, das Gute zu lieben und vom Schlechten sich nicht verführen zu lassen, zu tun was man tun muss und sich vor dem zu hüten, was vermieden werden muss; zu lernen, weise zu sprechen und nicht im Schweigen zu verharren, und zwar über alles, was notwendig ist gegenüber jedermann; schließlich auf immer alle Dinge, alle Menschen und Gott mit Behutsamkeit und nicht leichtfertig zu behandeln und nie von seinem Ziel, dem Glück, abzuweichen. Dieses Programm soll universal verwirklicht werden.

Es geht darum, so heißt es in einer der Schriften der Rosenkreuzer, dass alle Menschen immer mehr Gott ähnlich werden, indem sie wahrhaftig vernünftig, weise, aktiv, unternehmungsfreudig, ehrlich und redlich, fromm und heilig und dadurch glücklich und heiter werden, hier unten und für die Ewigkeit. Kurzum, es gilt, das allerhöchste Gute anzustreben, um sich mit ihm unauflöslich zu verbinden und so Glückseligkeit zu erlangen. So zumindest das Ziel.

Und dennoch scheinen sich heute nur wenige um eine wahrhaft glückliche Zukunft zu kümmern. Jeder scheint sich im Konflikt mit allen Anderen zu befinden und dadurch in Gedanken, Worten und Taten im Streit mit sich selbst. Und dennoch, so Comenius: „Auch wenn man mir vorwirft, dass wir verdorben sind, antworte ich: Ja, doch der Neue Adam hat aus uns neue Menschen gemacht. Wir haben den Auftrag erhalten, wiederherzustellen, was verdorben war, das brachliegende Feld zu bearbeiten und keine Dornen treiben zu lassen. Und dies ist das Ziel jeder Erziehung.“

Lernen, die Vernunft zu gebrauchen

Doch wie ist dieses Ziel zu erlangen? Indem zunächst kein Mensch mehr wie ein Tier lebt, und indem alle den Vorschriften der Vernunft folgen, deren Licht jedem Menschen gegeben wurde. Doch nicht alle verstehen, richtig anzuwenden, was sie besitzen, wenn man sie es nicht lehrt. Man muss sie also unterrichten. Sonst wäre es ähnlich unsinnig, wie einen Acker zu besitzen und brachliegen zu lassen oder Musikinstrumente zu besitzen, ohne darauf zu spielen. Wozu diente unsere vernünftige Natur, wenn sie nicht gebildet würde, der Vernunft zu dienen?

Gott hat bei den Menschen keine Unterschiede vorgenommen, was die menschliche Essenz anbelangt. Er hat alle Menschen aus demselben Blut und demselben Stoff gemacht. Alle haben Anteil am Bild Gottes und sind so von derselben Form. Alle sind sie Geschöpfe desselben Schöpfers, und sie haben somit denselben Ursprung. Sie sind die Erben derselben Ewigkeit, und sie haben alle das gleiche Ziel.

Vordenker im Zeichen von Kreuz und Rose

Sicherlich war Comenius christlich-religiös geprägt und doch war er einer der ersten Philosophen, der von einer universalen Religion sprach, ein Thema, das den Rosenkreuzern am Herzen liegt. Kein Wunder, war Comenius doch nicht nur mit dem evangelischen Theologen Johann Valentin Andreae (1586–1654) befreundet; beide gehörten der Bruderschaft der Rosenkreuzer an. Die Geisteshaltung der Rosenkreuzer scheint durch alle Werke Comenius‘, dessen Herzensangelegenheit die Pädagogik war.

So entwickelte er die erste systematisch aufgebaute Pädagogik der Neuzeit auf der Basis der Muttersprache und entwarf das erste Bilderbuch für Kinder. Comenius war ein so eigenständiger Denker, dass es ihm gelang, eine umfassende Weltsicht zu vermitteln, die den Menschen auf seinen ihm zugestandenen Platz stellt. Sein Werk Pansophia z. B. ist dabei nicht nur Sammelpunkt seiner Weltan sicht, sondern auch Programm einer Geistesströmung, die nicht nur auf ein ganzes Jahrhundert prägend wirkte, sondern bis heute nachhallt. Die Verbindung von Mystik, Natur und Gotteserkenntnis zeichnen Comenius nicht nur als Theoretiker aus, sondern auch als Praktiker, dessen Ziel immer der Mensch war.

Zum Wohl der gesamten Menschheit

Mit der Idee einer Dreigliederung der sozialen Gemeinschaft auf den Gebieten des Wissens, der Religion und der Politik wird Comenius seinen Zeitgenossen zu einem weit vorausschauenden Wegweiser. Mehr als 200 Jahre später wird Rudolf Steiner die Idee der Dreigliederung wieder aufgreifen und dessen Name wird heute im Allgemeinen mit dieser nach wie vor aktuellen Idee verbunden.

So ist Comenius auch mehr als der letzte Bischof der Böhmisch Mährischen Brüder, der bereits Gedanken einer Ökumene hegt – die keine Einheitskirche, wohl aber ein harmonisches Zusammenwirken aller christlichen Kirchen erstrebt; mehr auch als ein ausgezeichneter Pädagoge, der sich um Entwicklung und Bildung des Volkes bemüht; und mehr als ein umsichtiger Politiker, der schon die Erde künftig als „ein Haus“ vor sich sieht! Er kennt die Mission seines Lebens und behält unerschrocken das Ziel vor Augen: Gott zu dienen, den Völkern zum Wohle. So ist er Priester und Lehrer, Poet und Mystiker und bleibt stets einer der hervorragenden Erzieher der Menschheit – ein Seher und Wegbereiter.

 Dr. Alexander Crocoll

Dr. Alexander Crocoll ist seit mehr als 30 Jahren AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale.

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FOTO: amorc

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