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Frieden schützen

Die Spiritualität ist eine stärkende, menschheitsvereinende Kraft. Gelebte Spiritualität ist der stärkste Garant für Frieden.

Die Wurzel des Krieges ist in den Köpfen der Menschen zu suchen und der Schutz des Friedens muss in unserem Denken beginnen, heißt es in der Präambel zur Verfassung der UNESCO. Krieg entsteht im Geist der Menschen, und deshalb muss der Frieden im Geist der Menschen verankert werden. Die spirituellen Meister haben zu allen Zeiten und in allen Kulturen die Menschen zur Reinigung ihrer Herzen aufgefordert. Nur so kann Frieden entstehen und bewahrt werden. Äußerer Wandel setzt inneren Wandel voraus. Denn, „der Mensch spricht aus der Fülle seines Herzens“ (vgl. Matth. 12,34). Was nottut, ist Reinheit in Gedanken, Worten und Taten.

Die Gründung von Organisationen wie der UNO und die wachsende Anzahl religiöser Konferenzen lassen darauf schließen, dass man diese Wahrheit als Leitlinie akzeptiert. Ihr Ziel ist die Höherentwicklung der Menschheit. Und dennoch steht die Welt noch immer unter der Herrschaft von Hass und Gewalt, die Ungleichheit unter den Menschen und Völkern wird nach wie vor nicht nur propagiert, sondern auch praktiziert; und der Machttrieb einiger weniger führt zur rücksichtslosen und unbarmherzigen Ausbeutung anderer.

Diese Haltung ist uns so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie als Teil unseres Wesens erscheint. Wie können wir uns ändern und unser Gemüt – unser Denken und Fühlen – einem höheren Ziel zuwenden?

Eine spirituelle Aufgabe

Eine spirituelle Aufgabe Ein Gemüt, das sich nur um den physischen Körper und seine Bedürfnisse kümmert, wird weltlich. Die unausweichliche Folge sind Missgunst und Streit. Sobald es sich aber der Seele zuwendet, wird es spirituell; die Folge davon sind Liebe und Frieden. Wie das Feuer ist das Gemüt ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. Wer aber sein Gemüt unter Kontrolle gebracht hat und seine Aktivitäten beherrscht, der ist wahrhaftig groß.

Wie aber werden wir zum Herrscher über das Gemüt? Wie ist es möglich, sein Herz zu wandeln? Der Mensch besteht aus Seele, Körper, Gemüt und Verstand. Und es ist ihm aufgetragen, sich allseits zu entwickeln. In materieller, sozialer und politischer Hinsicht ist ihm dies bereits zur Genüge gelungen – wir haben erstaunliche Erfindungen gemacht: Telekommunikation, Raketen, Atombomben usf. Doch was tun wir für unsere Seele? Sowohl der physische Körper als auch der Intellekt hängen von der Seele in unserem Innern ab, die für uns praktisch terra incognita ist.

„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt besäße und nähme doch Schaden an seiner Seele?“, sagte Christus (vgl. Matth. 16,26). Da wir uns selbst nicht kennen, wenden sich all unsere materiellen und intellektuellen Errungenschaften gegen uns. Hätten wir uns zunächst um Selbsterkenntnis bemüht, und dann erst um die Nutzbarmachung und Beherrschung der Kräfte der Natur, wären all unsere Erfindungen ein Beitrag zur Entwicklung der Menschheit, statt eine Gefahr für ihren Fortbestand.

Sich selbst erkennen Sich selbst erkennen Alle spirituellen Meister der Vergangenheit – ob Buddha, Nanak, Christus, der Prophet Mohammed u.v.a. – ermahnen uns zur Selbsterkenntnis: „Mensch, erkenne dich selbst!“ Die heiligen Schriften fordern uns auf, „zu sterben, damit wir zu leben beginnen“.

Christus sagte zu Nikodemus: „Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh. 3,3) Nikodemus war ein hochgebildeter Mann. Trotzdem verstand er nicht, was Christus damit meinte und fragte ihn: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er ein Greis ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden?“ Sobald es um die Praxis geht, versagen intellektuelle Mensche kläglich. Deshalb erwiderte Christus: „Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht? … Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh. 3, 4–10).

Von oben“ geboren zu werden bedeutet, sich im Bewusstsein über den Körper zu erheben, sich vorübergehend vom Körper zu lösen und dann wieder in den Körper zurückzukehren. Erst im abgelösten Zustand ist es möglich, sich selbst und das Überselbst zu erkennen, dem wir – außer „Gott“ – noch so viele andere Namen geben. Der indische Mystiker und Poet Kabir drückte denselben Gedanken aus: „Lerne, täglich hundertfach zu sterben – einmal ist nicht genug.“

Gibt es ein Bewusstsein jenseits des Körpers, zu dem sich der Mensch erheben kann? Ist er in der Lage, seinen Körper abzulegen und wieder in ihn zurückzukehren? (vgl. Joh. 10,17). Selbsterkenntnis ist eine Sache der inneren Selbsterfahrung, die jenseits des physischen Bewusstseins beginnt. Dort können wir mit unserem inneren oder einfältigen Auge (vgl. Matth. 6, 22) das Licht Gottes sehen. Dieser Weg der direkten Erkenntnis und Selbsterforschung ist eine uralte Wissenschaft, die bei uns leider in Vergessenheit geraten ist. Fast alle Meister, in welchem Land der Erde sie auch wirkten, lehrten diese Fähigkeiten. Sie bekräftigen, dass auch wir unter Anleitung eines vollendeten Meisters die Erfahrung des „Sterbens im Leben“ machen können.

Ethisch-moralisches Ethisch-moralisches Fundament Fundament

Um das Rätsel des Lebens zu lösen, muss der Mensch zunächst eine ethischmoralische Lebensweise annehmen, denn sie bildet das Fundament der Spiritualität. Deshalb sagte Christus: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“ (Matth. 5,8). Guru Nanak erteilte denselben Rat: „Seid rein, damit ihr die Wahrheit erkennt.“

Jedoch: Indem wir so großen Nachdruck auf die geistig-moralische Solidarität unter den Menschen legen, gerät der bei weitem wichtigste Aspekt des Menschseins, seine spirituelle Seite, völlig ins Hintertreffen. Die Spiritualität ist eine stärkende, menschheitsvereinende Kraft, deren Fehlen all unsere intellektuellen und moralischen Anstrengungen zum Scheitern bringen kann.

Immer wieder werde ich auf meinen Vortragsreisen gefragt: „Wie lässt sich die Gefahr eines Atomkriegs vermeiden?“ Meine Antwort lautet: „Nur, indem wir nach den heiligen Schriften leben.“ Wir kennen uns so gut mit der Bergpredigt, den Zehn Geboten oder dem Achtfältigen Pfad des Buddha aus, dass wir sie nur zu gerne anderen dozieren. Aber leben wir auch danach? „Seid tatkräftige Vollbringer des Wortes und nicht bloß Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak. 1, 22). Wir brauchen Reformer, die nicht andere, sondern sich selbst ändern wollen. Nur verdaute Nahrung gibt Kraft. Wenn wir unser theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen, brauchen wir keine Angst vor einem Atomkrieg zu haben.

Fundament des göttlichen Bewusstseins

Was sagen uns denn die Schriften, was uns weiterhelfen könnte? Wir alle verehren dieselbe Gotteskraft, der wir so viele Namen gegeben haben. Gott, das Allbewusstsein, schuf die Menschen als verkörperte Seelen, die mit Materie und Gemüt umhüllt sind. Sobald wir uns von diesen Fesseln befreien, sehen wir, dass wir bewusste Wesenheiten – Seelen – sind, Tropfen aus dem Meer des Lebens.

Wenn wir uns selbst erkennen, indem wir uns vom physischen Körper lösen und als etwas von ihm Getrenntes und Unabhängiges erfahren, nehmen wir die Welt von der Ebene der Seele aus wahr. Dann stehen wir auf festem Grund, dem Fundament des göttlichen Bewusstseins.

Bisher haben wir uns lediglich an „Müssen“ und „Sollen“ gehalten, wir haben uns nur auf äußere Ge- und Verbote als Richtlinien für unser Denken und Handeln gestützt, aber wir wurzeln nicht im selben Bewusstsein, dem diese Regeln entspringen. Nur solche Äußerlichkeiten und Etiketten machen uns zu Hindus, Moslems oder Christen; niemand kommt bereits als Mitglied einer bestimmten Religionsgemeinschaft auf die Welt, man wird erst von der Gesellschaft dazu gemacht.

Gott lässt sich nicht mit äußeren Mitteln erkennen, weder durch den Intellekt noch durch die Sinne oder die feinstofflichen Prana-Energien. Einzig die Seele ist dazu in der Lage. Dies ist auch der Grund, warum alle vergangenen Meister die Menschen dazu anhielten, sich selbst zu erkennen. Und sie brachten zwei weitere höchst bedeutsame Gebote: „Liebe deinen Gott aus ganzem Herzen, ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ und: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (vgl. Luk. 10, 27). Gott wohnt in allen Herzen. Als bewusste Seelen sind wir eines Wesens mit Gott. Dies ist das einende Band, das alle Geschöpfe untereinander verbindet. Daher sind wir im wahrsten Sinne Brüder und Schwestern im Kreise der einen Menschheitsfamilie. Die Stärke ihres Zusammenhalts hängt von der Erkenntnis unserer inneren Einheit ab, die heute nötiger ist denn je.

Liebe macht friedensfähig

Liebe macht friedensfähig Es ist ganz natürlich, dass ein Gottliebender auch alle Menschen liebt. Er wird niemals irgendjemanden verletzen, weder in Gedanken, noch in Worten oder Taten. Er zeichnet sich durch fünf Eigenschaften aus: Friedfertigkeit, die höchste aller menschlichen Tugenden, Wahrhaftigkeit, Charakteradel, allumfassende Liebe und ein Leben des selbstlosen Dienstes zur Erhebung der Menschen. Auf diesen Grundpfeilern ruht das Werk des Friedens, das es zu errichten gilt. Seine Tragfähigkeit erwächst aus der spirituellen Rückbindung an unser Inneres. Ein Mensch, der aus dieser Rückbindung lebt, entwickelt die fünf Friedenstugenden und betrachtet die ganze Welt als das Haus Gottes, dessen Vielzahl von Räumen die einzelnen Länder sind.

Ohne die Verwirklichung des spirituellen Aspekts im Menschen bleibt wahre Liebe eine Utopie. Liebe für alle und alles ist das Gebot der Stunde – in der Tat sind die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen die beiden Ecksteine, auf denen das Werk aller Meister ruht. Sie in der Praxis zu üben, bedeutet Frieden zu schaffen und das Reich Gottes auf Erden zu errichten.

 Sant Kirpal Singh

Sant Kirpal Singh (1894–1974) wirkte seit 1948 als spiritueller Meister. Auf seinen Vortragsreisen und als langjähriger Präsident der „Weltgemeinschaft der Religionen“ erwarb er sich im Osten wie im Westen große Achtung und Sympathie.

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FOTO: gettyimages

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