Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Die Welt ist eine Zaubershow, die nichts weiter ist als eine Illusion. Wir leben in einer großen Täuschung, wo nichts so ist, wie es scheint, und jeder von uns fällt auf diese Show herein.

Es ist das Ziel unseres Lebens, das Rätsel des Universums zu lösen, doch bewegen wir uns dabei in die falsche Richtung. Darum kommen immer wieder hochentwickelte Seelen, um unserer Irrfahrt durch die Welt ein Ende zu bereiten und uns zur Umkehr zu bewegen.

Erwachte Seelen sehen die Welt in ihren wahren Farben. Ihr Blickpunkt ist die Ebene des Geistes, der aber nicht jenseits der Welt liegt, sondern ihr innewohnt. Doch was tun wir? Wir betrachten die Welt vom falschen Ende aus; wir sehen sie so, als stünde sie auf dem Kopf. Warum? Wir sind noch nicht zur Wirklichkeit erwacht. Sie ist bereits in uns, aber eingezwängt in den Käfig unseres Körper wie ein ausgewachsener Mensch in einem Kinderbett. Da es uns noch nicht gelungen ist, die Seele in uns vom Körper zu lösen und als geistiges Wesen zu erkennen, sehen wir die Welt nur aus dem Blickwinkel unserer materiellen leiblichen Existenz.

Verkehrte Welt

Zwischen diesen beiden Perspektiven liegen Welten. Wir haben uns im Laufe zahlloser Lebensläufe angewöhnt, unsere materielle Hülle für die einzige Wirklichkeit zu halten, und deshalb kommt uns auch die materielle Welt, die sie umgibt, als wirklich vor. Nun sagen uns aber die heiligen Schriften, dass die Welt etwas Unwirkliches ist, wobei sie die Wirklichkeit als etwas verstehen, das von ewiger Dauer, unwandelbar und unvergänglich ist. Die Weltklugen dagegen beteuern: „Wenn es ein Paradies gibt, dann hier auf Erden – hier und nirgends sonst.“ Üblicherweise raten sie uns, die Freuden der Welt zu genießen: „Wer weiß, was nachher kommt!“ Das ist die epikureische Lebenseinstellung: „Esst, trinkt und freut euch des Lebens, denn morgen sind wir vielleicht schon tot.“

Die andere Sichtweise ist die der Weisen und Seher. Sie sprechen nicht von der Verstandesebene aus und ergehen sich nicht in philosophischen Erörterungen. Dafür sind sie jedoch sehr scharfe Beobachter. Was sie sagen, entspringt dem gesunden Menschenverstand. Sie sehen die Welt wie durch ein Kaleidoskop, das immer neue Farbenspiele erzeugt. Wenn sie die bedauernswerte Lage sehen, in der wir uns befinden zerreißt es ihnen das Herz, und sie rufen uns zu: „Halt! Bis hierher und nicht weiter!“

Dabei leben wir bereits gleichzeitig in drei verschiedenen Welten: in der materiellen, der astralen und der kausalen Welt. Doch sind wir uns leider nur unserer Existenz auf der materiellen Ebene bewusst. Wir tragen aber die Möglichkeit in uns, auch in die Astral- und die Kausalwelt hinüberzuwechseln und nach Belieben über die materielle Welt hinaus ins Jenseits zu gelangen.

Die Welt ist eine Illusion

Welt ist eine Illusion „Warum schläfst du im Traumland der Welt und tust nichts, was für dich von bleibendem Interesse ist? Was gewinnst du damit in dieser und der anderen Welt, indem du dein Leben umsonst verspielst?“ So fragte einst der große Heilige Nanak.

Nanak beschrieb die Welt als „Taschenspielertrick des Großen Zauberers“. Sie ist nichts als die Show eines Illusionisten und besitzt keinerlei Realität. Wir leben in einer großen Täuschung, wo nichts so ist, wie es scheint. Diese Vorstellung beginnt schon bei unserem Körper. Wir halten ihn für das A und O der menschlichen Existenz. Es kommt uns keinen Augenblick lang in den Sinn, dass dahinter eine Kraft steht, die ihn wie ein Motor antreibt. Wenn sich diese Energie eines Tages aus dem Körper zurückzieht, ist das ganze Spiel aus und vorbei. Jeder von uns fällt auf diese Show herein, die nichts weiter ist als eine Illusion.

Hier erhebt sich vielleicht die Frage, aus welchem Grunde Gott zum Taschenspieler wurde. Diese Frage stellt man wohl besser dem, der uns diesen Streich gespielt hat. Er wünschte es und es geschah. Aus Einem sollten viele werden. Nanak berichtet: „Aus dem Einen entsprangen Myriaden Ströme spiritueller Energie und schufen die gesamte Schöpfung mit ihrer Vielfalt an Formen und Farben.“

Unsere Frage, warum die Schöpfung zustande kam, ist von der Sinnesebene aus gestellt. Erst wenn wir in der Lage sind, mit dem Willen des Schöpfers zu verschmelzen, können wir den Grund dafür erfahren – nur, dass sich solche Fragen auf dieser Stufe der Einheit gar nicht mehr stellen. Auf der Verstandesebene lässt sich nicht sagen, was zuerst vorhanden war: die Henne oder das Ei. Der Verstand weiß darauf keine Antwort. Wenn wir schon erfahren wollen, welches Geheimnis der Schöpfung zugrunde liegt (vorausgesetzt, es ist überhaupt nötig), müssen wir Körper, Gemüt und Verstand auf jeden Fall abstreifen und hinter uns lassen.

Das Leben ist ein Theaterspiel

Denn wie gesagt, die Täuschung beginnt schon mit der irrigen Auffassung, die wir von unserem Körper haben: Wir halten ihn für etwas Dauerhaftes, und das ist er nicht. Wie können wir diese Fehleinschätzung korrigieren? Nur, wenn wir auf praktischem Wege erfahren, dass Körper und Seele zwei voneinander getrennte Dinge sind und dass es darum tatsächlich möglich ist, den Körper zu verlassen. Dann wissen wir, dass der Körper nichts Bleibendes ist und wir ihn eines Tages räumen müssen, ob wir wollen oder nicht. Erst wenn uns praktisch gezeigt worden ist, wie wir diese out of the body-Erfahrung haben können (das Erlebnis, außerhalb des Körpers zu sein und trotzdem weiter zu existieren), können wir die vergängliche Natur des Körpers erkennen.

Diese Welt ist ein Theater, eine Bühne, die wir betreten, auf der wir unsere Rolle spielen und von der wir anschließend wieder abgehen. Wozu wurde sie errichtet? Das kann keiner sagen. Wir können aber zum Direktor des Theaters gehen, um zu verstehen, welchen Zweck und Plan die Inszenierung verfolgt. Es gibt eine Kraft, die dieses ganze Drama in Gang hält – und wir sind dabei nichts weiter als Schauspieler oder Puppen auf der Bühne des Lebens. Wir können aber nicht davonlaufen, ehe die uns zugewiesene Rolle zu Ende gespielt ist. Nur die Kraft, die dieses Schauspiel aufrechterhält, weiß, wie lange es dauern soll und auf welche Art und Weise jeder einzelne von uns wieder abberufen wird. Jeder, ob arm oder reich, muss früher oder später von der Bühne abtreten, jeder zu seiner Zeit, und die Bürde seiner guten oder schlechten Taten mit sich nehmen.

Wir alle spielen Blindekuh

… Das Leben ist ein großer Kampf. Wir müssen darum kämpfen, die Zusammenhänge richtig zu verstehen – anstatt im Strom der Zeit dahinzutreiben, ohne einen festen, sicheren Halt für unser Selbst zu finden. Erwachte Seele können unsere Lage nur bedauern und sagen uns aus Mitgefühl ihre Meinung. Sie sprechen in Bildern, die eine tiefe Bedeutung haben. Sie erzählen uns Geschichten und Gleichnisse, um uns unsere Schwächen und Fehler nahezubringen. Sie sagen uns, dass diese Welt ein Marionettentheater ist und dass es hinter den Kulissen eine Kraft gibt, die uns in Bewegung setzt. Doch trotz all ihrer Erklärungen und Belehrungen folgen wir weiter demselben alten Gleis und unternehmen nichts, um Sinn und Zweck dieser Kraft zu verstehen, die aus dem Hintergrund wirkt.

Wir wissen nicht, warum Gott diese Kraft zum Einsatz brachte. Stattdessen spielen wir alle zusammen Blindekuh: einem Mitspieler werden vom Spielleiter die Augen verbunden und die anderen verstecken sich. Jeder, der den Spielleiter berührt, ist in Sicherheit, während das Spiel für die anderen weitergeht. So will es die Regel. Genau dasselbe ist mit uns der Fall. Wir suchen blindlings nach Gott, jeder auf seine eigene Weise. Wer das Glück hat, den Weg zu finden, der aus der Welt hinausführt und ihn zu Ihm bringt, ist gerettet und entrinnt den Fängen von Materie und Gemüt. Letzten Endes kommt es darauf an, unser inneres Auge zu entwickeln, durch das wir die Gotteskraft in uns wahrnehmen können.

Unsere wahres selbst finden

Wenn wir auf diese Weise eine allumfassende Sicht entwickeln, sehen wir die Gotteskraft überall wirken und wir hören auf, uns selbst für die Handelnden zu halten. Im heiligen Licht Gottes kann uns nichts mehr täuschen und blenden. Doch stattdessen befassen wir uns die ganze Zeit nur mit der Welt und ihren Belangen und halten nicht einen Augenblick inne, um uns auf unser eigenes Selbst zu besinnen.

Wir werden in die Welt gesandt, um unser wahres selbst zu finden, und dann das Selbst unseres Selbst, die Seele unserer Seele. Das ist der einzige Zweck des göttlichen Plans.

Wir müssen den Körper für den Geist aufgeben, das Ich für das Licht, den Schein für das Sein. Sind wir denn nicht Gottes Kinder? Durchwogt uns nicht von Kopf bis Fuß die Gotteskraft? Leben und sterben wir denn nicht nach Seinem Willen? Sein Wille ist jeder Faser unseres Wesens förmlich eingewoben. Umso dringender müssen wir lernen, in seinem Lebendigen Licht zu leben. „Seid Täter des Wortes, nicht bloß Hörer!“ (vgl. Jak.1, 22), und zwar Tag für Tag. Lasst uns Gott in unserem Alltag leben und für immer frei und glücklich sein.

Kirpal Singh

Sant Kirpal Singh (1894 bis 1974) wirkte seit 1948 als spiritueller Meister. Auf seinen Vortragsreisen und als langjähriger Präsident der „Weltgemeinschaft der Religionen“ erwarb er sich im Osten wie im Westen große Achtung und Sympathie.

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FOTO: gettyimages

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