Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Alle Menschen sind rastlos auf der Suche nach dem großen Glück – und erliegen dabei einer großen Illusion. Denn der Schatz liegt in uns selbst.

FRAGE: Vermutlich ist es falsch, dass wir an Maya glauben, ohne tatsächlich die höheren Ebenen des Bewusstseins erfahren zu haben.
ANTWORT: Was ist Maya? Maya wird als Illusion definiert. Täuschung. Man sieht die Dinge einfach nicht aus dem richtigen Blickwinkel. Lasst diese Täuschung hinter euch. Wenn man sich über den Astralleib auf die Kausalebene erhebt, legt man die irrigen Ansichten über die physische Welt ab.

Machen euch denn eure äußeren Vergnügungen wirklich Freude? Da erliegen wir einer Täuschung. Ich werde das an einem Beispiel veranschaulichen: Ein Hund, der Knochen frisst – obwohl sie in Wirklichkeit nach nichts schmecken –, schmeckt nichts weiter als sein eigenes Blut und meint, das käme vom Knochen – was natürlich nicht stimmt. Solange ihr an etwas gebunden seid, habt ihr eure Freude daran, aber wenn ihr eure Aufmerksamkeit etwas anderem zuwendet oder euch der Gegenstand eurer Freude genommen wird, spürt ihr, wie das Glücksgefühl vergeht.

Das eigentliche Glück aber liegt in euch. Ihr seid selbst vollkommene Bewusstheit, Freude und Glückseligkeit. Wenn ihr in etwas Äußeres vertieft seid, genießt ihr eure eigene Glückseligkeit, indem ihr euch darauf konzentriert. In Wirklichkeit gibt es keine Freude in der äußeren Welt; ihr kostet eure eigene Glückseligkeit aus, und zwar, indem ihr euch auf die betreffende Sache konzentriert.

Tatsächlich existieren in der äußeren Welt weder Freude noch Glück, da wir ein Tropfen aus dem Meer des Allbewusstseins sind, des Inbegriffs aller Freude und allen Glücks. Nur, wenn wir unsere gesamte Aufmerksamkeit völlig in die Höhere Aufmerksamkeit versenken, erfahren wir wahres Glück, denn das wahre Glück liegt in unserem eigenen Inneren. Es kann durch Konzentration oder durch die Verbindung mit dem Überselbst erfahren werden. Äußere Freuden entstehen nur, wenn die Aufmerksamkeit auf das Diesseits gerichtet ist. Wer nicht ins Jenseits vertieft ist, empfindet weder Freude noch Glück.

Am falschen Ort gesucht

Bislang haben wir alles versucht, um Freude in dieser Welt zu finden, und uns bald auf diese, bald auf jene Sache verlegt. Dennoch sind wir nicht zufrieden, weil äußere Dinge nicht von Dauer, sondern nichts anderes als das vorübergehende, wechselhafte Panorama des Lebens sind. Wenn ihr aber eure ganze Aufmerksamkeit in das Überselbst oder Gott versenkt, wird Freude in euch aufsteigen. Äußere Dinge auf der Sinnesebene können euch das nicht geben. Ihr müsst euch an etwas von Dauer halten können.

Gott ist der Inbegriff aller Glückseligkeit, Freude, Bewusstheit und Intelligenz, und wir sind Tropfen aus dem Meer des Allbewusstseins. Er lebt ewig – glauben wir etwa, dass wir je sterben werden? Das fällt uns nicht im Traum ein. Dabei wissen wir, dass Menschen den Körper verlassen müssen, und trotzdem haben wir das Gefühl, unsterblich zu sein. Schon Kinder tragen davon eine Ahnung in sich. Da Gott der Inbegriff aller Weisheit ist, halten wir auch unser eigenes Wissen für der Weisheit letzten Schluss. Selbst Kinder sagen: „Das weiß ich besser!“, oder etwa nicht? Das ist ein Abglanz jener allumfassenden Weisheit.

Alle Menschen sind auf der Suche nach Freude, das Problem ist nur: Wo findet man dauerhafte Freude? Darum raten uns die spirituellen Meister, uns mit etwas Unvergänglichem zu verbinden, das ewig bestehen bleibt – das ist Gott. Er ist bereits in euch; und deshalb bringt der Meister euch mit Ihm in Verbindung. Je näher ihr Gott kommt, desto mehr Glück und Freude empfindet ihr. Wenn ihr mehr Glück und Seligkeit im Innern empfangt, vergrößert sich natürlich der Abstand zu den äußeren Dingen. Die Freude an den äußeren Dingen hält nur so lange an, wie ihr damit beschäftigt seid oder euch davon in Anspruch nehmen lasst. Wenn sie von Dauer wären, wäre ja alles in Ordnung, doch sie ändern sich in einem fort.

Verbindung mit dem Unvergänglichen

Wir müssen uns also überlegen, was von bleibender Dauer ist und was nicht. Wenn man sich beständigen Frieden und dauerhafte Freude wünscht, muss die Seele in der Überseele aufgehen, die ewig lebt und den Tod nicht kennt. Dort werdet ihr nicht das Gefühl von Trennung oder von Verlust erleben, da Er das Leben eures Lebens inmitten dieses menschlichen Körpers ist.

Wer bleibenden Frieden und unvergängliche Freude wünscht, soll sich also mit etwas Unvergänglichem verbinden, denn die Dinge der Welt sind allesamt dem Wandel unterworfen; sie währen nur kurze Zeit. Schließlich muss der Mensch seinen Körper zurücklassen; für jeden kommt die Stunde, wo er gehen muss.

Die immerwährende, unvergängliche Wohnstatt liegt in euch, und sie ist nichts anderes als die Göttliche Kraft, die im Innern eures Körpers über euch wacht. Aber wir hängen so sehr an äußeren Dingen, dass wir vergessen haben, wer wir sind. Wir müssen uns von außen nach innen zurückziehen, damit wir unser eigenes Selbst erkennen. Während dieses Vorgangs sehen wir, dass diese Göttliche Energie im Körper über uns wacht. So ist der Körper der eigentliche Tempel Gottes, in dem wir Gott, das Überselbst, erkennen.

Elend, Leid und Zwietracht entspringen allesamt unserer Unwissenheit. Wir haben am falschen Ort gesucht.

Wünscht sich nicht jeder dauerhaften Frieden? Doch unsere Suche danach befasst sich bloß mit dem Bereich der Vergänglichkeit. Warum sucht ihr nicht nach der Kraft, die direkt in euch wohnt? Sie wird euch nie verlassen. Sie ist nichts anderes als die Energie, die den Körper steuert und die gesamte Schöpfung durchdringt. Dies ist, kurz umrissen, der Kern der Spiritualität.

Aufmerksamkeit für das Richtige einsetzen

Strebt nicht jeder Mensch nach Freude, Glück und Seligkeit, die nicht gleich wieder vorbei sind? Selbst wenn ihr das im Äußeren bekommen würdet – den Körper müsst ihr schließlich doch verlassen. Nun sind aber diese Dinge mit dem Körper verknüpft. Auch in diesem Fall geht es also nicht ohne Kummer ab. Warum verbindet ihr euch nicht mit der immerwährenden Kraft, die von bleibender Dauer ist, die bereits in euch wohnt und dafür sorgt, dass ihr im Körper bleibt? Warum lasst ihr euch nicht davon fesseln und gefangen nehmen?

Wir setzen unsere Aufmerksamkeit nicht richtig ein. Wir genießen ein bisschen äußeres Glück, aber nur so lange, wie unsere Aufmerksamkeit in Anspruch genommen ist oder wie wir uns voll auf etwas konzentrieren. Wenn uns die betreffende Sache entzogen wird oder wir gezwungen sind, davon abzulassen, empfinden wir Schmerz. Außerdem kosten äußere Vergnügungen Geld, die innere Glückseligkeit aber gibt es umsonst.

Weitet euer Selbst

Versteht ihr jetzt, worin die Grundlage dauerhaften Glücks liegt? Ihr habt die innere Verbindung – warum nicht ständig? Damit ist nicht gemeint, dass ihr tatenlos herumsitzen und gar nichts tun sollt. Verdient euren Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit, steht auf eigenen Füßen und versagt auch anderen eure Hilfe nicht. Wenn ihr jetzt nicht mit anderen teilt, werdet ihr am Ende doch alles zurücklassen müssen, und die Leute werden sich darum streiten: „Das ist unser Anteil – nein, unserer!“ Was euch schließlich sowieso genommen wird, könnt ihr genauso gut jetzt mit anderen teilen. Das ist doch eigentlich nur vernünftig. Es wird die Grenzen eures Selbst erweitern.

Liebt Gott und alle anderen Menschen; denn auch in ihnen wohnt Gott. Liebe ist eine Sache des Dienens und Opferns. Ich sage euch: Liebe ohne Dienst und Opfer ist keine Liebe, sondern Selbstsucht. Ihr wollt alles für euch behalten und könnt doch nur einen kleinen Teil davon verbrauchen – der Rest wird hinter euch zurückbleiben.

Hört nicht auf zu geben, solange ihr diesen Körper habt. Wenn man den Körper schließlich verlässt, ist es mit dem Geben vorbei. Wenn man mit anderen teilt, weitet sich das eigene Selbst. Ihr liebt andere um Gottes willen. Dann teilt auch mit ihnen, weil Gott in ihnen wohnt. Wir sind alle Brüder und Schwestern in Gott. Das weitet euer Selbst, sonst bleibt es kalt und hart wie ein Klumpen Eis, mit dem Ergebnis, dass ihr mit leeren Händen den Körper verlasst – was könntet ihr auch an äußeren Dingen mitnehmen? Darum sagte Christus: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.“ 

Merkt ihr, wie sich die ganze Perspektive ändert? Die Gottmenschen, die hierherkommen, lehren uns, die Dinge richtig zu verstehen. Das also ist mit rechtem Verständnis gemeint. Eure persönliche Aufgabe ist es daher, euch zur Meditation von außen zurückzuziehen und euch im Innern eures eigenen Selbst zu erheben, euch selbst zu erkennen. Mehr ist gar nicht nötig. Ihr seid bereits der Inbegriff aller Glückseligkeit, aller Weisheit und allen Glücks.

Kirpal Singh

Sant Kirpal Singh (1894-1974) wirkte seit 1948 als spiritueller Meister. Auf seinen Vortragsreisen und als langjähriger Präsident der „Weltgemeinschaft der Religionen“ erwarb er sich in Ost und West große Achtung und Sympathie.

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Foto(s): getty images

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